Titel: Pumpengestänge von Gußstahl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 152/Miszelle 5 (S. 466–467)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj152/mi152mi06_5
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Pumpengestänge von Gußstahl.

Die bisher üblichen Schachtgestänge bei den einfach wirkenden Wasserhaltungsmaschinen von Tiefbau-Anlagen sind zumeist eine in mancherlei Art bewerkstelligte Zusammensetzung aus Holz und Eisen. Die geringe Dauer derselben hat eine Steigerung der Dimensionen bereits veranlaßt, deren Beschaffung und Handhabung indessen schwierig und kostspielig ist, ohne bekanntlich gegen die Nothwendigkeit von Reparatur und Auswechselung von Gestängen und die mit solchen Störungen verbundenen Kosten und Gefahren völlige Sicherheit zu bieten. Die Nachtheile der gedachten Gestänge bestehen im Allgemeinen in Folgendem: Die Combination von Holz und Eisen ist schon an und für sich bei der Function, welche die Gestänge aus zu üben haben, unpraktisch, weil diese verschiedenen Materialien in ihrer Ausdehnungsfähigkeit und rückwirkenden Festigkeit zu ungleich sind. Ferner ist die Verbindung der Gestänge auch bei der sorgfältigsten Bearbeitung nie so exact herzustellen, daß die einzelnen Bestandtheile gleichmäßig in Anspruch genommen würden. Das Holz ist kaum völlig gesund, frei von Aesten, faulen Stellen, Splint u. dgl. zu beschaffen. Die Verbindungsschrauben werden durch die Bewegung, welche in den einzelnen zusammengesetzten Stücken des Gestänges durch die ungleiche Ausdehnung der Materialien und die ununterbrochene Abwechselung der Function des Hebens und Drückens des Gestänges herbeigeführt wird, häufig abgestoßen, und man nimmt selbst an, daß die Eisenschienen aus gleicher Ursache krystallinisches Gefüge erhalten und an Haltbarkeit einbüßen. Endlich tritt noch der Uebelstand ein, daß diese gegen die Wassersäule in der Regel viel zu schweren Schachtgestänge zur Ausgleichung ihres Uebergewichtes die Anlage von Contrebalanciers erfordern, welche um so kostspieliger wird, wenn dieselbe, bei Mangel an Raum über Tage, in der Grube gemacht werden muß.

Solche Umstände haben dazu geführt, das Product der unterzeichneten Gußstahlfabrik, welches sich bereits in massenhafter Anwendung in allen Zweigen des Maschinenbaues so bewährt und vorzugsweise behauptet hat, in derselben zähen Qualität, aus welcher Achsen und Bandagen für Eisenbahnen und auch Kanonen dargestellt werden, zur Anfertigung von Pumpengestängen zu verwenden, um dadurch die vorgedachten Nachtheile zu beseitigen und sich der nachfolgend bezeichneten Vortheile zu versichern. Diese Qualität Gußstahl besitzt bei vollkommener Gleichartigkeit aller Theile eines Gusses, die doppelte Stärke des besten Schmiedeeisens. Statt einer Combination von unzähligen Stücken, wovon jedes aufmerksame Controle erfordert, bildet man ein Gestänge aus einer möglichst geringen Anzahl Stangen Gußstahl. Diese geschmiedeten Stangen von durchgängig 30 Fuß Länge und einem der Belastung entsprechenden Durchmesser können je nach Convenienz selbst von 60 Fuß Länge geliefert werden. Die möglichst große Länge erleichtert auch den raschen Ein- und Ausbau eines Gestänges und vermindert in gleichem Maaße die Zahl der im Betriebe zu controlirenden Theile. Die Verbindung geschieht einfach mittelst ausgebohrter und mit 2 Keillöchern für jede Stange (zusammen 4 Löchern) versehener Muffe aus gleichbeschaffenem Gußstahle. Das Anziehen der in die Muffen passend gedrehten, verstärkten Köpfe der Stangen erfolgt mittelst gehobelter Keile aus gleichem Materiale. Da bei einem Durchmesser der Stangen, welcher die zehnfache Sicherheit bietet, dennoch in den meisten Fällen das zur Ueberwindung und Hebung der Wassersäule erforderliche Gewicht des Gestänges nicht erreicht ist, so muß, während bei dem bisherigen Systeme die Nothwendigkeit eines Contrebalanciers eintritt, im Gegentheil zur Beschwerung der Gestänge das fehlende Gewicht theils durch die Krumse von Gußeisen, theils durch Füllung der Plunger mit Gußeisen geschaffen werden.

Zur Ersparniß der Anlagekosten wird bei einem Gestänge nach Unten hin, je nach der Verminderung des zu tragenden Gewichtes, der Durchmesser der Stangen vermindert. – Der Durchschnittspreis eines completen fertigen Gestänges ist loco Fabrik per Zollpfund 15 Sgr., und dürften die Gesammtkosten eines solchen Gestänges die der bisher üblichen kaum überschreiten. – Die ausgebohrten Krumse von Gußeisen kosten durchschnittlich pro 1000 Pfd. 50 Thlr. Leitrollen und Beschwergewicht können auf Verlangen ebenfalls geliefert werden. – Zur Feststellung der dienlichen Dimensionen und Construction, sowie der Beschaffungskosten eines Gestänges ist bekanntlich erforderlich: Angabe der Länge desselben, der Schwere der Wassersäule, der Höhe des Hubes und der Dimensionen und Placirung der Pumpen.

Gußstahlfabrik bei Essen. April 1859.

Friedrich Krupp.

(Wochenschrift des schlesischen Vereins für Berg- und Hüttenwesen, 1859, Nr. 23.)

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