Titel: Willmer's Farbholzraspelmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 153, Nr. CVIII. (S. 411–413)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj153/ar153108

CVIII.  Willmer's Farbholzraspelmaschine.

Aus den Mittheilungen des hannoverschen Gewerbevereins, 1859 S. 174.

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

Alle zur Zeit bekannt gewordenen Maschinen zum Raspeln, Schneiden oder überhaupt Zertheilen des Farbholzes lassen sich in zwei Classen theilen, nämlich 1) in solche, wobei Raspeln oder schneidende Messer auf der ebenen Fläche einer festen rotirenden Scheibe angebracht sind, gegen welche man das zu zertheilende Holz drückt; und 2) in solche, wo die Mantelflächen rasch umlaufender Scheiben mit entsprechenden Messern oder Hobeleisen ausgerüstet sind, gegen welche man das zu raspelnde Holz preßt.63)

Die hier zu beschreibende Maschine gehört zur zweiten Classe und hat dem principe nach viel Aehnlichkeit mit einer von Behrendorf in |412| Paris construirten derartigen Raspel, welche sich in dem vorher (in der Note) bezeichneten Werke Armengaud's vorfindet, von dieser jedoch im Einzelnen wie Ganzen derartig abweicht, daß dem Fabrikanten Willmer in Hannover ein Patent auf die fragliche Maschine ertheilt werden konnte.

Beim Arbeiten mit Willmer's Maschine wird das Holz in möglichst feine Theile zertheilt, welche jedoch noch so viel Zusammenhang besitzen, daß es nicht in Holzmehl zerfällt. Das Product, welches die Maschine liefert, zeigt sich beim Anfassen mit der Hand als eine lockige, fast wollige Masse, ohne daß man das Gefühl von Spänen, Schiefern etc. dabei empfindet.

Fig. 12 ist der Grundriß der Willmer'schen Holzraspel, Fig. 13 der Aufriß im Längendurchschnitte und Fig. 14 ein Theil des Mechanismus zum Fortschieben des Holzes. Die Bewegung der Riemenscheiben Z, Z wird unmittelbar von einer Dampfmaschine übertragen, wodurch die Umdrehung der Zahnräder X und Y und mit letzterem der Welle W erfolgt, auf welcher die Raspeltrommel D festgekeilt ist. Zur Aufnahme des zu raspelnden Holzes dient das gußeiserne Bett N, in welchem sich eine Platte C bewegt, die zum Fortschieben des Holzes und beziehungsweise Andrücken desselben an die Raspeltrommel dient. Die fortschreitende Bewegung von C erfolgt mit Hülfe von zwei Schrauben S, S, welche in den äußersten Wandungen der Langseiten des kastenförmigen Bettes N placirt sind. Die Muttern der Schrauben S, S befinden sich in den Naben der Zahnräder M, M Fig. 14, welche letztere ihre Umdrehung vom Rade R erhalten. Die Bewegung von R wird durch die endlose Schraube T bewirkt, welche auf der Welle Q angebracht ist, die wieder durch einen Riemen in Umdrehung gesetzt wird, der von einem oberhalb der Maschine laufenden Vorgelege (das seine Bewegung von einer zwischen X und Z angebrachten Scheibe erhält) ausgeht.

Um den Rücklauf der Schiebplatte C rasch zu bewirken, ist ein Zahnrad U vorhanden, das mit R im Eingriffe steht, und wenn erforderlich, seine Umdrehung von einem Riemen erhalten kann, der über die Scheiben auf der Welle P geschlagen ist.

Ursprünglich war die beschriebene Maschine auf ein Abraspeln des Farbholzes von dessen Hirnfläche, also rechtwinkelig gegen die Richtung der Fasern, angeordnet, indem eine Schicht Langhölzer A (Fig. 12) der Länge nach in den gußeisernen Kasten B gelegt wurde. Die so erzeugten Holzspäne hatten jedoch den Fehler, daß sie zu viel feines Holzmehl enthielten, weßhalb Willmer das Holz in Stücke von etwa einem Fuß Länge schneiden und lothrecht A, A. in den Kasten B stellen ließ, worauf die geraspelten Späne allen Anforderungen entsprachen. Indeß zeigte |413| sich dabei auch der Uebelstand, daß sich sehr oft unten bei E, Fig. 13, zwischen der Walze D und der Grundplatte (dem Gegenmesser), sobald die lothrechten Holzstücke in der Mitte bis F durchgeraspelt waren, der obere noch übrig gebliebene keilförmige Körper FGH festsetzte, da derselbe, auf der Spitze stehend, durch die sich drehende Walze D oft ungeraspelt hineingezogen wurde und dadurch die Maschine plötzlich zum Stehen brachte.

Diesen Uebelstand hat Willmer damit völlig entfernt, daß er die Schiebeplatte C in eine schräge Lage brachte, parallel mit der Tangente HJ, wodurch dann auch die spitzen Zähne an der Innenfläche von C überflüssig wurden.

In der Zeit von 12 Stunden liefert die Maschine circa 20 Centner vortrefflich geraspeltes Farbholz.

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Abbildungen und Beschreibungen von Maschinen der ersten Classe finden sich u. A im Bulletin de la Société d'Encouragement etc. 38e Année (1839) p. 367, daraus im polytechn. Journal Bd. LXXIV S. 408; von Maschinen der zweiten Classe in Armengaud's Publ. industr. Vol. II. p. 234. Pl. 17.

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