Titel: Ueber das Lackiren und Bronziren verschiedener Thonwaaren; von J. Fischer, Werkmeister in der Steingutfabrik zu Totis.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 153/Miszelle 7 (S. 157–158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj153/mi153mi02_7

Ueber das Lackiren und Bronziren verschiedener Thonwaaren; von J. Fischer, Werkmeister in der Steingutfabrik zu Totis.

Viele Gattungen der Thonwaaren, insbesondere Luxusgegenstände oder auch solche, die nie oder doch selten der Wärme ausgesetzt sind, werden jetzt häufig, anstatt des kostspieligen und mühevollen Verfahrens des Glasirens, mit einem aus Harz gefertigten, wenn auch nicht dauerhaften, doch schönen Lackfirniß überzogen oder auch bronzirt. Durch dieses Verfahren erreicht man eine Auswahl von Nüancen die dem Auge des Käufers schmeicheln, und dadurch und durch sehr wohlfeile Preise hat dieser Industriezweig einen bedeutenden Aufschwung genommen.

Die Erzeugung dieser Geschirre ist an und für sich sehr einfach, indem hiebei das bei anderen Thonwaaren so unumgänglich nothwendige Glattbrennen wegfällt und der Erzeuger dadurch eine beträchtliche Summe an Holz und Arbeitslohn erspart. Der Thon wird fein geschlämmt in reinen und scharfen Gypsformen verarbeitet, dann die erhaltenen Waaren getrocknet und in einem gewöhnlichen Töpferofen gebrannt. Nach dem Abkühlen werden dann die Geschirre ausgenommen und den Arbeitern zum Lackiren übergeben. Das Lackiren zerfallt in zwei Abtheilungen, nämlich die Erzeugung des Lacks und das Auftragen desselben auf die Geschirre. Je nachdem man mehr oder weniger glänzenden und dauerhaften Lack haben will, wendet man entweder Bernstein oder Copal zur Anfertigung desselben an.

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Einen schönen Bernsteinlack erhält man, wenn man 1 Pfund klaren Bernstein in einem glasirten Topfe auf Kohlen so weit zerfließen läßt, bis einige Tropfen auf einen eisernen Spatel genommen tropfenweise ablaufen; ist dieses geschehen, so gießt man 12 bis 16 Loth gekochtes und warmes Leinöl hinzu und rührt gut um Hat sich das Oel mit dem Bernstein vereinigt, so wirft man ein Stückchen getrocknete Brodrinde hinein, nimmt den Topf vom Feuer, um ihn ein wenig erkalten zu lassen, und gießt dann unter beständigem Umrühren 1 Pfund klares erwärmtes venetianisches Terpenthinöl hinzu. Dieser Firniß gibt, durch Löschpapier filtrirt, dem chinesischen Lack in nichts nach. Auf andere Art erhält man einen schönen Lack, wenn man den Bernstein auf die oben angegebene Art schmilzt, bis er von dem Spatel rein abläuft; dann läßt man ihn unter stetem Umrühren erkalten und gießt, wenn dieß erfolgt ist, tropfenweise Terpenthinöl hinzu. Hat nun die Masse die Consistenz von Syrup erlangt, so setzt man das Gefäß auf Kohlenfeuer, und sobald die Masse zu wallen anfängt, gießt man Terpenthinöl in stärkeren Portionen hinzu. Ist der Firniß gehörig flüssig, so gießt man, indem man das Gefäß vom Feuer nimmt, eine kleine Portion klares Leinöl hinzu. Will man sich überzeugen, ob der fertige Firniß anwendbar ist, so lasse man einige Tropfen auf Glas oder Blech fallen, läuft er langsam ab, so ist er gut, bleibt er aber stehen, so ist er zu dickflüssig und muß mit etwas Terpenthinöl verdünnt werden.

Copallack wird erzeugt, wenn man pulverisirten Copal in einem in heißem Sande stehenden Gefäße mit Rosmarinöl in kleinen Portionen überschüttet, bis das Oel gesättigt ist; gießt man nun eine verhältnißmäßige Menge Alkohol hinzu, so erhält man einen vortrefflichen Firniß. Beim Auflösen des Copals in Lavendelöl oder Alkohol verfährt man auf folgende Weise: 6 Loth rectificirtes Lavendelöl werden mit 1/8 Loth Kampher in einem gläsernen Kolben so lange in der Wärme stehen gelassen, bis der Kampher aufgelöst ist und die Lösung zu wallen anfängt; dann schüttet man nach und nach in ganz kleinen Portionen (bis zu 4 Loth) pulverisirten Copal zu, rührt Alles so lange, bis letzterer geschmolzen ist, setzt sodann 8 Loth reines klares Terpenthinöl hinzu und hat nun einen schönen Firniß.

Zum Anstrich auf Geschirre wird der Firniß mit der beliebigen Farbe abgerieben und dann mit einer langhaarigen Bürste auf das Geschirr aufgetragen, in einer Muffel aus Thon oder Eisenblech bei einer solchen Wärme scharf getrocknet, wie sie die Hand eines Menschen erleiden kann, denn ist die Hitze stärker, so kocht der Lack auf und verbrennt. Es ist viel vortheilhafter für den Fabrikanten, wenn er die zum Anstrich gewählte Farbe erst mit Terpenthinöl fein abreibt, sodann den Firniß zusetzt und mit dieser Mischung so lange das Stück überstreicht und trocknet, bis die Farbe ganz gleichmäßig darauf vertheilt ist, dann wird erst der reine Firniß aufgetragen und gut eingetrocknet. Soll aber das Stück bronzirt werden, so reibt man, je nachdem man eine Nüance anzuwenden gedenkt, zu Gold-, Silber- oder Kupferfarbe Zinnoberroth, zu Bronzefarbe Chromgrün etc. in den Firniß zur Grundfarbe auf, überstreicht damit den zu bronzirenden Gegenstand, läßt den Firniß halb auftrocknen und tupft sodann das feine Bronzepulver mit einem Dachs- oder Fischpinsel auf. Je feiner das angestrichene Geschirr gearbeitet ist und je feiner das Bronzepulver war, desto schöner und gelungener wird die erzeugte Waare seyn. Daher muß man sehr aufmerksam und rein zu Werke gehen, um etwas sehr Gelungenes in diesem Industriezweige liefern zu können. (Die neuesten Erfindungen, 1859 S. 2.)

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