Titel: Der atlantische Telegraph.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 153/Miszelle 3 (S. 235–236)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj153/mi153mi03_3

Der atlantische Telegraph.

Nach englischen Blättern ist die Angelegenheit des atlantischen Telegraphen wieder geordnet worden. Die brittische transatlantische Telegraphencompagnie proponirt, möglichst noch innerhalb dieses Jahres ihr Kabel von Landsend in Cornwall nach Blanc Sablon zu legen, eine Insel in der Straße von Belle-Isle an einer Einfahrt des Golfs von St. Lawrence, ein wenig nördlich von Neufoundland. Ein kurzer Draht, welcher von einer besonderen Gesellschaft gelegt werden wird, geht von Alane Sablon nach der Insel Anticosti, wo sich die bereits eröffnete Linie befindet, welche mit Quebec, Montreal und ganz Canada in Verbindung steht. Eine andere kurze Linie von Anticosti wird nach Cap Breton eingesenkt, wo sie in Verbindung mit dem Netz der Linien von Halifax, Nova Scotia, Boston, New-York etc. tritt. Die Vortheile einer solchen Route gegen eine von der Westküste Irlands ausgehende sind erheblich, sowohl im Punkte der Billigkeit, als auch der Sicherheit gegen unterseeische Gefahren, welche die Linie von Valentia nach Neufoundland bedrohen. Die größere Entfernung beträgt wenig über 150 Meilen; aber eine Depesche, welche in Landsend ankommt, erreicht ihren Bestimmungsort direct zu niedrigern Kosten, |236| während sich die Unkosten von Valentia viel höher stellen und die Depesche jedesmal öfter umtelegraphirt werden muß.

Die brittische transatlantische Telegraphencompagnie beabsichtigt, ein sehr leichtes Kabel zu gebrauchen. Von dem Ueberzuge mit Eisendraht soll ganz abgestanden werden. Der Leiter besteht aus 7 Kupferdrähten, welche die doppelte Dicke der bei dem atlantischen Kabel gebrauchten haben werden. Er wird überzogen mit einer Mischung von Gutta-percha, mit mannichfachen Isolatoren, und von Außen in besonderer Weise mit einem Gewebe von Hanf umgeben. Das Gewicht ist weniger als 8 Centner pro englische Meile, an der Küste circa 2 Tonnen pro Meile. Die Kosten werden halb so groß seyn wie die bei dem alten Tau. Die Contrahenten verpflichten sich, das Ganze bis zur vollständigen Betriebsbereitschaft für eine Summe unter 3,800,000 Pfd. St. fertig zu liefern. Für den Tarif sollen die Depeschen aus drei Classen bestehen: 1) gewöhnliche Depeschen, 2) Erpreßdepeschen, 3) Specialdepeschen. Die letzteren werden zuerst, dann die der zweiten Classe, zuletzt die der ersten Classe befördert. Die Preise sollen für die erste Classe 1 Pfd. St., für die zweite 5 Pfd. St., für die dritte 10 Pfd. St. betragen. Auf den Stationen wird beständig eine Lifte über die Zahl der zur Beförderung vorhandenen Depeschen aufliegen.

In Bezug auf das alte Kabel macht der Secretär der Gesellschaft folgende Notizen bekannt, um die verschiedenen Gerüchte zu widerlegen, die von dem im August vorigen Jahres glücklich gelegten Kabel nach Amerika behaupten, es sey nie fähig gewesen Depeschen zu befördern. Das Kabel hat befördert: Vom 10. August bis 1. September incl.: von Valentia nach Neufoundland 97 Depeschen, enthaltend 1102 Worte oder 6476 Buchstaben. Von Neufundland nach Valentia 269 Depeschen mit 2840 Worten oder 13,743 Buchstaben. Zusammen: 366 Depeschen, 3942 Worte, 20,219 Buchstaben. In diesen Zahlen sind die Besprechungen zwischen den Beamten beider Enden nicht inbegriffen. (Eisenbahnzeitung, 1859, Nr. 29.)

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