Titel: Schiefe Ebene von Bhore-Ghaut.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 152/Miszelle 2 (S. 464–465)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj152/mi152mi06_2

Schiefe Ebene von Bhore-Ghaut.

In der Great Indian peninsular Eisenbahn befindet sich eine 25,485 Meter lange schiefe Ebene mit einer totalen Steigung von 558 Metern, in welcher nur 1328 Meter Horizontale, aber 5129 Meter mit 1/50, 13,003 Meter mit 1/40, 2373 Meter mit 1/37, 463 Meter mit 1/33 Abhang, der Rest mit verschiedenen Steigungen vorkommen. Die stärkste Curve hat 302 Meter Radius und 443 Meter Länge, die schwächste Curve 1609 Meter Radius und 1569 Meter Länge. Man zählt darauf zwölf Tunnel von 30 bis 400 Meter Länge und zusammen von 2318 Meter Länge, welche alle im festen Felsen ausgeschossen sind und ohne Mauerung stehen; ferner kommen darauf acht Viaducte von 48 bis 154 Meter Länge und 13,71 bis 42 Meter Höhe vor, deren Bögen größtentheils 15,24 Meter Spannweite besitzen. Die Einschnitte, deren tiefster 24,38 Meter tief ist, geben 1,240,300 Kubikmeter Inhalt, die Aufträge, wovon der höchste 22,55 Meter hoch ist, 1,414,400 Meter Kubikinhalt. Die Kosten für dieses große Unternehmen sind zu 14,930,500 Francs veranschlagt, also zu 585,980 Francs pro Kilometer. Die Bahn zieht sich an einem vielfach von tiefen Schrunden und steilen Abstürzen unterbrochenen Gehänge hin, so daß sie bald theilweise in den Fels gehauen ist, bald von Arkaden getragen wird, und die Gründungen machen an vielen Stellen wegen einer über dem festen Gestein liegenden, aus Geschieben und Lehm bestehenden und sehr zu Rutschungen geneigten Bank große Schwierigkeiten. Eine Station, welche man zur Vermeidung sehr starker Curven und eines zu starken Gefälles angelegt hat, erhält ein sehr merkwürdiges Ansehen, indem sie wie ein liegendes Y aussieht, dessen divergirende Arme zwei nach entgegengesetzter Seite gerichtete Theile der Bahn bilden, während der gerade Fuß von der Station eingenommen wird. Auf dieser Station, welche horizontal liegt, werden die Locomotiven vom Kopfe des Zuges weggenommen und vor das Ende desselben gespannt, so daß der Zug verkehrt weiter gefahren werden kann. Die schiefe Ebene von Bhore-Ghaut wird, wie so eben gesagt wurde, mit Locomotiven betrieben werden, welche natürlich sehr schwer seyn müssen und entsprechend starke Schienen verlangen. Letztere sollen 6,4 Meter lang werden und wiegen 42,14 Kilogramme pro Meter Länge, sie werden auch in etwas anderer Weise hergestellt, als gewöhnlich. Man macht nämlich zu jeder Schiene ein Packet von 22,8 Centimeter Breite und Dicke mit einer ebenso breiten und 3,1 Centimeter starken, oberen und unteren Deckplatte, walzt es zu einer 12,7 Centimeter breiten und 15,2 Centimeter hohen Schiene aus, gibt dann wieder eine Schweißhitze und walzt nun erst die wirkliche Eisenbahnschiene aus. Die Deckplatten sind aus gemischten Erzen und mit Hülfe eines 5000 Kilogramme schweren Dampfhammers hergestellt, und auch die Einlegeschienen sind vor dem Walzen unter dem Dampfhammer bearbeitet. Gegen die Oxydation werden die fertigen und erwärmten Schienen durch das Eintauchen in gewärmtes Leinöl geschützt. Die Schienenstühle sind sehr sorgfältig angefertigt und innerlich durch rasches Abkühlen gehärtet. Die Schienenwechsel sind nicht nur mit der Laschenverbindung versehen, sondern bekommen eine eiserne Unterlagsplatte, welche auf einem 0,99 Meter langen, 0,355 Meter breiten und 0,076 Meter dicken Pfostenstücke befestigt ist, das auf den Querschwellen angeschraubt wird. Die Locomotiven erhalten doppelte Wasserreservoirs von 3634 Liter Inhalt, sind mit Bremsen versehen |465| und werden paarweise verbunden verwendet. Cylinderdurchmesser 0,381 Meter, Kolbenhub 0,559 Meter. Jede Maschine hat vier gekuppelte Räder von 1,219 Meter Durchmesser, 160 Rauchröhren von 5,1 Centimeter äußeren Durchmesser, 98 Quadratmeter Heizfläche und wiegt 35,000 Kilogramm.

Nachstehendes Verzeichniß der größten in Betrieb stehenden schiefen Ebenen gewährt eine interessante Vergleichung:

Länge
im
Metern.
Ganzes
Ansteigen
in Metern.
Mittlerer
Abhang.
Größter
Abhang.
Kleinster Curvenradius
in Metern.
Ganze Länge
d. Tunner in
Metern.
Semmering
a) bei Mürzzuschlag
b) bei Peyerbach
13406
21324
215
404
1/50
1/47
1/50
1/40
30 Curven von 201 und
38 Curv. von Met. Radius
4281
Bhore-Ghaut 25540 558 1/46 1/37 1 Curv. zu 302 u. 2 C. zu 402 M 2317
Giovi 9656 271 1/36 1/29 402 4103

(Notizblatt des „Civilingenieur“, 1859, Nr. 4.)

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