Titel: Kiefernes Bauholz gegen Wurmfraß zu schützen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 153/Miszelle 13 (S. 399–400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj153/mi153mi05_13

Kiefernes Bauholz gegen Wurmfraß zu schützen.

Ueber diesen Gegenstand macht Forstrath Zimmer (Allgem. deutscher Telegraph, 1859, Nr. 1) nachfolgende Mittheilung:

„Wenn wir das Holz in unseren Gebäuden untersuchen, finden wir in der Regel bei Kiefern das Splintholz durch Wurmfraß zerstört und unsere Gebäude würden öfter längere Dauer haben, wenn der Wurmfraß nicht wäre. Zeit und Witterung, in welcher das Holz gefällt wird, haben hierbei sehr großen Einfluß. Holz in Wintermonaten bei großer Kälte gefällt, wird weniger vom Wurm angegangen, als wenn selbes bei gelinder Witterung gefällt wird. Das bei eintretendem Safte in den Monaten April bis Juni gefällte Holz wird vom Wurm am meisten zerstört. Versuche, Bauhölzer durch Imprägniren gegen Wurmfraß zu schützen, sind vielfach gemacht worden und nicht selten auch gelungen, sind aber, so viel ich davon kenne, wegen der Vorrichtungen und der damit verbundenen Umständlichkeiten und großen Kosten in der Regel für das praktische Leben gar nicht oder doch nur sehr beschränkt anzuwenden, z.B. das Imprägniren im luftleeren Raume.

Ich habe das Imprägniren beim Kiefernholz auf folgende einfache, billige Weise bewirkt. Im Monat Mai 1850 ließ ich um mehrere Kiefernbaumstämme von 10 bis 12'' unterem Durchmesser den Erdboden bis auf den Wurzelknoten entfernen, dann wurde das Splintholz bis aus den Kern mit der Art durchhauen, so daß die Stämme nur noch auf dem Kernholze mit den Wurzeln in Verbindung standen Jeder Stamm wurde dann schüsselförmig mit Thon umgeben, so daß der Rand der von Thon gebildeten Schüssel mehrere Zoll höher war, als der in das Splintholz eingehauene Kreis. Auf der Sohle der schüsselartigen Vertiefung wurde der Thon um den Stamm herum fest angebracht und verstrichen, damit die einzugießende Flüssigkeit nicht in den Erdboden entweichen konnte. So vorbereitet wurde in die von Thon um den Stamm herum gebildete schüsselförmige Vertiefung aufgelöster Alaun gegossen. Der aufgelöste Alaun wurde von den Kiefernstämmen aufgesogen, ganz ähnlich wie der Blumenstrauß das Wasser aus dem Glase aufsaugt, und so wurde von Zeit zu Zeit immer wieder Alaunlösung in die Thonvertiefung eingegossen und der in das Splintholz eingehauene Kreis immer unter dem Niveau der eingegossenen Alaunauflösung gehalten und hiermit einige Tage fortgefahren, dann ließ ich die auf diese Weise imprägnirten Stämme fällen und wieder einige Tage unabgewipfelt liegen, indem die an dem Stamme belassenen Aeste den Saft (hier den aufgelösten Alaun) nach oben ziehen, wie dieß z.B. bei Kiefern, die im Sommer gefällt werden, ein Mittel ist, das Blauwerden des Holzes zu verhindern.

Dieß ist das ganz einfache Verfahren der von mit im Monat Mai 1850 versuchsweise vorgenommenen Imprägnation. Alaun wählte ich besonders aus dem Grunde, weil solcher in Beziehung auf Feuersgefahr die Brennbarkeit des Holzes auf jeden Fall vermindert.

Neben diesen, mit Alaun imprägnirten Kiefern, ließ ich gleichzeitig einige nicht imprägnirte Kiefern von gleicher Stärke fällen und nebst jenen, den imprägnirten, zu Bauholz beschlagen und genau bezeichnet zu Sparren auf ein Stallgebäude mit eingebauter Schäferwohnung in demselben Jahre (1850) auf dem Rittergute Hohenprießnitz bei Eilenburg im Herzogthume Sachsen mit verwenden.

Da ich bald darauf meinen Wohnsitz Hohenprießnitz änderte, mithin die Beobachtungen an Ort und Stelle nicht fortsetzen konnte, ließ ich vor einigen Wochen durch den Revierförster Hrn. Müller und den Zimmerpolirer Faust, beide zu Hohenprießnitz wohnhaft und mit der ganzen Angelegenheit genau bekannt, indem der Erste die Aufsicht bei dem Imprägniren der Stämme und dem Bau führte, der |400| andere aber als Zimmerpolier den Bau leitete und die verwendeten imprägnirten und nicht imprägnirten Hölzer kannte, die betreffenden Sparren untersuchen, beide versicherten, daß die imprägnirten Sparren vom Wurmfraß verschont geblieben, in den nicht imprägnirten aber der Wurm in großer Menge sich eingefunden habe.

Hierauf verfügte ich mich an Ort und Stelle und fand zu meiner großen Freude die Angelegenheit dahin bestätigt, daß in den nicht imprägnirten Sparren der Wurm gar arg hauste, so, daß nicht nur beim Anschlagen mit der Art das Wurmmehl herausstäubte, sondern auch bei näherer Untersuchung das Splintholz überall von Wurmgängen durchzogen gefunden wurde; während bei 7 Stück der imprägnirten Sparren (8 Stück wurden imprägnirt) keine Spur von Wurmfraß zu finden war und an dem einen Sparren bloß ein einziges Wurmloch entdeckt wurde.

Die Thatsache steht fest, wie dieß die zu dem Versuche verwendeten Sparrenhölzer bekunden, und wird nur noch zu beachten bleiben, ob nach spätern Jahren mit Alaun imprägnirte Hölzer vom Wurm verschont bleiben.

Im Interesse der Sache werde ich in dem nächsten Frühjahre anderweit Hölzer auf die angegebene Weise imprägniren, erlaube mit aber auch allgemein aufzufordern, auch an anderen Orten derartige Versuche vorzunehmen, und bemerke nur, daß nicht allein Alaun, sondern auch andere Auflösungen, z.B. von Eisen-, Zink-, Arseniksalzen etc. hierzu angewendet werden können, und vielleicht ist eine sehr verdünnte Arseniklösung schon hinreichend, den Wurm abzuhalten. Die angewendete Alaunlösung war stark, keineswegs aber eine gesättigte.

Bei gewöhnlicher Temperatur lösen 13 Theile Wasser 1 Theil Alaun (Kalialaun) auf.

Daß bei Anwendung von Giften Vorsicht zu beobachten ist und mit Gift imprägnirte Hölzer zu Gefäßen etc., z.B. zu Fässern oder sonst zu Wirthschaftsgeräthschaften nur beschränkt verwendet werden dürfen, versteht sich von selbst.

Welchen Einfluß das derartige Imprägniren mit dieser oder einer anderen Flüssigkeit auf die Dauer und Haltbarkeit des Holzes hat, werden fortgesetzte Beobachtungen ergeben, und bemerke ich nur noch, daß nach Versicherung des schon gedachten Försters Müller bei den Stöcken der im Jahre 1850 imprägnirten Kiefern, welche ungerodet in dem Boden geblieben, bei einer jetzt vorgenommenen Untersuchung sich ergeben hat, daß auf der Oberfläche, wo bei der Imprägnation die Alaunlösung gestanden und soweit die Auflösung in das Splintholz in der Richtung nach den Wurzeln zu eingedrungen ist, das Splintholz weder von Fäulniß, noch vom Wurme angegriffen ist, während tiefer hinab Stock und Wurzeln in dem Splintholze bis auf den Kern total verfault und vom Wurme zerstört worden sind. Der Boden besteht aus reinem Sande.“

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