Titel: Sharp's Langlochbohrmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 154, Nr. III. (S. 5–8)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj154/ar154003

III. Die patentirte Langlochbohrmaschine von Sharp, Stewart und Comp. in Manchester.

Aus dem Mechanics' Magazine vom 22. Juli 1859.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Die Herstellung von langen und tiefen Löchern in schmiedeeisernen Maschinentheilen nach alter gewöhnlicher Weise mittelst Bohrer, Kreuzmeißel und Feilen, ist bekanntlich eine der theuersten Handarbeiten in den Maschinenwerkstätten und wird überdieß nur selten mit der wünschenswerthen Genauigkeit ausgeführt. Mittelst der hier zu beschreibenden, von den HHrn. Sharp, Stewart u. Comp. erfundenen Maschine (traversing drilling machinery) lassen sich die fraglichen Arbeiten sehr genau, überdieß schnell und billig ausführen. So erfordert bei der Handarbeit die Herstellung eines Loches von 6'' Länge, 7/8'' Weite und 5 3/4'' Tiefe beiläufig 32 Arbeitsstunden, wobei drei Feilen stumpf werden; |6| vermittelst der Langlochbohrmaschine läßt sich dieselbe Arbeit in 14 Stunden ausführen, wobei aber ein Arbeiter drei Maschinen gleichzeitig bedienen kann.

Bei der gewöhnlichen Bohrmaschine benutzt man bekanntlich die constante Drehung eines Bohrers, welcher mit zwei sich um ihr gemeinschaftliches Centrum bewegenden Schneiden versehen ist, um mittelst derselben ein verticales rundes Loch herzustellen. Anstatt nun dem Bohrer bloß eine verticale Bewegung zu geben, lassen die Erfinder denselben abwechselnd von Ende zu Ende der beabsichtigten Länge des Loches traversiren und versehen ihn mit zwei nasenförmigen Schneiden, welche im Innern einen Punkt stehen lassen. Der zwischen den Nasen beim Beginn der Arbeit stehen gebliebene erhöhte Punkt wird von den Schneiden beim Traversiren abgefräst und dadurch eine längliche, an den Enden kreisrunde Vertiefung von ganz ebener Oberfläche hergestellt. Am Ende des beabsichtigten Laufes des Bohrers erfolgt natürlich eine verticale Niederbewegung, so tief als der Horizontalschnitt seyn darf, und dieß wird wechselseitig so lange fortgesetzt, bis die ganze Tiefe des Loches erreicht ist.

Fig. 19 zeigt die verschiedenen zur Maschine gehörigen Werkzeuge. a und b sind die Vorbohrer für große und kleine Durchmesser. Die Vorbohrer für größere Durchmesser sind stellbar, indem ihre Schneiden verschiebbar und an den unteren Enden mit Stellschrauben versehen sind. c und d sind die Schlicht- oder Fertigbohrer, deren eingefeilte Schneiden kreisförmig abgerundet sind, und welche circa 1/16 Zoll stärker sind als die zu ihnen gehörenden Vorbohrer. Die Vorbohrer müssen einmal in jeder Woche geschärft werden, wogegen die Schlichtbohrer nur alle sechs Wochen nachzuschärfen sind. Wir gehen nun zur Betrachtung der Maschine und ihrer Thätigkeit über.

Fig. 20 ist eine perspectivische Ansicht einer einfach-wirkenden Maschine. Dieselbe besteht aus einem starken gußeisernen Bett nach Art der gewöhnlichen Drehbankbette, an jedem Ende von einem gußeisernen Ständer getragen. Die Oberfläche dieses Bettes ist gehobelt und sehr genau adjustirt. Auf demselben steht ein hohler Ständer, worin sich die Bohrspindel bewegt, welche in gewöhnlicher Weise vermittelst conischer Räder getrieben wird. Dieser Ständer schiebt sich auf dem Bett hin und her durch die Kreisbewegung einer horizontalen Kurbelscheibe, welche genuthet und graduirt ist, um die Länge der Traversbewegung der Bohrspindel nach Belieben einstellen zu können. Die Welle zur Kurbelscheibe wird durch die untere horizontale Welle A getrieben, und auf letztere wird die Kraft durch Stufenscheiben von der oberen Hauptwelle B übertragen. Um von der Kurbelscheibe aus eine, mit gleichmäßiger Geschwindigkeit |7| vorrückende Bewegung zu erzielen, haben die Erfinder zwei gezahnte, excentrische Räder angebracht; die Form der Ovale ist eine solche, daß dadurch die Ungleichheit bei der Uebertragung auf die geradlinige Bewegung vollständig ausgeglichen wird. Die Stellung der den Bock führenden Bleuelstange und die Anordnung der elliptischen Räder zeigt Fig. 21. Unterhalb der mit C bezeichneten Kurbelscheibe befinden sich zwei nasenartige Vorsprünge. Gegen dieselbe läuft nun eine am Ende des Winkelhebels D befestigte Rolle, welche, abwechselnd steigend und fallend, die Bewegung vermittelst einer kurzen Verbindungsstange auf den Hebel E überträgt. Dieser dreht sich lose auf einer horizontalen Welle, an der ein Sperrrad befestigt ist, in welches ein an E sitzender Sperrkegel eingreift und dadurch beim Heben die Welle dreht, wogegen der Rückgang todt ist. Von dieser horizontalen Welle wird die Bewegung vermittelst conischer Räder auf die geneigte Welle und von letzterer durch Schnecke, Schraubenrad und Zahnstange auf die Bohrspindel übertragen. Durch diese Bewegung wird die Niederstellung des Bohrers jedesmal am Ende seines Laufes bewirkt, und die beabsichtigte Tiefe ist durch Verschiebung der Verbindungsstange in den Schlitzen der Hebel D und E stellbar. Das Kurbelrad G dient nöthigenfalls zur Bewegung der geneigten Spindel F vermittelst der Hand. Vor dem Bett ist ein genau winkelrecht zu demselben stehender Tisch angebracht, welcher durch die mit Kurbelrädern versehenen Spindeln H und I horizontal und vertical stellbar ist, nach Erforderniß der Stärke des Stückes. Dieser Tisch ist ähnlich denen an den gewöhnlichen Rundhobelmaschinen, und mit schwalbenschwanzförmigen Ruthen zur Befestigung der zu bearbeitenden Gegenstände versehen. Der obere Theil des Bohrbockes ist hohl und dient als Oelkammer. Von derselben führt ein in Kugelscharnieren drehbares Rohr zum Bohrer nieder, welcher durch dasselbe während der Arbeit mit Oel gespeist wird.

Die Maschinen werden auch häufig mit längerem Bett und zwei Bohrvorrichtungen hergestellt, wo dann mit denselben Gegenstände, z.B. Bleuelstangen, Kolbenstangen etc., gleichzeitig an beiden Enden bearbeitet werden können.

Fig. 22 zeigt die Anwendung der Maschine in zwei Beispielen. Das erste ist das Anfangsende einer schmiedeeisernen Bleuelstange mit Bügel, bei welchem sowohl die Keillöcher, als auch die durchbrochenen Oeffnungen mittelst der Maschine hergestellt sind. Daneben sind die verbundenen, in einem Stück geschmiedeten Enden zweier gabelförmigen Zugstangen gezeichnet; nach der Bearbeitung in der Langlochbohrmaschine sehen dieselben wie in A gezeichnet aus, werden dann getrennt, die Bolzenlöcher gebohrt und in der Rundhobelmaschine fertig gemacht.

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Die Herstellung der Keilnuthen in Transmissionswellen etc., das Ausfräsen von Schmiernuthen in Lagern gehören unter die mannichfaltigen Arbeiten, welche sich mit dieser nützlichen und werthvollen Maschine ausführen lassen.

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