Titel: Der Kautschuk im Vergleich mit Gutta-percha als Isolator für unterseeische Telegraphenkabel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 153/Miszelle 4 (S. 236–237)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj153/mi153mi03_4

Der Kautschuk im Vergleich mit Gutta-percha als Isolator für unterseeische Telegraphenkabel.

Behufs Versuchen über die Anwendbarkeit des Kautschuks zu diesem Zweck, haben die HHrn. Silver und Comp. Draht von einigen engl. Meilen Länge mit einer doppelten Lage von Kautschukstreifen spiralförmig überzogen, so daß die Ränder der Streifen dicht auf einander paßten und der Ueberzug daher bei jedem Druck für das Wasser vollkommen undurchdringlich war. Selbst bei dem gegenwärtigen hohen Preise des Kautschuks kann man auf diese Weise Drahte um wenig mehr als die Hälfte der für Gutta-percha erforderlichen Kosten überziehen.

Der Kautschuk besitzt aber im Vergleich mit Gutta-percha noch viel wichtigere Vorzüge. Derselbe ist nämlich fast so unzusammendrückbar wie das Wasser, und im Vergleich mit Gutta-percha erfordert er einen sehr hohen Wärmegrad zum Schmelzen, indem kochendes Wasser gar keine Wirkung auf ihn hat.

Drähte welche auf angegebene Weise in der Anstalt der HHrn. Silver mit Kautschuk überzogen worden waren, wurden in einer hydraulischen Presse eine beträchtliche Zeit lang einem Druck von 7 1/2 Tonnen auf den Kreiszoll unterzogen; als man sie probirte, während sie noch diesem Druck ausgesetzt waren, zeigte das empfindlichste von Hrn. Henley's Galvanometern, daß die Isolirung vollkommen war. Als man einen noch größeren Druck anzuwenden versuchte, barst endlich der Cylinder der Presse. Wenn man berücksichtigt, daß durch einen Druck von 5 Tonnen auf den Quadratzoll der Granit zermalmt wird, so wird man zugeben, daß durch jene Probe der Werth des Kautschuks als dem Druck widerstehender Isolator entschieden nachgewiesen ist. Diese Eigenschaft desselben ist aber viel wichtiger als man auf den ersten Blick vermuthen dürfte. Ein Druck von 7 1/2 Tonnen auf den Zoll ist gleich dem Druck welcher durch das Gewicht des Wassers in einer Tiefe von acht engl. Meilen hervorgebracht wird. Die größte Tiefe, auf welche das atlantische Kabel versenkt wurde, war drei engl. Meilen, und der Druck dieser Wassermasse auf |237| das Kabel am Boden der See war beiläufig 2 1/2 Tonnen. Die Gutta-percha wird bei einem solchen Druck auf mehr als die Hälfte ihres Volums reducirt. Dieser anscheinend unbedeutenden Thatsache ist es vielleicht zuzuschreiben, daß das atlantische Kabel jetzt unbrauchbar ist; denn wenn der Kern des Kabels auf die Hälfte seines ursprünglichen Durchmessers einschrumpfte, so streckten sich die äußeren Drähte im Verhältniß, während die Gutta-percha hierbei nur reißen konnte und den Leiter an vielen Stellen entblößt hinterlassen mußte. In dieser Hinsicht ist der Kautschuk im Vergleich mit der Gutta-percha in entschiedenem Vortheil, da er im Gegentheil unzusammendrückbar und sehr elastisch ist.

Im Verlauf der Versuche wurde ein durch zwei Kautschuklagen isolirter Draht von beträchtlicher Länge in einen großen Kessel mit siedendem Wasser getaucht. Obgleich der äußere Theil der Hülle fast weiß gekocht war, so blieb doch die Isolation eine vollkommene. Ein eben so langer Draht von gleicher Stärke, welcher mit Gutta-percha überzogen war, hörte nach dem Eintauchen sofort auf ein Nichtleiter zu seyn, da die Gutta-percha leicht bei 38° C. schmilzt. Die Windungen des atlantischen Kabels, welche behufs des Versenkens sich auf dem Verdeck des Schiffeö befanden und daselbst der Sonne ausgesetzt waren, mußten wirklich theilweise ausgeschnitten werden, weil der Kupferdraht durch die erweichte Gutta-percha gedrungen war.

Eine andere Firma stellte Versuche an, um durch eine Verbindung von Kautschuk mit Schellack einen Isolator herzustellen. Dieselben versprechen einen günstigen Erfolg, sind jedoch noch nicht so weit vorgeschritten, daß sie veröffentlicht werden könnten. (Times. – Civil Engineer and Architec'ts Journal, Juni 1859, S. 808)

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