Titel: Ueber verdichteten Torf.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 153/Miszelle 11 (S. 239–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj153/mi153mi03_11

Ueber verdichteten Torf.

Eine unter der Leitung des Hrn. Prof. Stöckhardt ausgeführte Untersuchung des condensirten Torfs von Challeton, des nach dem Exter'schen Verfahren dargestellten Preßtorfs aus dem Haspelmoor in Bayern und des Preßtorfs von Mannhardt in München (s. polytechn Journal Bd. CLII S. 239) ergab folgende Resultate:

Challeton's
condensirter Torf.
Preßtorf vom
Haspelmoore.
Preßtorf von
Mannhardt.

Proc.

Proc.
a) dichter
Proc.
b) lockerer
Proc.
Feuchtigkeit 12–14 11 4,8 13
Asche 12 7,5 8,4 6,1
Spec. Gewicht 1,22 1,14 1,04 0,9
1 preuß. Kubikfuß wiegt 80,5 75,2 68,6 59,4 Pfd.

Nach einer in der polytechnischen Schule in Hannover von Dr. Kraut vorgenommenen Untersuchung der erstgenannten zwei Sorten entwickelten bei der Verbrennung

64,9 Pfd. Challeton'scher Preßtorf,
66,7 „ Haspelmoor-Preßtorf,
74,7 „ völlig trockenes Buchenholz und
41 „ beste Newcastler Steinkohle

eine gleiche Hitze.

Die Challeton'schen Ziegel von condensirtem Torf enthalten bei gleichem Volumen die größte Menge von brennbarer Substanz, sie sind so dicht, daß sie im specifischen Gewicht der mittleren Zwickauer Pechkohle gleich stehen, zugleich so fest, daß sie sich nur schwierig durch wiederholte Hammerschläge zerkleinern lassen, und so hart, daß sie Gyps mit Leichtigkeit ritzen. An Concentration des Brennstoffs und Transportfähigkeit stehen sie oben an unter den bis jetzt bekannten Torffabricaten und der Steinkohle am nächsten.

Die Preßtorfplatten vom Haspelmoore stellen gleichfalls, obwohl in etwas vermindertem Grade gegen die vorigen, eine harte, feste und dichte, hellerfarbige Masse dar, an der jedoch im Innern die ursprüngliche Torfstructur noch sichtbar ist. Daß sie ebenfalls einen weiteren Transport auszuhalten vermögen und im Vergleich zu |240| gewöhnlichem Torf als ein weit concentrirteres, auch zum Locomotivbetrieb vollkommen gut geeignetes Brennmaterial zu gelten haben, ist aus ihrer Beschaffenheit und Dichtigkeit a priori zu schließen, auch bereits durch die Erfahrung sattsam nachgewiesen.

Der Mannhardt'sche Preßtorf, von dem nur mit einem arbeitenden Modell erzeugte Probestücke vorlagen, stellt kleine 1/8 bis 1/2 Zoll dicke viereckige Tafelchen, beiläufig von 3/4 bis 2 Loth Gewicht, dar. Daß der nasse, rohe Torf keiner genaueren Reinigungsoperation vor der Pressung unterlegen, ging aus dem faserigen Gefüge der leichteren Stücke hervor, deren Verdichtung deßhalb auch einen minder beträchtlichen Grad erreicht hat. Auch die aus einer gleichförmigen Torfmasse bestehenden schwereren Stücke erreichen nicht die Dichtigkeit der Challeton'schen und Exterschen Präparate, immerhin aber stellen sie doch eine beträchtlich schwerere und zugleich compactere, feste Masse dar als die des gewöhnlichen Torfs, werden also diesem an Transportfähigkeit und Concentrirung des Brennstoffs wesentlich voranstehen, dafern nicht etwa die bei der Verpackung oder Aufschichtung der kleinen, vielfach buckeligen Täfelchen verbleibenden Zwischenräume das Volumen zu sehr vermehren (zu sehr Pauschen) und dadurch Unzuträglichkeiten beim Transport veranlassen. (Jahrb. der königl. sächsischen Akademie für Forst – und Landwirthe zu Tharand.)

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