Titel: Metallcompositionen für die Achslager der Eisenbahn-Fahrzeuge in Preußen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 153/Miszelle 2 (S. 233–235)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj153/mi153mi03_2

Metallcompositionen für die Achslager der Eisenbahn-Fahrzeuge in Preußen.

Nach der Metall-Composition unterscheiden sich die Lagerfutter in solche aus Rothguß und solche aus Weißguß.32) Die ersteren sind theurer und umständlicher |234| zu ergänzen, fester, härter und schwerer schmelzbar als die letzteren, und greifen bei mangelhafter Schmiervorrichtung die Achsschenkel mehr an; die letzteren sind billig, leicht zu ergänzen durch Eingießen in die Achslagerkasten, weniger fest, weicher und leichter schmelzbar, so daß sie beim Warmlaufen leicht verderben, nutzen jedoch die Achsschenkel nicht merklich ab, und sind bei richtiger Komposition sehr dauerhaft, indem sie sich wenig abnutzen und dem Achsschenkel eine große Politur geben. – Die Rothgußfutter bestehen hauptsächlich aus Kupfer (74 bis 86 Proc). welches mit Zinn, zuweilen auch noch mit Blei und Zink legirt ist; die Weißgußfutter dagegen entweder vorzugsweise aus Blei (60 bis 84 Proc.), oder vorzugsweise aus Zinn (74 bis 9l Proc.), oder aus beiden zu gleichen Theilen (84 Proc.), legirt mit Antimon und auch wohl Kupfer in geringerer Quantität.

Die Rothgußfutter sind bei fünf Bahnen allein und bei allen Fahrzeugen im Gebrauch und als zweckmäßig erkannt, nämlich:

  • 1) bei der Köln-Mindener mit 84 Proc. Kupfer, 4 Proc. Blei, 8 Proc. Zinn, 4 Proc. Zink)
  • 2) bei der Aachen-Mastrichter mit 86 Proc. Kupfer. 14 Proc. Zinn,
  • 3) bei der Breslau-Schweidnitz-Freiburger mit 79 Proc. Kupfer, 8 Proc. Blei, 8 Proc. Zinn, 5 Proc. Zink;
  • 4) bei der Berlin-Potsdam-Magdeburger mit 74 Proc. Kupfer, 12 Proc. Blei, 8 Proc. Zinn, 4 Proc Zink;
  • 5) bei der Wilhelmsbahn (ohne Bezeichnung).

Fünf Bahnen haben bei den Fahrzeugen, welche mit mehr als 75 Cntr. pro Achse belastet werden, die Rothgußlager beibehalten, dagegen bei Fahrzeugen mit geringerer Belastung die Weißgußlager mit 74 bis 85 Proc. Zinn zur Anwendung gebracht.

Die Compositionen sind folgende:

Kupfer. Blei. Zinn. Zink. Antimon.
1) Die westphälische Eisenbahn Rothguß 84 16
Weißguß 7 82 11
haben 7000 Meilen ohne Reparatur
durchlaufen.
2) Die Magdeburg-Halberstädter Rothguß 82 10 8
Weißguß 11 74 15
3) Die Saarbrücker Rothguß 82 18
Weißguß 5 85 10
4) Die Aachen-Düsseldorfer-Ruhrorter Rothguß 80 8 8 4
Weißguß 7 76 17
5) Die Bergisch-Märkische Rothguß Angabe fehlt
Weißguß 8 80 12
Sieben Bahnen geben den Weißgußlagern aus Zinn etc. für alle Belastungen, zum Theil
selbst bei den Locomotiven den Vorzug. Dieselben legiren dann in folgender Weise:
1) Berlin-Anhaltische 5 85 10
2) Oberschlesische 5 85 10
3) Neisse-Brieger 6 83 11
4) Magdeburg-Leipzig 3 91 6
5) Rheinische 6 82 12
6) Niederschlesische Zweigbahn 3 91 6
7) Niederschlesisch-Märkische (sehr empfohlen) 5 85 10

Die Achslagerfutter, welche hauptsächlich aus Blei bestehen, haben bei fünf Bahnen Eingang gefunden. Dieselben scheinen sich zu bewähren, sobald sie stets in guter Schmiere gehalten werden, leiden indessen, sobald sie trocken gehen, weßwegen |235| sie vielfach durch Zinn-Legirungen ersetzt worden sind. Die gewählten Verhältnißzahlen sind folgende:

Kupfer Blei Zinn Zink Antimon
1) Die Ostbahn hat die Zinnlegirung mit 94 Proc.
Zinn verworfen und die Bleilegirung eingeführt
mit




84






16
Dieselbe läßt sich besser einschmelzen, ist
billiger, (2 1/2 Sgr. pro Lager) und hat sich gut
bewährt
2) Magdeburg-Wittenberger Eisenbahn
bei Wagenlagern 85 15
bei Maschinenlagern 8 80 12
3) Die Magdeburg-Leipziger Bahn hat für größere
Belastung die Zinnlegirung, für geringere die
Bleilegirung mit




84






16
4) Die Berlin-Hamburger Bahn hat die Legirung von 85 15
zu weich gefunden, indem sich die Schmiernuthe
zuschob, und in Folge dessen die Verhältnisse
angewendet




60


20




20
5) Die Thüringische Eisenbahn hat bei Locomotiven
Rothguß angewendet, beim Wagenpark die
Legirung




85






15
Bei zwei Bahnen, Berlin-Stettin und Oppeln-
Tarnowitz, ist eine Legirung von Blei und Zinn;
zu gleichen Theilen mit 16 Proc. Antimon als
sehr widerstandsfähig, nicht zu hart, sich nicht
abnutzend und die Lagerhälse nicht angreifend
befunden worden
42 42 16

Außerdem muß noch einer Verbindung eines Weißguß- und Rothgußfutters bei der Aachen-Maestrichter Bahn gedacht werden, wodurch das Futter widerstandsfähig gemacht werden soll. (Eisenbahnzeitung, 1859, Nr. 26.)

|233|

Man vergl. „über den Widerstand der Zapfenreibung“ von Oberbaurath F. A. v. Pauli, im polytechn. Journal Bd. CXIV S. 171.

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