Titel: Ziegelöfen zu Algerton.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 153, Nr. IX. (S. 24–25)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj153/ar153009

IX. Ziegelöfen zu Algerton (Middlesex-England).

Aus der Zeitschrift des hannoverschen Architekten- und Ingenieur-Vereins, Bd. IV S. 127.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

In neuerer Zeit sind in England Ziegelöfen zur Anwendung gekommen, die sich durch eine bedeutende Ersparniß an Brennmaterial auszeichnen. Sie werden in der „Sammlung landwirtschaftlicher Bauausführungen von Engel, Berlin 1858“, näher beschrieben.

Wie in Fig. 34 im Grundrisse und in Fig. 35 im Durchschnitte angegeben, bilden die Oefen, von denen meist vier Stück neben einander gebaut werden, einen cylindrischen, oben mit einem Gewölbe geschlossenen, von hohlen Mauern umgebenen Raum zur Aufnahme von Thonwaaren, welche aus Drainröhren und hohlen Steinen bestehen. Die Feuerung befindet sich in der Mitte in einem 3' weiten Canal unter dem Boden des Ofens, welcher zugleich mit dem Einsetzen der Thonwaaren um ein oberes, etwa 8' hohes Stück bis über die Kämpferlinie des Gewölbes verlängert wird. Das obere, in den Ofen reichende Stück wird trocken mit etwa 2'' weiten Fugen aufgebaut. Ungefähr 2' über dem Roste befinden sich 16 spaltenförmige Oeffnungen in dem Schornsteine, welche durch einen rund um letzteren laufenden Canal mit der äußeren |25| Luft in Verbindung stehen; hiedurch dringt frische Luft in die Richtflamme des Feuers, was eine vollständigere Verbrennung der flüchtigen Stoffe und eine größere Hitze erzeugt.

Der Boden des Ofens wird von einem System von kleinen, concentrisch laufenden Canälen durchzogen, die sich an den Umfangswänden öffnen und in einen größeren Canal münden, der wieder mit dem Canalsystem des zweiten Ofens in Verbindung steht und zugleich durch entsprechend angebrachte Schieber mit dem in der Mitte zwischen den vier Oefen liegenden, etwa 40' hohen Schornsteine. Am Fuße dieses mittleren Hauptschornsteins befindet sich etwa 8' vertieft der Raum, von wo die vier Oefen geheizt werden. Eine kleine Oeffnung von der Seite dient zum Eintragen der Thonwaaren.

Die Wirkung dieser Heizungsanlage erklärt sich null leicht. Sobald der Ofen gefüllt ist, dient ein gelindes Feuer zum Ausschmauchen der nur so weit getrockneten Thonwaaren, als es zum Eintragen genügt; hiebei zieht die Feuchtigkeit aus dem Mannloche im Scheitel des Gewölbes. Nach kurzer Zeit kann die Oeffnung geschlossen werden und wird nun ein stärkeres Feuer zum Garbrennen der Massen angemacht. Die Hitze verbreitet sich durch den inneren Schornstein im ganzen Ofen, steigt in die Canäle hinunter und kann dann entweder direct in den Hauptschornstein oder zum Ausschmauchen des zweiten Ofens in diesen geleitet werden. Das Garbrennen der Ziegelwaare dauert 2 bis 3 Tage und Nächte für den ersten Ofen, 28 bis 36 Stunden dagegen nur in den anderen Oefen. Die hiedurch erreichte Ersparniß an Kohlen wird auf 50 bis 75 Procent anderen Oefen gegenüber angegeben.

Die Meinung des Berichterstatters über diese Construction geht dahin:

„Die Oefen eignen sich nur zum Brennen hohler Steine und Drainröhren, und dieß nur da, wo sie den ganzen Sommer in Benützung stehen können.

„Daß außer dem geringeren Brennmaterial-Verbrauch und der Zeitersparniß auch die Gleichmäßigkeit in der Gare sich besonders günstig herausstelle, ist wohl nicht anzunehmen.

„Dagegen ist ein weiterer Vortheil darin nicht zu verkennen, daß eine namhafte Ersparniß an Trockenschuppen erzielt wird, da das Ziegelgut, sobald es nur das Aufeinandersetzen ertragen kann, in den Ofen eingesetzt wird.

„Daß auch Holz- und Torffeuerung statt haben kann, ist nicht zu bezweifeln.“

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: