Titel: Zur Theorie der Glasthränen; von Prof. Dr. A. Vogel jun.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 153/Miszelle 4 (S. 463)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj153/mi153mi06_4

Zur Theorie der Glasthränen; von Prof. Dr. A. Vogel jun.

Die unter dem Namen Glasthränen (Larmes bataviques) im Handel vorkommenden Glastropfen von birnförmiger Gestalt mit einem langen, dünnen Schweife werden bekanntlich auf die Weise dargestellt, daß man eine Quantität geschmolzenen Glases von der Pfeife des Glasbläsers in kaltes Wasser tropfen läßt. Die Oberfläche des glühenden Glastropfens erstarrt nun plötzlich in Berührung mit dem kalten Wasser, während die unter derselben liegenden Theilchen erst viel später fest werden. Die erstarrte Oberfläche verhindert aber, daß die Theilchen der inneren Masse sich beim Erkalten gehörig zusammenziehen können, wodurch natürlich eine große Spannung entstehen muß, indem jedes einzelne kleinste Glastheilchen im Innern die äußere unbewegliche Hülle an sich zu ziehen sucht. Bricht man von dem äußersten feinen Ende des Schweifes nur die kleinste Spitze ab, so zerfällt der Glastropfen unter einer schwachen Detonation in ein feines Pulver. Als Erklärung dieser Erscheinung nimmt man gewöhnlich an, daß durch eine geringe Verletzung der Oberfläche, also das Abbrechen der Spitze, das Hinderniß der weiteren Zusammenziehung der inneren Theile beseitigt ist, und sie daher plötzlich den ihnen gebührenden Raum einnehmen, wodurch die ganze Masse zertrümmert wird, ähnlich wie ein kleiner Schnitt in ein stark aufgespanutes Zeug ein Zerreißen desselben herbeiführt.

Um die Richtigkeit dieser Annahme experimentell zu prüfen, habe ich es versucht, die äußere Hülle nicht mechanisch durch Abbrechen der Spitze, sondern auf chemischem Wege zu entfernen, was natürlich, die Richtigkeit obiger Erklärung vorausgesetzt, im Effecte ganz gleich seyn müßte. Zu dem Ende wurde eine Glasthräne in concentrirte wässerige Fluorwasserstoffsäure gebracht. Nach 48 Stunden der Einwirkung fand sich der Schweif bis an den Körper der Glasthräne völlig aufgelöst, ohne daß eine Zersprengung derselben stattgefunden hatte Letztere trat auch noch nicht ein, wenn man Fragmente der Spitze von dem zurückgebliebenen Schweife mittelst der Zange abbrach, wohl aber durch einen leichten Hammerschlag. Hieraus ergibt sich, daß man die äußere Hülle nicht als ein schützendes Moment für die innere Schichte betrachten kann, indem man sie vollkommen entfernen kann, ohne daß ein Zerfallen des Glaskörpers eintritt. (Buchner's neues Repertorium für Pharmacie, Bd. VIII Heft 6.)

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