Titel: Ueber eine schwarze Tinte zum Zeichnen der Wäsche; von G. C. Kindt in Bremen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 153/Miszelle 7 (S. 393)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj153/mi153mi05_7

Ueber eine schwarze Tinte zum Zeichnen der Wäsche; von G. C. Kindt in Bremen.

Ziemlich allgemein wird zum Zeichnen der Wäsche eine Lösung von salpetersaurem Silber benutzt, mit Vorbereitung des Zeuges durch Gummi- und Natronlösung. Wird aber die Wäsche, wie es an vielen Orten gebräuchlich ist, mit Lauge und Chlor behandelt, so verschwindet die Schrift nach und nach; diese Tinte verdient mithin keineswegs die ihr oft beigelegte Benennung der unauslöschlichen.

Mit vollem Recht aber kann eine Flüssigkeit auf diesen Namen Anspruch machen, die man in Indien zu diesem Zweck benutzt. Ein junger Kaufmann von hier, Hr. Capelle, der einige Jahre in Ostindien verlebte und die Producte des Landes möglichst kennen zu lernen suchte, erzählte mit von einer Nuß, welche eine schwarze Flüssigkeit enthalte, die dort zum Zeichnen der Wäsche benutzt werde.

Einige von diesen Nüssen, die er mit gab, erkannte ich gleich für die Samen von Anacardium orientale.

Da der in großen Zellen der Schale enthaltene schwarze Saft nicht mehr flüssig genug war, so zerschnitt ich sie, und übergoß sie, nach Beseitigung des öligen Kerns, mit Schwefeläther und etwas wasserfreiem Alkohol. Hiemit mischte sich der Saft leicht. Ich goß die Flüssigkeit ab und ließ den Aether soweit verdunsten, daß sie zum Schreiben tauglich wurde.

Nachdem die Stoffe, welche von der Schlichte nicht einmal befreit zu werden brauchen, beschrieben sind, muß die Schrift mit Kalkwasser benetzt werden; dadurch nimmt sie eine dunkelschwarze Farbe an. Kali, Natron und Ammoniak scheinen eben so zu wirken.

Bis jetzt habe ich kein Mittel gefunden, die Schrift völlig aus den Zeugen zu vertilgen; selbst Kochen mit Salzsäure und chlorsaurem Kali zerstört sie nicht; obgleich sie dadurch viel blässer wird, färben Alkalien sie doch gleich wieder dunkler.

So viel mit bekannt ist, wird diese Flüssigkeit in Deutschland nicht benutzt, was um so auffallender ist, da in zwei sehr verbreiteten Büchern61) der Verwendung genannter Nüsse zu diesem Zweck Erwähnung geschieht.

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Geiger's pharmaceutische Botanik, 2te Auflage, S. 1190; Oken's Naturgeschichte, Bd. III S. 1782.

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