Titel: Ueber Annaline für Papierfabrikanten; von Dr. L. Müller.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 153/Miszelle 8 (S. 77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj153/mi153mi01_8

Ueber Annaline für Papierfabrikanten; von Dr. L. Müller.

Hr. L. Rohrmann auf Annenmühle bei Osterode hat neuerdings den Papierfabrikanten ein von ihm erfundenes Präparat als Ersatzmittel für Schwerspath, Kaolin, Gyps u.s.w., unter dem Namen Annaline angeboten, welches sich durch verschiedene Eigenschaften sehr vortheilhaft vor den genannten Substanzen auszeichnen soll, Nur um Conflicte mit den Eisenbahn-Verwaltungen in Betreff des Frachtsatzes zu vermeiden, versendet Hr. Rohrmann sein Präparat unter dem Namen Gyps. Hr. Dr. Rudel macht ebenfalls in Nr. 15 die Leser seines „Centralblattes für deutsche Papierfabrication“ aufmerksam, daß es den Bemühungen des Hrn. R. gelungen sey, ein Präparat darzustellen, welches allen Anforderungen der Papierfabrication an ein mineralisches Surrogat genüge. Es wird betont, daß die Annaline eine mineralische, völlig neutrale Substanz sey, die keinen nachtheiligen Einfluß auf den Papierstoff, Harzleim und Farbe ausübe und derselben in jeder Beziehung großes Lob ertheilt. Woraus die neue Substanz besteht, hat Hr. R., der sich zugleich zur Uebernahme von Bestellungen bereit erklärt, seinen Lesern nicht mitgetheilt, wahrscheinlich um dem Erfinder seine mühevolle Entdeckung nicht zu schmälern. Allein die Papierfabrikanten wurden unfehlbar für viele der gerühmten Eigenschaften, wie z.B. Neutralität, sofort eine Garantie erhalten haben, wenn man ihnen gesagt hätte, wie es hiermit geschieht, daß es den Bemühungen des Hrn. Rohrmann gelungen ist, schwefelsaure Kalkerde zu entdecken und daß die Annaline aus dieser eben nicht mehr unbekannten Verbindung bestehe. Sollten sich nach dieser Mittheilung diejenigen Fabrikanten, die sich bisher der Gypspräparate bedient haben, darüber wundern, daß weder die Anpreisungen des Hrn. R., noch die Empfehlungen des Hrn. Dr. Rudel auf das Vorhandenseyn von Gyps in der neuen Substanz schließen lassen, so würden sie den genannten Herren sehr unrecht thun, denn sie vergaßen, daß wohl jeder Gyps schwefelsaure Kalkerde, aber nicht jede schwefelsaure Kalkerde Gyps ist. Dagegen fällt für Eisenbahn-Verwaltungen jeder Grund hinweg an eine Täuschung zu denken, wenn ihnen schwefelsaure Kalkerde unter dem Namen Gyps zur Beförderung übergeben wird.

Hertelsaue bei Neuwedel, 29. Juni 1859.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: