Titel: Das Färben ganzer Schaffelle, deren Verwendung zu Bettvorlagen etc.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 153/Miszelle 10 (S. 396–397)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj153/mi153mi05_10
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Das Färben ganzer Schaffelle, deren Verwendung zu Bettvorlagen etc.

Die Art, ganze Schaffelle so zu präpariren und in jeder beliebigen Farbe zu färben, um als elegante Vorlagen für Betten, Sophas, Thüren etc. benützt werden zu können, ist, obgleich außerordentlich einfach, noch wenig bekannt, und es dürfte deßhalb für Manchen von Interesse seyn, das Verfahren, welches wir in Folgendem geben wollen, näher kennen zu lernen.

Um alle Unreinigkeiten, die im Vließ sich befinden, zu entfernen, wird dasselbe zuerst in fließendem Wasser gehörig ausgewaschen und die Fleischseite des Felles auf die gewöhnliche Art mit dem Schaber geschabt. Füße, Kopf und sonstige Unebenheiten an den Kanten werden abgeschnitten und das Fell auf eine Rahme gespannt, um gegerbt zu werden. Die Rahme wird für diesen Zweck auf einen mit einer Oeffnung versehenen Tisch oder Gestell gelegt, so daß das Vließ vom Druck keinen Schaden erleidet, und es wird jetzt auf die nach oben gerichtete Fleischseite des Felles der Gerbstoff gegossen und mit Hülfe des Schabers derselbe tüchtig in die Poren der Haut eingearbeitet. Der Gerbstoff selbst besteht aus einer Abkochung von Sumach, wobei je 1 Pfd. des letzteren zu 3 Maaß Wasser genommen wird. Ist diese Seite gut abgetrocknet, was überhaupt nach jeder Operation abgewartet werden muß, ehe eine andere vorgenommen wird, so wird die Rahme jetzt so auf den Tisch gelegt, daß die Wollseite des Felles nach oben zu liegen kommt und das Vließ wird nochmals, erstlich mit einer starken alkalischen Seife und Wasser tüchtig ausgewaschen und dann vollends mit klarem Wasser so gereinigt, daß aller Schweiß, Schmutz und sonstige Unreinigkeiten entfernt werden. Nun wird die zweite Gerboperation auf der Fleischseite, welche der ersten ganz gleich gehalten wird, vorgenommen, und, wenn wieder getrocknet, die steife harte Oberfläche mit Bimsstein glatt und weich gerieben.

Jetzt kann das Vließ in jeder gewöhnlichen und beliebigen Wollfarbe gefärbt werden, indem dasselbe, so lange es noch in der Rahme aufgespannt ist, mit der Wollseite nach unten in den Farbkessel getaucht und natürlich, um den Ueberschuß der Farbe zu entfernen, auch wieder ausgewaschen werden muß.

Mit Hülfe der Schere werden die Kanten hübsch eben beschnitten, die Ecken erhalten eine etwas abgerundete Form und der Artikel ist für den Verkauf fertig. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1859, Nr. 37.)

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