Titel: Eisenoxyd als Mittel zur Verbrennung oder Einäscherung organischer Substanzen; von Dr. Gräger.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 153/Miszelle 8 (S. 466–467)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj153/mi153mi06_8

Eisenoxyd als Mittel zur Verbrennung oder Einäscherung organischer Substanzen; von Dr. Gräger.

Bekanntlich setzen manche Substanzen organischen Ursprungs der vollständigen Verbrennung und Einäscherung nicht geringe Schwierigkeiten entgegen. Die Mittel, sie zu überwinden, bedingen nicht selten eine gewisse Ungenauigkeit in den Resultaten, und haben eben so oft einen Verlust an dem einen oder andern Bestandtheile der erzeugten Asche zur Folge, so daß deren spätere chemische Untersuchung ein nichts weniger als getreues Bild von den relativen Verhältnissen der in der lebenden Pflanze oder deren Theilen vor der Verkohlung oder Einäscherung enthaltenen anorganischen Bestandtheile darbietet. In Anwendung der bisher befolgten Methode habe ich bei der Aschenbereitung nur dann ziemlich gut übereinstimmende Resultate erhalten, so lange ich dieselbe oder doch annähernd dieselbe Menge der organischen Substanz einzuäschern versuchte. Wenn hierin Andere auch glücklicher gewesen seyn mögen, so läßt sich doch nicht in Abrede stellen, daß die schwer einzuäschernden Substanzen stets einen großen Aufwand von Zeit bedingen.

Ich war mit der Untersuchung eines Roggenmehles beauftragt worden, von welchem behauptet wurde, es sey in der Absicht, nicht sowohl einen Betrug zu verüben, sondern in der, meiner Ansicht nach, noch weit unsittlicheren, dasselbe für den Besitzer unbrauchbar zu machen, mit einer gewissen, aber nur kleinen Menge Sand oder Lehm vermengt worden, und in der That knirschte das daraus gebackene Brod so stark zwischen den Zähnen, daß dieses keine Käufer gefunden haben würde. Es handelte sich um den bestimmten Nachweis, daß das fragliche Roggenmehl mehr anorganische Stoffe enthalte, als anderes unverfälschtes Mehl. Mittelst der Einäscherung war es, eben wegen der kleinen Menge des zugesetzten Lehmes, nicht möglich, den Beweis zu liefern, verschiedene Mengen Mehl angewendet gaben, wie bereits oben bemerkt, so abweichende Resultate, daß von irgend einer Sicherheit nicht die Rede seyn konnte; gleichwohl stand fest, daß das Falsum begangen worden war.

Unter diesen Verhältnissen schien es mit gerechtfertigt, nach einer andern und bessern Einäscherungsmethode zu suchen. Da die Einäscherung der Körner oder des Mehls aus Cerealien nur darum so schwierig von statten geht, weil die schmelzenden phosphorsauren Salze die noch vorhandene Kohle gegen eine weitere Einwirkung des Sauerstoffs schützen, so suchte ich diesem Umstande dadurch zu begegnen, daß ich das sehr vorsichtig verbrannte, eigentlich nur geröstete Mehl auf das Innigste mit solchen Substanzen mengte, welche im weiteren Verlauf des Glühens keine Aenderung erlitten. Unter den hierzu verwendeten Substanzen befand sich auch Eisenoxyd, und ich war in der That im höchsten Grade überrascht, mit diesem sich die Einäscherung so leicht einleiten und vollenden zu sehen.

Das Eisenoxyd wirkt hierbei nicht allein mechanisch, indem es das Zusammensintern der Asche verhindert; es wirkt auch chemisch durch Abgabe eines Theils seines Sauerstoffs an die Kohle; aber gleichzeitig nimmt es für diesen an die Kohle abgegebenen Sauerstoff wieder Sauerstoff aus der Luft auf. Und dieser Austausch setzt sich so lange fort, bis der letzte Antheil Kohle verbrannt ist; nach Beendigung der Verbrennung bleibt nur Eisenoxyd, ohne alles Eisenoxydul, zurück. Es ist an sich eine äußerst interessante Thatsache, daß unter diesen Umständen das Eisenoxyd so leicht Sauerstoff abgibt und wieder aufnimmt; es steht in dieser Beziehung, so viel ich weiß, allein da in seiner Art.

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Das bei feiner Anwendung behufs der Einäscherung befolgte Verfahren ist im Allgemeinen folgendes. Die zu verbrennende Substanz wird vorher sehr vorsichtig so weit verkohlt oder geröstet, daß sie sich leicht zu einem feinen Pulver zerreiben läßt, mit etwa 10 bis 20 Proc. (genau gewogen) frisch geglühten Eisenoxyds auf das Innigste gemengt und das Ganze in einer flachen Platinschale mittelst einer kleinen Spirituslampe erhitzt, bis es ins Glühen geräth. Man kann alsdann die Lampe eine zeitlang entfernen, ohne daß die Verbrennung aufhört; erst gegen Ende derselben unterstützt man sie wieder durch Untersetzen der Spirituslampe. Die Einäscherung ist beendet, sobald man keine Fünkchen glühender Kohle mehr wahrnimmt. Der ganze Verlauf ist ein sehr ruhiger und von einem Verlust dabei nicht die Rede. Das Mehrgewicht gegen das angewendete Eisenoxyd ist das Gewicht der Asche von dem verbrannten Körper. Im Besitz einer hinreichend empfindlichen Waage kann man mit den kleinsten Mengen operiren; die Resultate sind, wie ich aus ihrer Uebereinstimmung glaube schließen zu dürfen, äußerst genau, und werden in der kürzesten Zeit gewonnen.

In wie weit das angewendete Eisenoxyd bei solchen zu einer Analyse bestimmten Aschen störend seyn kann, lasse ich dahin gestellt; übrigens dürfte dieß nur bei den Aschen der Fall seyn, die nur wenig Eisen enthalten. Dann wird es besser seyn, dieses Eisen in einer ohne Eisenoxyd dargestellten Asche für sich zu bestimmen. Benutzt man, wie ich es immer gethan habe, zum Einäschern das aus oralsaurem Eisenoxydul erhaltene Eisenoxyd, so löst es sich bei Digestion mit concentrirter Salzsäure immer vollständig auf, so daß durch etwa zurückbleibendes Eisenoxyd der sonstige Gang der Analyse in keinerlei Weise gestört wird. (Annalen der Chemie und Pharmacie, Juli 1859, S. 124.)

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