Titel: Deville, über Gewinnung des Platins und der es begleitenden Metalle aus dem Platinerz.
Autor: Sainte-Claire Deville, Henri Etienne
Debray, Henri Jules
Fundstelle: 1859, Band 153, Nr. XII. (S. 38–40)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj153/ar153012

XII. Ueber Gewinnung des Platins und der es begleitenden Metalle aus dem Platinerz, und über Darstellung von Platinlegirungen für chemische Gerätschaften; von H. Sainte-Claire Deville und H. Debray.

Aus den Comptes rendus, April 1859, Nr. 15.

Wir haben in diesem Betreff der (französischen) Akademie der Wissenschaften eine Abhandlung übergeben, welche als Fortsetzung der ihr im J. 1857 „über das Verhalten der Metalle des Platinerzes in hohen Temperaturen“ überreichten8) zu betrachten ist.

Jene Abhandlung – wovon wir hier nur einen Auszug mittheilen – enthält die vollständige Beschreibung der aus Kalk bestehenden Apparate, mittelst welcher man eine beliebige Quantität Platin schmelzen und in Zainformen ausgießen kann. In unserm Laboratorium haben wir zwar nie eine größere Menge Platin als 11 1/2 Kilogr. geschmolzen und gegossen, well unsere Gasometer wenig mehr als das hierzu erforderliche Sauerstoffgas |39| faßten9), aber das Princip, auf welchem die Construction unserer Apparate beruht, ist ganz unabhängig von deren Dimensionen. Als Brennmaterial haben wir bei unseren Versuchen das Leuchtgas angewendet. Diese Apparate gestatteten uns nicht nur Platinerze von jeder Zusammensetzung zu schmelzen und folglich dreifache Legirungen von Platin, Rhodium und Iridium zu erhalten, welche sehr schätzbare Eigenschaften besitzen, sondern auch diesen Güssen Platinrückstände von sehr verschiedener Zusammensetzung einzuverleiben, welche jetzt in beträchtlicher Menge von den Platinfabriken und der russischen Münze bezogen und auf diese Weise vortheilhaft verwendet werden können.

Unsere Abhandlung enthält somit alle Behandlungen auf trocknem Wege (denn nur diese Methode wollten wir bei allen unseren Verfahrungsarten anwenden), welchen man das Platinerz unterziehen muß:

1) um daraus im Großen reines Platin mit allen seinen schätzbaren physischen Eigenschaften darzustellen;

2) um durch Schmelzen des Platinerzes das Platin mit Rhodium und Iridium legirt zu erhalten;

3) um dieselbe Legirung mit verschiedenem Gehalt an Rhodium oder Iridium mittelst Benützung der verschiedenartigen Platinrückstände zu gewinnen. Diese Legirungen sind für chemische Geräthschaften dem Platin selbst weit vorzuziehen, weil sie nicht nur härter als dieses sind, sondern auch den Säuren besser widerstehen.

Zur Lösung dieser Aufgaben mußten wir die Zusammensetzung aller jetzt in den Handel kommenden Platinerze kennen und auch die Zusammensetzung der Rückstände, welche die Platinfabrikanten und die russische Münze besitzen. Hierzu mußten wir eine sehr große Anzahl mühsamer und langwieriger Analysen durchführen, wobei wir uns nicht auf die Verfahrungsarten von Berzelius und Wöhler, mit den Verbesserungen von Claus, Fritzsche, Fremy etc. beschränken konnten, sondern diese Methoden auf nassem Wege oft durch schnell ausführbare Methoden auf trocknem Wege ersetzten. Unsere Abhandlung enthält die Beschreibung der von uns angewandten neuen Verfahrungsarten und die von uns ermittelte Zusammensetzung jener Rohstoffe.

Wir haben auch Osmiumiridium von verschiedenen Bezugsquellen und verschiedenem Ansehen analysirt. Das Osmiumiridium und die Rückstände |40| welche dem Königswasser widerstehen, greifen wir mit einer genau gewogenen Quantität von Baryumsuperoxyd oder einem Gemenge desselben mit salpetersaurem Baryt an und scheiden dann den Baryt von den aufgelösten Metallen mittelst titrirter Schwefelsäure ab, deren Volum man nach dem Gewicht des angewandten Baryumsuperoxyds und salpetersauren Baryts genau berechnen kann; übrigens beschränken wir uns dabei auf die Anwendung flüchtiger Reagentien.

Unsere Abhandlung enthält auch eine große Anzahl neuer oder abgeänderter Verfahrungsarten, um die im Platinerz enthaltenen Metalle in reinem Zustande darzustellen, deren physische Eigenschaften wir mit der größten Sorgfalt bestimmt haben. Bisher wurde insbesondere der Einfluß der Wärme auf die physischen Eigenschaften dieser Metalle nicht genügend ermittelt. So hat nach Berzelius das Osmium höchstens eine Dichtigkeit = 10, während es nach unseren Versuchen das schwerste der bekannten Metalle ist; man kann das Osmium ganz metallisch, sehr glänzend, so hart daß es das Glas ritzt und sehr compact mit einer Dichtigkeit = 21,4 erhalten, während das Platin und Iridium10), nicht hartgeschlagen, eine Dichtigkeit = 21,15 besitzen. Wir haben das Osmium mittelst der Verfahrungsarten welche schon für das Silicium und das Bor angewandt wurden, krystallisirt dargestellt.

Mittelst unserer Apparate können wir sowohl Tiegel, als Retorten und Röhren auf Temperaturen über dem Schmelzpunkt des Platins erhitzen. Unsere Schmelzgefäße bestehen aus Kalk oder aus Gaskohks; wir haben die merkwürdige Beobachtung gemacht, daß man den Kalk und die Kohle bei so hoher Temperatur nur sehr kurze Zeit mit einander in Berührung lassen darf, weil sich dieselben sonst gegenseitig zersetzen, wobei Kohlenoxyd und Calcium gebildet werden.

Unsere Verfahrungsarten werden bereits in den Anstalten der HHrn. Desmoutis und Chapuis zu Paris und bei Hrn. Mathey in London zur Fabrication von Platingeräthschaften angewendet.

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Polytechn. Journal Bd. CXLV S. 44.

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Zum Schmelzen von 1 Kilogr. Platin sind, je nach dessen Reinheit, 60 bis 100 Liter Sauerftoffgas erforderlich. 1 Kilogr. Platinerz erfordert zu seiner vollständigen Bearbeitung 600 bis 900 Liter Sauerstoffgas. Der Kubikmeter (1000 Liter) Sauerstoffgas, mit Braunstein bereitet, kommt auf höchstens 4 1/2 Francs zu stehen.

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Pelouze und Fremy nahmen in ihrem Traité de Chimie die Dichtigkeit des Indiums = 15,7 an; da es nämlich erst uns gelang, dieses Metall vollständig zu schmelzen, so waren alle früheren Proben noch porös. Das Osmium, Iridium und Platin haben das gleiche Aequivalent und nahezu gleiche Dichtigkeit; dasselbe ist der Fall bei den drei Metallen Palladium, Rhodium und Ruthenium, deren Aequivalente und Dichtigkeiten beiläufig die Hälfte von jenen Metallen betragen.

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