Titel: Neue Methode zur Erkennung von Blutflecken; von Hrn. Apotheker C. Scriba in Darmstadt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 153/Miszelle 9 (S. 395–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj153/mi153mi05_9

Neue Methode zur Erkennung von Blutflecken; von Hrn. Apotheker C. Scriba in Darmstadt.

Die Erkennung von Blutflecken und deren Unterscheidung von anderen Farbstoffen kann in gerichtlich-chemischer Beziehung von derselben Wichtigkeit werden, als die Nachweisung von Giften. Die bis jetzt in den chemischen Lehrbüchern angegebenen analytischen Methoden gewähren aber in vielen Fällen unvollkommene und unsichere Resultate, und es kann daher nur von Interesse seyn, hier auf eine neue Art zur Erkennung von Blutflecken aufmerksam zu machen, welche die bisherigen an Sicherheit des Resultats und an Leichtigkeit der Ausführung bei weitem übertrifft. Bei einiger Uebung läßt sich nach ihr das Blut als solches so leicht und sicher nachweisen, als z.B. die Schwefelsaure durch ein lösliches Barytsalz, oder Salzsäure durch Silbersolution.

Dr. Teichmann in Göttingen machte im Jahr 1853 die Entdeckung, daß rothes Blut durch Einwirkung von Essigsäure rothe mikroskopische Krystalle bildet, welche er zur Unterscheidung von früher bekannten, im Blute entstehenden Krystallen Hämin-Krystalle genannt hat; namentlich zur Unterscheidung von den in stagnirendem Blute gefundenen mikroskopischen rothen Hämatoidin-Krystallen. Diese rothen oder braunrothen Hämin-Krystalle in rhombischen Tafeln bilden sich so sicher |396| aus Blut oder Blutflecken und sind unter dem Mikroskop so leicht von anderen Körpern zu unterscheiden, daß sie ein sicheres Erkennungs- und Unterscheidungsmittel für Blutflecken darbieten.

Am sichersten und schnellsten gelangt man zum Ziele, wenn man den Flecken mit der Leinwand, dem wollenen oder baumwollenen Zeuge oder daran haftenden Holze, oder die von Metall abgeschabte Substanz unmittelbar mit wenigem Eisessig in einem Reagensgläschen kocht, einige Tropfen der dadurch erzielten Auflösung des Blutes auf einem Uhrgläschen vorsichtig im Sandbade bei 40 bis 60° C. zur Trockene verdampft und den Rückstand dann mit dem Mikroskope durchsucht.

Auch schon mit gewöhnlicher Essigsäure bilden sich auf diese Weise Hämin-Krystalle, doch ist unter allen Umständen Eisessig vorzuziehen. Bei frischen, noch stark gefärbten Flecken oder eingetrocknetem Blute ist ein Zusatz von Kochsalz nicht nöthig; ist aber der Blutflecken schon alt oder theilweise mit Wasser ausgewaschen, so daß die im Blute enthaltenen Salze dadurch entfernt worden sind, so ist ein Zusatz einiger Tropfen Kochsalzlösung oder eines Minimums von Kochsalz in Substanz beim Kochen oder vor dem Abdampfen unerläßlich, und möchte daher in allen vorkommenden gerichtlichen Fällen anzurathen seyn, besonders dann, wenn eine allzu geringe Menge des Objects eine mehrmalige Wiederholung des Versuchs nicht zuläßt.

Es gelang aus Blutstecken auf Leinwand, die dreimal mit Wasser ausgewaschen waren und kaum noch eine röthliche Färbung bemerken ließen, durch Zusatz von Kochsalz Häminkrystalle darzustellen, wo Essigsäure allein keine mehr hervorbrachte. Diese Beobachtung ist mit der bereits von Teichmann gemachten in Parallele zu setzen, nach welcher ausgewaschenes Blutgerinnsel mit Essigsäure allein keine Krystalle mehr gibt, daß diese aber mit Zusatz von Kochsalz wieder erscheinen. Hat man Kochsalz angewendet, so läßt sich vor der Durchmusterung mit dem Mikroskope der Ueberschuß von Kochsalz, das in Wasserhellen Würfeln sichtbar ist, durch Abspülen mit destillirtem Wasser entfernen, um der besseren Ansicht der Hämin-Krystalle nicht hinderlich zu seyn.

Von rothen Farbstoffen gibt nur Murexid (purpursaures Ammoniak) dem Hamm ähnliche Krystalle, aber auch ohne Essigsäure. Die murexidhaltige Flüssigkeit ist beim Abdampfen ziegelroth, die Lösung des Blutes in Essigsäure braunroth. Mit Kali gibt das Murexid eine blaue, die Hämin-Krystalle eine schmutziggrüne Lösung, wodurch sich beide Körper leicht unterscheiden lassen. – Virchow fand, daß auch Indigo, mit Essigsäure behandelt, Krystalle bildet. – Man erhält diese, wenn man etwas feingepulverten Indigo mit Eisessig übergießt und die Mischung zum Trocknen verdampft. Diese Krystalle sind aber blau und dadurch hinlänglich von den Hämin-Krystallen verschieden. Beide Arten von Krystallen in einem Präparat auf einem Uhrgläschen dargestellt, ließen sich leicht und vollständig neben einander unterscheiden.

Hr. Dr. Merk hat durch Anwendung großer Quantitäten von fibrinfreiem Blut und Eisessig die Hämin-Krystalle in größerer Quantität dargestellt und als braunrothes, feines, krystallinisches, glänzendes Pulver erhalten, das sich unter dem Mikroskop als die schönsten Krystalle in Rhombenform darstellt. Nach seiner Analyse enthalten sie neben 85 Procent organischer Bestandtheile 15 Procent Eisenoxyd und Chloralkalimetalle, woraus sich die Nothwendigkeit von Kochsalz oder der Blutsalze zu ihrer Bildung hinlänglich erklärt; die organischen Bestandtheile möchten als eine Verbindung des Blutfarbstoffs – Hämatin – mit Essigsäure zu betrachten seyn. Es spricht dafür der von Dr. Simon und mit gemachte Versuch, daß nach der Methode von Berzelius dargestelltes, von Fibrin, Serum und Globulin befreites Hämatin mit Essigsäure und Kochsalz Hämin-Krystalle bildet, ohne Salzzusatz ist die Darstellung derselben jedoch unmöglich. Wird dem Hämatin durch concentrirte Schwefelsäure der Eisengehalt entzogen, wodurch es in seiner übrigen procentischen Zusammensetzung nicht verändert werden soll, so gelingt die Darstellung der Hämin-Krystalle nicht mehr, auch nicht mit einem Zusatz von Kochsalz und essigsaurem Eisenoxyd.

Durch diese Methode zur Erkennung von Blutstecken möchten die übrigen bald verdrängt werden oder wenigstens doch eine sehr wesentliche Bereicherung erhalten: leider bietet sie jedoch keinen Anhaltspunkt, um das Blut von Menschen von dem der Thiere zu unterscheiden, da sich aus allen rothen Blutarten Hämin-Krystalle bilden lassen. (Neues Jahrb. für Pharmacie Bd. XI S. 289.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: