Titel: Chellingworth's direct wirkende Expansions-Dampfmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 153, Nr. XXXVIII. (S. 161–162)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj153/ar153038

XXXVIII.  Chellingworth's direct wirkende Expansions-Dampfmaschine.

Aus dem Civil Engineer and Architect's Journal, Mai 1859, S. 168.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Die allgemeine Anwendung der Hochdruckdampfmaschinen ohne Condensation macht die Oekonomie in ihrem Betriebe und ihrer Construction zu einem Gegenstande von großer Wichtigkeit. Es gibt manche Fälle, bei welchen die Umstände die Anwendung eines Condensators nicht gestatten, z.B. der Mangel eines guten Wasserzuflusses ohne tiefe Brunnen und kostspielige Hebevorrichtungen, oder wo die zu leistende Arbeit mit den Kosten einer Condensationsmaschine nicht im Verhältniß steht. In allen diesen Fällen ist es wohl zu erwägen, daß die Oekonomie in der ersten Auslage, welche häufig die Ursache der Anwendung einer nicht condensirenden Maschine ist, mit der Oekonomie im Betriebe verbunden sey.

Vorliegende Maschine besitzt einen einzigen Cylinder und ein einfaches Schieberventil ohne weiteren Ventilmechanismus. Der Dampf wird, nachdem er unter hohem Drucke zugelassen wurde, rechtzeitig abgeschnitten, wobei er sich beinahe bis zum atmosphärischen Druck expandirt. Er gelangt zuerst oberhalb des Kolbens; nachdem dieser 2/3 oder 3/4 seines abwärtsgehenden Schubes zurückgelegt hat, wird der Dampf abgeschnitten und bis an das Ende des Schubes expandirt. Der nämliche Dampf gelangt sodann auf die untere Seite des Kolbens, um sich sofort durch den ganzen rückgängigen Hub zu expandiren. Dabei ist der Erfolg derselbe, als ob er ungefähr bei 1/3 des einfachen Hubes eines Cylinders von doppelter Länge abgeschnitten worden wäre. Um aber dieses Resultat zu erzielen, muß man einen Kolben mit zwei verschiedenen Oberflächen haben, wobei man den Dampf zuerst der kleineren Fläche zuführt und ihn sich dann auf der größeren expandiren läßt.

Fig. 20 stellt die Maschine in der Frontansicht, Fig. 21 im Längendurchschnitte dar. Der Cylinder A ist an die Grundplatte und mit seiner |162| Rückseite an die Säule B geschraubt. Der Kolben C ist aus einem Stück gegossen und ausgebohrt, um das Ende des Rohres D aufzunehmen, welches mittelst des Bolzens E an ihn befestigt ist. An diesen Bolzen ist zugleich die Schubstange F befestigt. Der Kolben ist nach Unten vertieft und paßt in den Cylinderdeckel, dessen Stopfbüchse nach Innen ragt, so daß zwischen beiden nur ein kleiner Raum übrig bleibt. Durch diese Anordnung wird die Höhe der Maschine abgekürzt, während sie zugleich die Anwendung eines leichteren Kolbens gestattet. Die Dampfcanäle G und H liegen nahe bei einander und die Ausströmungsöffnung I befindet sich nicht zwischen, sondern unter denselben. Das Ventil K ist ein gewöhnlicher D-Schieber, welcher durch ein Excentricum in Thätigkeit gesetzt wird. Die Figuren 22 und 23 zeigen die extremen Stellungen des Schieberventils. Beim Anlassen der Maschine würde dadurch eine Schwierigkeit entstehen, daß sich, bevor der untere Theil des Cylinders heiß wird, durch Condensation des Dampfes ein luftverdünnter Raum bildete. Dieser Uebelstand wird durch das Ventil L beseitigt, welches aus einem kleinen conischen Stöpsel besteht, der zurückgeschraubt wird, und somit eine Communication zwischen dem Dampfkasten und dem oberen Dampfcanal G herstellt, wodurch die Maschine leicht von jeder Stelle des Hubes aus in Gang gesetzt werden kann.

Der Dampf tritt bei dieser Maschine zuerst durch den oberen Canal G und wirkt auf den das Rohr D umgebenden ringförmigen Raum. Er wird sodann abgeschnitten und dehnt sich aus. Beim rückgängigen Hub gelangen, wie Fig. 23 zeigt, die beiden Canäle G und H mit einander in Communication, und der nämliche Druck wirkt nun auf beide Seiten des Kolbens, wobei der rückgängige Hub dadurch entsteht, daß der keinen Gegendruck findende Druck des sich expandirenden Dampfes auf den Querschnitt des Rohres D wirkt.

Bei einer in Birmingham im Betriebe stehenden Maschine von 4 Pferdekräften, welche bei einem Druck von 40 Pfund im Kessel 60 Umdrehungen per Minute macht, betrug der Kohlenverbrauch während einer sechstägigen Probe von je 10 Stunden 21 Centner.

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