Titel: Ueber das Verhalten des Steinkohlenleuchtgases zu fetten Oelen; von Prof. Dr. A. Vogel jun.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 153/Miszelle 6 (S. 464–465)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj153/mi153mi06_6

Ueber das Verhalten des Steinkohlenleuchtgases zu fetten Oelen; von Prof. Dr. A. Vogel jun.

Das Steinkohlenleuchtgas ist bekanntlich als ein Gemisch von Elayl mit der großen Reihe homologer Kohlenwasserstoffe nach der Formel CnHn zu betrachten. Es mußte daher wahrscheinlich seyn, daß diese dem Leuchtgase durch fette Oele entzogen werden könnten. Ich habe einige directe Versuche angestellt, welche diese Annahme auf das Entschiedenste bestätigen. Ein sogenannter Dreikugelapparat wurde zu dem Ende mit fetten Oelen gefüllt und ein Strom von getrocknetem Steinkohlenleuchtgas einige Zeit hindurch geleitet. Bei dem ersten Versuche war in dem Dreikugelapparate Mandelöl, in dem zweiten gewöhnliches Brennöl vorgelegt. Das Durchleiten des Gases wurde in jedem der beiden Versuche so lang fortgesetzt, bis das Gewicht des Oeles sich constant zeigte. Die Gewichtsbestimmungen sind innerhalb 10 Stunden, nach deren Verlauf sich das Oel durch das langsame Einströmen des Gases als gesättigt ergab, viermal vorgenommen worden.

A. Mandelöl.

Dreikugelapparat + Oel 12,160 Grm;
leer 10,103 „
d. i. Oel 2,507 „
|465|
Erste Wägung.
Dreikugelapparat + Oel 12,697 Grm.
leer 10,103 „
d. i. Oel 2,594 „
Gewichtszunahme des Oeles in Procent 3,4 „
Zweite Wägung.
Dreikugelapparat + Oel 12,300 „
leer 10,103 „
d. i. Oel 2,697 „
Gewichtszunahme des Oeles in Procent 7,5 „
Dritte Wägung.
Dreikugelapparat + Oel 12,844 „
leer 10,103 „
d. i. Oel 2,741 „
Gewichtszunahme des Oeles in Procent 9,3 „

Fernere Wägungen ergaben keine weitere Gewichtszunahme des Oeles. Das Mandelöl hatte also während dieses Versuches um 9,3 Proc. an Gewicht zugenommen.

B. Brennöl.

Dreikugelapparat + Oel 13,635 Grm.
leer 10,103 „
d. i. Oel 3,532 „
Erste Wägung.
Dreikugelapparat + Oel 13,850 „
leer 10,103 „
d. i. Oel 3,747 „
Gewichtszunahme des Oeles in Procent 6,0 „
Zweite Wägung.
Dreikugelapparat + Oel 14,195 „
leer 10,103 „
d. i. Oel 4,092 „
Gewichtszunahme des Oeles in Procent 15,8 „
Dritte Wägung.
Dreikugelapparat + Oel 14,360 „
leer 10,103 „
d. i. Oel 4,257 „
Gewichtszunahme des Oeles in Procent 20,5 „

Das Brennöl hatte also während dieses Versuches um 20,3 Proc. an Gewicht zugenommen.

Das Leuchtgas zeigte sich nach dem Durchströmen durch das Oel in seiner Leuchtkraft nicht verändert. Dagegen war an einer größeren Quantität mit Leuchtgas gesättigten Brennöles beim Brennen in einer Lampe eine nicht unbedeutende Erhöhung der Leuchtkraft bemerkbar.

Diese vorläufigen Versuche dürften vielleicht insoferne von Interesse werden, als man darauf in größeren Etablissements eine Verbesserung der fetten Oele durch eine sehr einfache Nebenoperation erzielen könnte.

Auch Wachs, Talg, Stearin etc. in einem Glasrohre der Einwirkung des trocknen Steinkohlenleuchtgases längere Zeit ausgesetzt, nehmen eine große Menge Gas auf und verändern ihre feste Form dadurch in eine mehr breiartige. (Buchner's neues Repertorium für Pharmacie, Bd. VIII Heft 6.)

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