Titel: Wagner, über die Verwendung der Euxanthinsäure in der Färberei und Farbenbereitung.
Autor: Wagner, Johannes Rudolph
Fundstelle: 1859, Band 153, Nr. LVIII. (S. 210–212)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj153/ar153058

LVIII. Ueber die Verwendung der Euxanthinsäure in der Färberei und Farbenbereitung; von Dr. Rudolph Wagner.27)

Die unter dem Namen Purée aus Ostindien und China eingeführte gelbe Substanz besteht nach den Untersuchungen von Erdmann 28) und Stenhouse 29) wesentlich aus der Magnesiaverbindung einer eigenthümlichen organischen Säure, Euxanthinsäure genannt. Das gereinigte Purée, ein schönes gelbes Pulver, kommt seit etwa zehn Jahren als Jaune indien oder Indian Yellow in dem Handel vor und wird in der Oelmalerei dem chromsauren Blei- und Zinkoxyd, sowie dem Königsgelb (durch Fällen erhaltenem Schwefelarsenik), ja selbst dem Schwefelkadmium öfters vorgezogen. Das in Paris dargestellte Jaune indien scheint indessen nicht durch Reinigen des rohen Farbstoffes durch Auskochen mit Wasser etc. erhalten, sondern mit Hülfe der reinen Säure, der Euxanthinsäure, dargestellt worden zu seyn, auch ergab sich bei der Analyse einer Pariser Probe, daß die unorganische Substanz nicht allein aus Magnesia, sondern aus Magnesia und Thonerde bestehe. 0,530 Grm. des bei 100° C. getrockneten Euxanthingelbs hinterließen nach dem Verbrennen einen grauweißen Rückstand von 0,253 Grm. Gewicht.

In 100 Th. besteht demnach dieser Körper aus:

organischer Substanz und Wasser 52,3
unorganischen Bestandtheilen 47,7
–––––
100,0

Daß die organische Substanz Euxanthinsäure war, davon überzeugte man sich durch Kochen der gelben Farbe mit Salzsäure, wobei vollständige Lösung stattfand; beim Erkalten schieden sich blaßgelbliche Nadeln aus, welche die Reactionen der Euxanthinsäure zeigten, beim Erhitzen schmolzen und ein krystallinisches Sublimat (Euxanthon) gaben. Der Glührückstand bestand aus:

Thonerde 0,182 = 72
Magnesia 0,070 = 28
–––––––––––
0,252 = 100
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Diese Zusammensetzung entspricht fast ganz genau der des Spinells (Al₂O₃, MgO) und gibt uns das Mittel an die Hand, das Euxanthingelb darzustellen. Es ist durch Adich's Untersuchungen bekannt, daß wenn man ein Magnesiasalz mit einem Thonerdesalz mengt, so daß auf 1 Aeq. Magnesia 1 Aeq. Thonerde kommt und so viel Salmiak hinzufügt, daß dadurch die Magnesia vor dem Fällen durch Ammoniak geschützt seyn müßte, auf Zusatz von Ammoniak die sich niederschlagende Thonerde die Magnesia mit sich niederreißt, einen künstlichen gewässerten Spinell bildend. Ich fand nun, daß die Thonerdeverbindung ebenso wie reine Thonerde die Eigenschaft besitzt, mit Farbstoffen Verbindungen einzugehen und Lacke zu bilden, die sich durch große Lockerheit auszeichnen.

Man kann demnach Euxanthingelb auf folgende Weise erhalten:

Man löst 45 Grm. Kalialaun,
13 „ Bittersalz,
6 „ Salmiak
in 250 „ Wasser.

Auf der anderen Seite löst man einige Grm. Euxanthinsäure in verdünntem Ammoniak, mischt diese Lösung mit der ersten und fällt nun das Gemisch in der Kälte mit Ammoniak, wobei jeder Ueberschuß an Ammoniak zu vermeiden ist. Der sich sofort bildende, ziemlich voluminöse, gelbe Niederschlag wird ausgewaschen, ausgepreßt und getrocknet. Der so erhaltene Niederschlag kam jedoch an Schönheit der Farbe dem Pariser Präparat nicht gleich.

Das Magnesia-Aluminat scheint in der Färberei als neues Beizmittel alle Beachtung zu verdienen. Ich erhielt eine ächte und schöne gelbe Farbe, als ich Baumwollzeug mit einer Mischung von essigsaurer Thonerde und essigsaurer Magnesia30) beizte und dann mit Euxanthinsäure ausfärbte. In Verbindung mit einer Indigküpe läßt sich auf diese Weise ein Grün herstellen, welches dem durch Mischen von Indigcarmin und Pikrinsäure erhaltenen nicht nachsteht. Da die neue Beize nach der Formel des Spinells Al₂O₃, MgO zusammengesetzt ist, so schlage ich für sie den Namen Spinellbeize vor.

Zinkoxyd verhält sich gegen Thonerde der Magnesia ähnlich und es lassen sich Zinkoxyd-Aluminate darstellen, welche ebenfalls in die Färberei eingeführt zu werden verdienen. Ich erhielt nicht ungenügende Resultate, als ich in dem oben erwähnten Euxanthingelb die Magnesia durch Zinkoxyd |212| zu ersetzen versuchte. Die der Spinellbeize entsprechende Zinkbeize würde consequenterweise den Namen Gahnitbeize (nach dem Mineral Gahnit Al₂O₃, ZnO) erhalten.

Vorgetragen in der Würzburger physikalisch-medicinischen Gesellschaft am 16. Juli 1859. – Aus den Verhandlungen dieser Gesellschaft, Bd. X S. 25.

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Journal für praktische Chemie Bd. XXXIII S. 190, Bd. XXXVII S. 385

|210|

Annalen der Chemie und Pharmacie Bd LI S. 423; Berzelius' Jahresbericht Bd. XXV S. 680.

|211|

Diese Mischung läßt sich auch aus dem Magnesia-Alaun durch dessen Zersetzung mittelst essigsauren Baryts darstellen.

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