Titel: Ueber dynamometrische Versuche zur Ermittelung der Reibung bei Anwendung verschiedener Oelsorten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 153/Miszelle 1 (S. 231–233)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj153/mi153mi03_1

Ueber dynamometrische Versuche zur Ermittelung der Reibung bei Anwendung verschiedener Oelsorten.

Fabrikant G. Dollfus in Mülhausen hat in Gemeinschaft mit Bourry eine Anzahl dynamometrischer Versuche angestellt, die den Zweck hatten, die Reibung bei Anwendung verschiedener Oelsorten zu ermitteln. Diese Versuche wurden an zwei miteinander gekuppelten Spinnmaschinen von 240 Spindeln angestellt; jedoch wurde die Bewegung des Wagens und der Cylinder aufgehoben, damit die vom Dynamometer angegebenen Betriebskräfte während der Versuchsdauer möglichst constant blieben. Es blieben also nur die Mechanismen in Thätigkeit, welche zur Uebertragung der Bewegung auf die Spindeln dienen.

Die Betriebskraft, welche das Dynamometer anzeigt, läßt sich in zwei Theile zerlegen. Der erste besteht in der Arbeit, welche aufgewendet wird, um die die Bewegung fortpflanzenden Theile in Bewegung zu erhalten, also namentlich in der Ueberwindung der Steifigkeit der Schnuren und der Zahnreibung; dieser Theil ist bei den vorliegenden Versuchen constant. Der zweite Theil umfaßt die Zapfenreibungen; er ändert sich mit der Beschaffenheit des angewendeten Oels und der Temperatur desselben.

Um nun die für die Schmierung (vorzüglich der Spindeln) geeignetste Oelsorte und zugleich die zweckmäßigste Art und Weise der Schmierung zu finden, ließen die Experimentatoren ihre Versuchsmaschinen vor jedem Versuche reinigen, hierauf alle Theile mit Sorgfalt schmieren und erhielten dann die Maschinen mindestens 12 Stunden ohne Erneuerung der Schmierung im Gange. Von 3 zu 3 Stunden wurde die Betriebskraft und die Temperatur des Saales beobachtet. Der Oelprobirer (von Mac Naught) wurde immer mit derselben Oelsorte geschmiert, wie die Versuchsmaschinen.

Die gewonnenen Resultate waren im Allgemeinen folgende: Die geringste Reibung geben Wallrathöl und gemischtes Mineralöl. Hierauf folgen Rüböl, Talgöl (huile animale de suif), Erdnußöl, Baumwollsamenöl, Baumöl, gereinigtes Rüböl. Die gleichförmigste Bewegung ohne Erhitzung der Spindeln und Plattbänder nach 12 Stunden gaben Wallrathöl, gemischtes Mineralöl, Baumwollsamenöl. Die Probe der letzten Oelsorte, mit welcher der Versuch angestellt wurde, ist ein dickes Oel, welches aber sehr gute Resultate gibt und statt des Baum- oder Rüböls mit den Mineralölen gemengt mit Vortheil angewendet werden könnte.

Die folgende Zusammenstellung der Versuche legt dar, daß man bei Anwendung von gut gemischtem Mineralöl, und Baumwollsamenöl die Spindeln einer Spinnmaschine nur einmal täglich, und zwar mit einem einzigen Tropfen, zu schmieren braucht. Gießt man zweimal täglich Oel auf, so ist man sicher, daß die Schmierung eine ganz vollkommene ist.

Wallrathöl.

Stunden nach Beginn
des Versuchs.
Betriebskraft
in Pferdekr.
Mac Naught's
Oelprobirer.
Saaltemperatur
Grad Cels.
Witterung
1 1/2 1,26 26 25 3/4 trocken
3 1,22 26 26 1/2
6 1,26 25 27
9 1,20 25 28
12 1,20 24 28
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12 Stunden nach geschehener Schmierung erhitzten sich die Plattbänder der einen Maschine etwas, und es wäre unklug gewesen, die Versuche weiter fortzusetzen. Die Verminderung der vom Dynamometer angegebenen Betriebskraft, sowie der mittelst des Mac Naught'schen Instruments beobachteten Reibung ist eine Folge der wachsenden Temperatur.

Gemischtes Mineralöl.31)

Stunden nach Beginn
des Versuchs.
Betriebskraft
in Pferdekr.
Mac Naught's
Oelprobirer.
Saaltemperatur
Grad Cels.
Witterung.
1 1/2 1,26 17 26 schön und
trocken
3 1,21 18 1/2 27 1/2 deßgl.
6 1,19 18 29 deßgl.
9 1,19 18 29 deßgl.
12 1,30 19 26 deßgl.

Nach zwölfstündigem Gange sind alle Theile der Maschinen kalt, aber etwas trockner als beim Wallrathöl. Wenn man zweimal täglich schmiert, so erhält man selbst bei den Theilen, welche die rascheste Bewegung haben, wie bei den Spindelbüchsen, eine vollkommen constante Reibung. Pfannen und Zapfen brauchen nur einmal täglich geschmiert zu werden.

Rüböl (10 Grm. Mennige auf 200 Kilogr. Rüböl).

Stunden nach Beginn
des Versuchs.
Betriebskraft
in Pferdekr.
Mac Naught's
Oelprobirer.
Saaltemperatur
Grad Cels.
Witterung.
1 1/2 1,47 48 26 schön und
trocken
3 1,59 48 28 deßgl.
6 1,59 48 29 deßgl.
9 1,60 48 30 deßgl.
12 1,60 48 30 deßgl.

Dieses Oel gab eine völlig constante Reibung. Doch waren einige Plattbänder 3 Stunden nach Beginn des Versuchs etwas grün gefärbt, Ein zweiter Versuch ergab die Betriebskraft zu 1,62 Pferdekräften, und nachdem der Versuch 12 Stunden lang fortgesetzt war, zeigten sich mehrere Spindeln stark erhitzt.

Talgöl.

Stunden nach Beginn
des Versuchs.
Betriebskraft
in Pferdekr.
Mac Naught's
Oelprobirer.
Saaltemperatur
Grad Cels.
Witterung.
1 1/2 1,50 32 22 1/3 schön und
trocken
3 1,42 29 1/2 23 1/2 schön
6 1,33 27 25 deßgl.
9 1,41 29 25 deßgl.
12 1,61 29 25 3/4 deßgl.

9 Stunden nach dem Schmieren waren die Messingtheile grün geworden und ungefähr die Hälfte der Spindeln erhitzt.

|233|

Erdnußöl.

Stunden nach Beginn
des Versuchs.
Betriebskraft
in Pferdekr.
Mac Naught's
Oelprobirer.
Saaltemperatur
Grad Cels.
Witterung.
1 1/2 1,62 52 22 bedeckt. Himmel, windig
3 1,55 49 1/3 22 deßgl.
6 1,65 49 1/2 23 Regen und Wind
9 1,68 50 23 bedeckter Himmel
10 1,76 50 23 deßgl.

6 Stunden nach Beginn des Versuchs waren alle Messingtheile an Plattbändern und Pfannen angegriffen, und die Spindeln stark erhitzt. Dieses Oel ist nicht zu empfehlen, weder im reinen Zustande, noch gemengt. Man mußte die Maschinen öfter schmieren und reinigen, weil sonst sehr bald alle Theile mit einem festen Rückstand bedeckt sind.

Baumwollsamenöl.

Stunden nach Beginn
des Versuchs.
Betriebskraft
in Pferdekr.
Mac Naught's
Oelprobirer.
Saaltemperatur
Grad Cels.
Witterung.
1 1/2 1,83 49 23 bedeckter Himmel
3 1,83 47 23 schön
6 1,86 42 1/2 23 1/2 bedeckter Himmel
9 1,69 40 24 1/2 deßgl.
12 1,69 35 24 1/2 deßgl.

Mehrere Spindeln, die schon kurz nach Beginn des Versuchs sich erhitzt hatten, behielten bis zum Schlusse des Versuchs die angenommene Temperatur bei.

Baumöl (erste Qualität im Handel).

Stunden nach Beginn
des Versuchs.
Betriebskraft
in Pferdekr.
Mac Naught's
Oelprobirer.
Saaltemperatur
Grad Cels.
Witterung.
1 1/2 1,97 23 1/2 48 schön und trocken
3 2,04 25 48 deßgl.
6 1,97 26 45 deßgl.
12 2,18 26 45 deßgl.

9 Stunden nach Beginn des Versuchs waren die Spindeln so stark erhitzt, daß man sich die Finger an denselben verbrannte; der Gang der Maschinen war sehr unregelmäßig. Beim Beginn eines Versuchs fand man die Betriebskraft 2,25 Pferdekräfte, bei Beendigung desselben 1,90 Pferdekräfte. Bei Anwendung dieser Oelsorte mußte man die Schmierung häufig erneuern.

Gereinigtes Rüböl.

Stunden nach Beginn
des Versuchs.
Betriebskraft
in Pferdekr.
Mac Naught's
Oelprobirer.
Saaltemperatur
Grad Cels.
Witterung.
1 1/2 2,11 22 52 bedeckter Himmel
3 1,89 23 51 bedeckt, Regen
6 2,03 22 1/2 51 deßgl.
9 2,16 23 47 Sonnenschein
12 2,15 23 48 deßgl.

9 Stunden nach Beginn des Versuchs waren die Spindeln stark erhitzt und die Messingtheile stark grün gefärbt. Man mußte häufig schmieren (Bulletin de la Société industrielle de Mulh., No. 146 durch polytechn. Centralblatt, 1859 S. 848.)

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Dieses Oel besteht aus einem Gemenge von mit Mennige behandeltem Rüböl und Mineralöl von Lobsann (Niederrhein). Rüböl, Baumöl u.s.w., mit verschiedenen Mengen von Mennige behandelt, geben Oele von verschiedener Consistenz, welche zum Schmieren der gangbaren Zeuge sowohl, als auch der empfindlicheren Theile sehr wohl geeignet sind.

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