Titel: Verfahren, das Chlor und den Schwefel in dem Kautschuk nachzuweisen, welcher mittelst Schwefelchlorür vulcanisirt worden ist; von H. Gautier de Claubry.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 153/Miszelle 5 (S. 317–319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj153/mi153mi04_5

Verfahren, das Chlor und den Schwefel in dem Kautschuk nachzuweisen, welcher mittelst Schwefelchlorür vulcanisirt worden ist; von H. Gautier de Claubry.

Der Kautschuk haftet sehr stark an den Zeugen; man kann ihn jedoch mit großer Leichtigkeit von denselben absondern, wenn man die Rückseite des Zeuges mit Schwefelkohlenstoff oder mit Benzin tränkt und mittelst einer Messerklinge das |318| Kautschukblatt ablöst. Behufs der nachfolgenden Untersuchung darf man aber zum Tränken des Zeuges nur Benzin anwenden.

Der so abgesonderte Kautschuk wird behufs der Untersuchung in eine tubulirte Retorte gebracht, in welche man einen Strom von Sauerstoffgas oder von atmosphärischer Luft leitet, und die hierbei gebildeten Producte läßt man in eine rothglühende Röhre ziehen, von welcher aus sie durch destillirtes Wasser streichen.

Man mag diese Operation aber noch so gut leiten, so destillirt stets eine Quantität Oel über, welches man durch ein naß gemachtes Filter absondert.

In der filtrirten Flüssigkeit bildet salpetersaures Silber einen Niederschlag, welcher Chlorsilber und Schwefelsilber enthalten kann, nebst metallischem Silber, welches durch die öligen Substanzen reducirt wurde; kocht man diesen Niederschlag mit Salpetersäure, so bleibt nur Chlorsilber zurück, welches sich manchmal sehr langsam aus der, ölige Producte enthaltenden Flüssigkeit absetzt.

Wenn die öligen Producte in großem Verhältniß vorhanden sind, so sondert man sie durch Decantiren ab, und unterwirft sie dann der Destillation, indem man sie durch eine rothglühende Röhre ziehen läßt und von dieser in Wasser leitet; letzteres gibt dann mit salpetersaurem Silber einen reichlichen Niederschlag.

Indem man auf diese Weise die mit Schwefelchlorür vulcanisirten Kautschukartikel untersucht, überzeugt man sich leicht, daß der Kautschuk nach und nach den Ueberschuß des Schwefelchlorürs verliert, womit er durchdrungen war, aber die Elemente desselben in einem gebundenen Zustande zurückhält, dessen Natur ich noch nicht zu bestimmen vermochte.

Aus diesen Thatsachen geht jedoch hervor, daß man durch Anwendung des beschriebenen Verfahrens das Chlor und den Schwefel welche durch das Vulcanisiren dem Kautschuk einverleibt wurden, von demjenigen Chlor und Schwefel unterscheiden kann, welche dem im Kautschuk enthaltenen Chlornatrium und schwefelsauren Kali angehören. (Comptes rendus, Juli 1859, Nr. 2.)

Nachtrag.

Wenn aber der mit Schwefelchlorür vulcanisirte Kautschuk sehr wenig Chlor enthält, so kann man nach dem vorstehend beschriebenen Verfahren kein sicheres Resultat erhalten, weil man dabei nur einen Theil von dem Chlor sammelt. Ich mußte daher eine Methode ermitteln, wodurch man das Chlor und den Schwefel in den beiden Zuständen, worin sie im Kautschuk vorkommen können (als natürliches Chlornatrium und schwefelsaures Kali, als eingeführtes Chlor mit Schwefel), mit aller Sicherheit zu ermitteln und selbst quantitativ zu bestimmen im Stande ist. Dazu verfährt man auf folgende Weise:

Von zwei gleichen Quantitäten Kautschuk wird die eine zerstört, entweder durch (ganz reinen) Kali- oder Natronsalpeter, oder durch ein Gemenge von einem dieser Salze mit (reinem) kohlensaurem Kali; in dem Product bestimmt man dann nach den gewöhnlichen Verfahrungsarten das Verhältniß von Chlor und Schwefel, welche sowohl von dem im Kautschuk ursprünglich enthaltenen Chlornatrium und schwefelsauren Kali, als von dem ihm einverleibten Schwefelchlorür herrühren. Die andere Portion Kautschuk wird mit den gewöhnlichen Vorsichtsmaßregeln eingeäschert; die Asche liefert bloß das Chlor und den Schwefel von den im Kautschuk enthaltenen Salzen. Die Differenz zwischen den gefundenen Quantitäten ergibt die Menge des Schwefelchlorürs.

Bei einem Kautschuk, welchem nichts anderes zugesetzt wurde als Schwefelchlorür, läßt das Resultat der zuerst beschriebenen Probe nichts zu wünschen übrig: es wird aber jetzt dem Kautschuk zur Darstellung verschiedener Artikel eine Menge von Substanzen einverleibt, worunter einige im Stande sind bei der vorgenommenen Destillation desselben Chlor und Schwefel zurückzuhalten, daher von diesen ein beträchtlicher Theil nicht übergehen kann.

Die Hauptsubstanzen, welche man dem Kautschuk beimengt, sind Kreide, Bleiweiß und Ocker. Wenn ihm bloß Kreide beigemengt wurde, so findet man in der Asche Chlorcalcium und vielleicht schwefelsauren Kalk; enthielt das Gemenge Bleiweiß, so findet man in der Asche Chlorblei und Schwefelblei oder schwefelsaures Bleioxyd. Im Falle wo Ocker zugesetzt wurde, kann man in der Asche auch Eisenchlorür und vielleicht schwefelsaures Eisen finden. Wenn dem Kautschuk, was sehr häufig geschieht, |319| diese verschiedenen Körper sämmtlich beigemengt wurden, so findet man in der Asche die erwähnten verschiedenen Verbindungen von Chlor und von Schwefel. (Comptes rendus, August 1859, Nr. 6.)

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