Titel: Ueber das Feuchtwerden des Schießpulvers in verschiedenen Körnungen; von Prof. Dr. A. Vogel jun.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 153/Miszelle 3 (S. 390–391)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj153/mi153mi05_3
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Ueber das Feuchtwerden des Schießpulvers in verschiedenen Körnungen; von Prof. Dr. A. Vogel jun.

Man weiß, daß einer der Gründe, welche das Körnen des Schießpulvers nothwendig machen, darin liegt, daß dadurch eine größere Haltbarkeit des Pulvers erzielt wird, indem die Anziehungsfähigkeit des Schießpulvers für Feuchtigkeit im gekörnten Zustande etwas geringer ist, als in Staubform. Es findet indeß, wie ich mich durch mehrere Versuchsreihen überzeugt habe, auch ein sehr wesentlicher Unterschied in der Anziehungsfähigkeit des Schießpulvers für Feuchtigkeit statt, je nachdem das Pulver gröber oder feiner gekörnt ist. Zu den folgenden Versuchen in dieser Richtung sind drei Pulversorten von verschiedener Körnung verwendet worden, und zwar:

I. Jagdpulver (feinste Körnung),

II. Musketenpulver (etwas gröbere Körnung wie I.),

III. Kanonenpulver (gröbste Körnung).

Von jeder dieser drei Sorten wurde im lufttrockenen Zustande eine bestimmte Menge abgewogen und diese auf einem flachen Glasteller im Keller ausgebreitet. Aus der Zunahme des Gewichtes nach einiger Zeit mußte sich natürlich die Wasseraufnahme in Procenten ergeben.

Nach fünf Tagen, während welcher der Versuch fortgesetzt worden war, fand keine bemerkbare Gewichtszunahme mehr statt, es schien also nach dieser Zeit die größte Menge Feuchtigkeit, deren überhaupt eine jede Sorte fähig ist, aufgenommen worden zu seyn.

Aus den folgenden Versuchszahlen ergibt sich eine große Verschiedenheit der Wasseraufnahme der drei Pulversorten:

Trocken. Nach 5 Tagen
im Keller.
d. i. Wasseraufnahme
in Proc.
I. Jagdpulver (feinste Körnung) 5,713 5,781 1,0
II. Musketenpulver (etwas gröbere Körnung wie Nr. I.) 6,963 7,055 1,3
III. Kanonenpulver (gröbste Körnung) 5,868 6,152 4,8

Man erkennt aus diesen Zahlen, daß das am gröbsten gekörnte Schießpulver nahezu fünfmal mehr Feuchtigkeit in derselben Zeit und unter gleichen Verhältnissen aufgenommen hat, als das am feinsten gekörnte. Dieser große Unterschied in der Wasseraufnahme dürfte allerdings mit darin begründet seyn, daß das Pulver Nr. I. und Nr. II. geglättet war, Nr. III. dagegen eine nicht glänzende, rauhe Oberfläche zeigte. (Buchner's neues Repertorium für Pharmacie, Bd. VIII Heft 6.)

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