Titel: Ueber das submarine Boot des Hrn. Wilhelm Bauer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 152/Miszelle 3 (S. 465–466)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj152/mi152mi06_3

Ueber das submarine Boot des Hrn. Wilhelm Bauer.

Im polytechn. Journal Bd. CL S. 246 wurde der Bericht mitgetheilt, welchen eine Commission der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg über den von Hrn. Marine-Ingenieur Wilhelm Bauer erfundenen hyponautischen Apparat erstattete. Seitdem hat sich Hr. Bauer auch von Seite der kgl. Akademie der Wissenschaften in München ein Gutachten über seine Erfindung – ein unter dem Wasser nicht bloß auf- und abwärts, sondern auch horizontal bewegliches Fahrzeug herzustellen – erbeten; die zu diesem Behufe ernannte Commission erstattete folgenden Bericht:

Bericht der Akademiker Prof. Dr. Seidel und Prof. Dr. Jolly (Berichterstatter) an die mathematisch-physikalische Classe der kgl. Akademie der Wissenschaften in München.

Hr. Wilhelm Bauer aus München, Erfinder eines Schiffes, welches zu Fahrten unter Wasser bestimmt ist, legte der von der Classe zur Berichterstattung ernannten Commission Zeichnungen seines hyponautischen Apparates, mit welchem nach amtlichen Zeugnissen 134 Versuche in Petersburg unter der Leitung des Hrn. Bauer ausgeführt wurden, ferner ein Modell des gleichen Apparates von beiläufig 5 Fuß Länge und 1 Fuß Durchmesser, mit welchem in Gegenwart der Commission Versuche gemacht wurden, und endlich Zeichnungen zu einer auf das gleiche Princip gestützten Taucherglocke vor.

Eine eigenthümliche Leistung von Schiff und Taucherglocke, durch welche sich die Erfindung des Hrn. Bauer vor Erfindungen, die zu ähnlichen Zwecken dienen sollen, auszeichnet, besteht darin, daß die Luft im Apparat in ungeänderter Pressung bleibt, also unabhängig ist von den Tiefen, die erreicht werden. Zu diesem Zweck |466| wird der Raum, der die Bemannung des Schiffes aufnimmt, Wasser- und luftdicht verschlossen und das Senken und Erheben des Apparates wird durch die im Schiffe befindliche Mannschaft dadurch bewirkt, daß dieselbe einen Kolben in einem, nach der Wasserseite offenen Cylinder zurück- oder vorschiebt. Der hyponautische Apparat verdrängt je nach der Stellung des Kolbens mehr oder weniger Wasser. Indem mit dieser Vorrichtung die Mitfahrenden es in ihrer Gewalt haben, den Auftrieb des Wassers zu ändern, ist in der That Senken, Erheben und Schwebenlassen in beliebigen Tiefen erreichbar.

In diesem Theil der Erfindung spricht sich ein sehr anerkennungswerthes technisches Talent des Erfinders aus. Die Schwierigkeiten, welche der Ausführung im Großen sich entgegensetzten, sind durch eine Reihe sinnreicher Anordnungen und Erfindungen beseitigt und Alles ist auf anerkannt richtige Principien gestützt Es ist daher nicht zu bezweifeln, daß, insoweit es sich um Bewegungen in verticaler Richtung handelt, die Erfindung des Hrn. Bauer sich durchaus bewähren wird.

Der zweite Theil der Erfindung des Hrn. Bauer betrifft die Mittel zu horizontaler Lenkung des Schiffes. Er bedient sich hierzu einer Schraube, ähnlich wie bei den Schrauben-Dampfschiffen. Die Bewegung der Schraube erfolgt bei dem Modell durch eine Feder, und in dem hyponautischen Apparat wurde sie durch Arbeiter mittelst eines Tretrades bewirkt. Es ist einleuchtend, daß die in dieser Weise zur Disposition stehende Kraft eine sehr geringfügige ist; sie ist auch, wenn die ganze Bemannung des Schiffes (in dem vorliegenden Falle 14 Mann) in Anspruch genommen wird, nur auf 840 Fuß-Pfund anzuschlagen, während der Widerstand des Schiffes von einem Querschnitt von beiläufig 140 Quadratfuß schon bei 3 Fuß Geschwindigkeit weitab jene Zahl überschreitet.

Hr. Bauer hat nicht versäumt, auf Vorrichtungen bedacht zu seyn, durch welche ein Vorrath von Kraft, wie etwa in comprimirter Luft, dem submarinen Schiffer zur Bewegung des Schraubenpropellers mitgegeben werden könne. Bis hierher sind dieß nur Vorschläge, aber sie sind noch nicht realisirt.

Dermalen hält offenbar dieser Theil der Erfindung an derselben Stelle, an der man bei der Luftschifffahrt steht, wenn es sich darum handelt, Mittel anzugeben, durch welche eine horizontale Lenkung des Ballons möglich werden soll.

München, den 28. Januar 1859.

Wir verweisen diejenigen unserer Leser, welche sich speciell für Hyponautik interessiren, auf folgende kürzlich erschienene Schrift:

Die unterseeische Schifffahrt, erfunden und ausgeführt von Wilhelm Bauer. In geschichtlicher und technischer Hinsicht auf den Grund authentischer Urkunden und Belege dargestellt und mit Andeutungen über weitere Erfindungen Bauer's versehen von Ludwig Hauff. Mit 4 lithographirten Zeichnungen und einem Anhange, das Phillips-Delany'sche submarine Boot betreffend. Bamberg, 1859. Verlag der Buchner'schen Buchhandlung. Preis 1 Thlr.“

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