Titel: Evans' Verfahren zum Entschwefeln des Steinkohlengases.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 153/Miszelle 5 (S. 463–464)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj153/mi153mi06_5

Evans' Verfahren zum Entschwefeln des Steinkohlengases.

Fr. John Evans, Ingenieur der Chartered Gasanstalt in London, ließ sich am 27 August ein Verfahren zum Reinigen des Leuchtgases von Schwefelwasserstoff patentiren; er sagt: „Um das Leuchtgas von Schwefelwasserstoffgas zu reinigen, wendet man jetzt allgemein entweder künstlich bereitetes oder das im Mineralreich vorkommende Eisenoxyd an. Der Ocker oder das natürliche Eisenoxyd enthält jedoch stets erdige Substanzen, welche keine Verwandtschaft zum Schwefelwasserstoff haben |464| und daher ein träger und nutzloser Bestandtheil sind. Das durch Calciniren von Eisenvitriol erhaltene Oxyd ist reiner, kommt aber viel theurer zu stehen, und obgleich es häufig wiederbelebt werden kann, so ist seine Anwendung in den Gasanstalten doch mit einer bedeutenden jährlichen Ausgabe verbunden. Um ein kräftig wirkendes, dabei aber leicht und wohlfeil herzustellendes Reinigungsmittel zu erhalten, breite ich Eisenbohr- oder Drehspäne oder Eisenfeile auf dem Boden aus, und setze den Haufen beiläufig 24 Stunden lang der Luft aus, entweder mit oder ohne Zusatz von Wasser, je nach dem Zustand der Atmosphäre, wornach sich die Oberfläche des Metalls hinreichend mit Rost oder Oxyd überzogen hat. Man füllt dasselbe dann in eine Reihe von Trockenreinigern, welche durch Röhren mit einander verbunden sind, durch die das Gas nacheinander zieht, indem es zuerst durch denjenigen tritt, welcher das am meisten mit Schwefel imprägnirte Reinigungsmaterial enthält, und zuletzt durch denjenigen, dessen Oxyd am wenigsten mit Schwefel imprägnirt ist. Nachdem die oxydirten Eisendrehspäne im ersten Reiniger mit Schwefelwasserstoff gesättigt sind (was der den Apparat bedienende Arbeiter leicht erkennt, weil er das Gas beständig mittelst eines mit Bleizucker getränkten Papiers Probiren muß), setzt man diesen Reiniger außer Wirkung und der zweite Reiniger wird nun der erste, wogegen ein frisch beschickter Reiniger in die Reihe gebracht wird. Das aus dem ersten Reiniger genommene Oxyd wird nun zum zweitenmal der Einwirkung der Atmosphäre ausgesetzt; ein Theil des Schwefels, welchen das Eisen aus dem Gase aufgenommen hatte, trennt sich dann von demselben, und das Eisenoxyd kehrt in seinen ursprünglichen Zustand zurück, und eignet sich nun wie früher zum Reinigen des Gases.“

„Nachdem einmal das Verfahren im Gange ist, verwandle ich die Eisenfeil-, Bohr- und Drehspäne auf folgende Weise in Reinigungsmaterial: ich mische dieselben mit dem gesättigten Reinigungsmaterial, sobald letzteres aus dem Reiniger genommen wurde, damit die chemische Wirkung welche stattfindet, wenn das Material zum Wiederbeleben der Luft exponirt wird, zur raschen Oxydation des Eisens mithilft, welches dann mit dem wiederbelebten Oxyd zur Gasreinigung benutzt werden kann. – Nach wiederholter Wiederbelebung und Verwendung ist das Reinigungsmaterial durch die mechanische Beimischung von Schwefel aus dem unreinen Gase voluminöser geworden, und nun seine Wirksamkeit wesentlich vermindert; ich erhitze daher das Material in einem Ofen, um den Schwefel zu verbrennen und auszutreiben, worauf es wieder als ein kräftiges Reinigungsmittel verwendet werden kann.“ (Repertory of Patent-Inventions, Mai 1859, S. 370.)

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