Titel: Wasserfreies schwefelsaures Eisenoxyd, entstanden bei der Bereitung englischer Schwefelsäure in der Fabrik zu Oker; von Fr. Ulrich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 152/Miszelle 6 (S. 395–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj152/mi152mi05_6

Wasserfreies schwefelsaures Eisenoxyd, entstanden bei der Bereitung englischer Schwefelsäure in der Fabrik zu Oker; von Fr. Ulrich.

Im Sommer 1858 sah man plötzlich in der aus dem Platinkessel der Schwefelsäure-Fabrik zu Oker101) abfließenden concentrirten Schwefelsaure von 66° B. kleine glänzende Flittern schwimmen, die sich beim ruhigen Stehen der Flüssigkeit schnell |396| zu Boden setzten. Durch den Hrn. Hüttenmeister von Eschwege auf diese Erscheinung aufmerksam gemacht, versuchte ich es durch Decantiren und schnelles Abwaschen mit kaltem Wasser diese Flittern abzusondern und erhielt so ein hellröthliches sandiges Pulver. Bei aufmerksamerer Untersuchung fand es sich, daß jedes Körnchen, von denen die größten höchstens 1 Millimeter Durchmesser hatten, ein ringsum ausgebildeter Krystall sey. Leider war es mir nicht möglich, die zur Feststellung des Krystallsystems nöthigen Messungen auszuführen, und das war um so unangenehmer, als die Vertheilung der Flächen keinen sichern Schluß in dieser Beziehung gestattete und ein Schwanken zwischen der Annahme eines 1 + 1achsigen und 2 + 1gliedrigen Systems möglich machte. Abgesehen davon, daß durch geringe, ohne Messung nicht wahrnehmbare, Winkelunterschiede für unsere Krystalle die Annahme eines 2 + 1gliedrigen Achsenkreuzes nöthig werden kann, läßt sich die Gestalt derselben als ein rhombisches Octaeder auffassen, an welchem zwei verschiedene Ecken durch Würfelflächen abgestumpft sind. Zwei parallele Würfelflächen waren meistens so ausgedehnt, daß die Krystalle dick tafelförmig wurden. Die Farbe der Krystalle war ein blasses Pfirsichblüthroth.

Im Wasser war der Körper fast unlöslich, und nur nach längerer Digestion konnte man schwache Reactionen auf Eisenoxyd und Schwefelsäure hervorbringen; auch in Salzsäure war die Löslichkeit nicht viel größer als im Wasser, dagegen wurden die Krystalle augenblicklich unter Abscheidung von Eisenoxydhydrat zersetzt, wenn man sie mit Ammoniak behandelte. Eine flüchtig ausgeführte Analyse ergab neben einer Spur von Kalkerde

58,8 Schwefelsäure,
40,6 Eisenoxyd
––––
99,4

und hieraus folgt ziemlich genau die Formel Fe ³.

Nachdem dieß festgestellt war, suchte ich mich über diesen Körper aus Büchern zu belehren, fand ihn aber von obigen Eigenschaften und dem angeführten Fundorte nirgends erwähnt, und dieß ist der Grund, weßhalb ich meine mangelhaften Beobachtungen mittheile. Als ich später die Untersuchung wieder aufnehmen wollte, war das für dieselbe reservirte Material ganz verändert, indem es ein zartes gelbes Pulver, dem Rammelsberger Mysi nicht unähnlich, darstellte. Augenscheinlich war diese Veränderung durch eine Wasseraufnahme herbeigeführt, und da ich meinen Krystallvorrath nicht hinlänglich vor diesem Einflusse geschützt hatte, so ist es mir jetzt nicht möglich, genauere Mittheilungen zu machen. Das Vorkommen der Krystalle dauerte nämlich nur einige Tage. Man suchte beim ersten Auftreten derselben nach dem Grunde ihrer Entstehung, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß als solcher einige Ziegelstücke angesehen werden müssen, die vom Dache in ein offenes Säurereservoir gefallen waren, aus dem die Säure erst in die Concentrationspfannen und dann in den Platinkessel gelangte, denn nach Entfernung derselben hörte die Bildung der Krystalle alsbald auf. Als den Ort, an welchem zuerst die Krystalle gebildet wurden, glaube ich die Heberröhre ansehen zu dürfen, durch welche die concentrirte Schwefelsäure aus dem Platinkessel gehoben wird, denn diese Röhre ist, der Condensationsröhre eines Liebig'schen Kühlapparates entsprechend, von kaltem Wasser umgeben, und ich vermuthe, daß diese Abkühlung den ersten Impuls zur Krystallbildung gegeben hat Die größte Menge der Krystalle fand sich am Boden eines in Wasser stehenden verticalen Bleirohrs, in dem die aus der Heberröhre fließende Schwefelsäure noch weiter abgekühlt wird, (Berg- und hüttenmännische Zeitung, 1859, Nr. 24.)

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Ueber die Schwefelsäurefabrik zu Oker siehe: Kerl, die Rammelsberger Hüttenprocesse. Clausthal 1854, S. 150. – Kerl, der Communion-Unterharz. Freiberg 1853. S. 65.

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