Titel: Verwendung des in den Streich- und Kammgarnfabriken zur Wollwäsche benutzten Seifenwassers.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 153/Miszelle 10 (S. 238–239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj153/mi153mi03_10

Verwendung des in den Streich- und Kammgarnfabriken zur Wollwäsche benutzten Seifenwassers.

In den bedeutenden Spinnereien zu Mülhausen (im Elsaß) und Augsburg wird dieses Seifenwasser nach dem von dem französischen Ingenieur Jeannency eingeführten Verfahren (polytechn. Journal Bd. CXLII S. 316) verwendet. Man leitet nämlich das aus den Waschbottichen abfließende Wasser, welches den Schweiß der Wolle und die gebrauchte Seife enthält, in kubicirte Cisternen, mischt es dort mit Kalkmilch und überläßt es 12 Stunden lang der Ruhe. Es bildet sich ein Bodensatz, der, nachdem die überstehende klare Flüssigkeit entfernt worden, auf Seihetücher aus grober Leinwand gebracht wird. Derselbe bildet nach mehreren Tagen eine teigartige Masse, welche mit dem Spaten in prismatische Stücke von der Größe |239| halber Ziegelsteine ausgestochen und auf Horden getrocknet wird. Zur Trocknung sind 2–3 Wochen, oft auch 3 Monate erforderlich. Die trockenen Stücke werden ähnlich wie bei der Gasbereitung der Destillation unterworfen und liefern ein Gas, welches nicht gereinigt zu werden braucht und eine dreifach stärkere Leuchtkraft besitzt, als das aus guter Gassteinkohle gewonnene. Das Waschwasser einer Kammgarnspinnerei von 20,000 Spindeln wie in den angeführten Orten, liefert, wenn es dem beschriebenen Processe unterworfen wird, täglich beiläufig 500 Kilogr. getrocknete Masse, sogenannten Suinter; ein Kilogr. Suinter gibt 210 Liter Gas. Jährlich werden im Durchschnitt 150,000 Kilogr. Suinter gewonnen und im regelmäßigen Betriebe können daraus 31,500,000 Liter Gas bereitet werden. Eine Flamme consumirt in der Stunde 35 Liter: mit der angeführten Quantität ließen sich, das Brennen einer Gasflamme auf 1200 Stunden berechnet, 750 Gasstammen speisen. Eine Fabrik von 20,000 Spindeln bedarf zu ihrer Erleuchtung nur 500 Flammen, es bleibt demnach der noch für 250 Flammen dienende Suinter, im Ganzen 5000 Kilogr. zu anderweitiger Verwendung bereit. In Augsburg wird ein bayer. Centner oder 56 Kilogr. der Masse mit 2 1/2–3 fl., in Mülhausen mit 9–10 Frcs. bezahlt. Die Fabricationskosten, einschließlich der Verzinsung der Anlage, Beschaffung des Kalks etc., betragen per Flamme jährlich 37 Frcs.; es kostet demnach die Flamme per Stunde 3,08 Centimes (1000 Kubikfuß 6 Thlr. 27 Sgr.). Eine derartige Anlage ist insbesondere in den Orten vortheilhaft, die entfernt vom Kohlenmarkt nicht in der Lage sind, sich Gas für einen entsprechend billigen Preis herstellen zu können. (Austria 1859, Bd. II S. 584.)

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