Titel: Mohr's Analyse einer Sodarohlauge .
Autor: Matthes,
Weber,
Mohr, Karl Friedrich
Fundstelle: 1859, Band 154, Nr. XLV. (S. 205–209)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj154/ar154045

XLV. Vollständige Analyse einer Sodarohlauge aus der Fabrik der HHrn. Matthes und Weber in Duisburg; von Medicinalrath Dr. Mohr.

Die vollständige Analyse einer Sodarohlauge gehört zu den verwickeltsten analytischen Operationen. Ein Verfahren die fünf gewöhnlichen |206| löslichen Salze durch Maaßanalyse zu bestimmen, ist bereits im II. Theil meines Lehrbuchs der Titrirmethode mitgetheilt. Im vorliegenden Falle habe ich alle durch Reactionen entdeckbaren Stoffe mit hineingezogen und durch eine Verbindung der Maaß- und Gewichtsanalyse für diese sehr verwickelte Analyse ein Schema aufzustellen versucht.

Die Rohlauge war vollständig gesättigt. Bei gewöhnlicher Zimmertemperatur setzte sie reichlich Krystalle von kohlensaurem Natron ab. Zur Analyse wurde sie in warmes Wasser eingesetzt und in der verschlossenen Flasche flüssig gemacht und dann bis 18° R. wieder erkalten gelassen.

Außer dem kohlensauren Natron zeigte sie durch Reactionen nachfolgende Bestandtheile:

a) Ein Theil mit reiner Salzsäure übersättigt und filtrirt, gab mit Chlorbaryum
eine äußerst schwache Trübung.
Schwefelsäure.
b) Die Flüssigkeit aus a durch ein Filtrum gegossen, färbte dasselbe deutlich
blau von Berlinerblau.
Cyan und Eisen.
c) Ein Theil mit Salpetersäure übersättigt und filtrirt, gab mit Silberlösung eine
schwache, doch noch deutliche Fällung.
Chlor.
d) Ein Theil der Lösung mit Essigsäure beinahe gesättigt, trübte sich und gab
einen weißen Niederschlag. Derselbe ausgewaschen, löste sich ohne
Brausen in Säuren, und wurde aus dem Filtrat durch Ammoniak in Flocken
gefüllt.
Thonerde.
e) Bei der Sättigung mit Säuren bemerkte man deutlich den Geruch nach
Schwefelwasserstoff.
Schwefel.
f) Unterschwefligsaures Natron und Kieselerde wurden zugleich mit der
Bestimmung erkannt.

Quantitative Analyse.

1) Specifisches Gewicht. Ein Glas, welches bis an eine Marke im Halse genau 100 Grm. destillirtes Wasser hielt, faßte von der Rohlauge

bei 18,5° R. 125,653 Grm., also
spec. Gewicht 1,25653 „
10 K. C. Rohlauge aus einer Pipette in eine Platinschale
eingelassen, wogen 12,526 Grm.
Spec. Gewicht 1,2526 „
|207|

2) 10 K. C. Rohlauge mit einer Pipette in eine gewogene Platinschale gegossen, mit kohlensaurem Ammoniak versetzt und im Wasserbade zur Trockne gebracht, hinterließen 3,139 Grm. festes Salz. Da die Rohlauge caustisches Natron enthält, und von demselben ein Theil beim Eindampfen sich mit Kohlensäure verbindet, so wurde das kohlensaure Ammoniak zugesetzt, um die ganze Menge in kohlensaures Natron zu verwandeln.

1 Liter Rohlauge enthält also:

313,9 Grm. festes Salz.

Auf das Gewicht der Rohlauge bezogen, macht der Gehalt an Salzen den gefundenen Procentgehalt dividirt durch das specifische Gewicht, oder 24,98 Proc.

3) Dieses mit Lackmus versetzt und unter Erwärmen mit Normal-Salpetersäure gesättigt, erforderte

1) 58,3 K. C. Normal-Salpetersäure.
Neue 10 K. C. Rohlauge 2) 58,4 „
––––––––––––
Mittel 58,35 K. C.

4) 10 K. C. Rohlauge wurden in warmem Wasser gelöst, mit Chlorbaryum vollständig gefällt, erwärmt, filtrirt und ausgewaschen. Das Filtrat mit Lackmus versetzt und mit Normal-Salpetersäure austitrirt, erforderte 18,2 K. C. Normal-Salpetersäure.

In diesem Versuche ist das caustische Natron bestimmt, welches in ein Aequivalent caustischen Baryt übergegangen war.

Wenn in Nr. 3 der ganze Alkaligehalt bestimmt wurde, so geht aus Nr. 4 hervor, daß (18,2 × 100)/58,35 = 31,36 Proc. vom ganzen Alkaligehalt als caustisches vorhanden war.

5) 10 K. C. Rohlauge mit Essigsäure zur Trockne gebracht, dann in destillirtes Wasser aufgenommen, filtrirt, mit chromsaurem Kali und Silberlosung titrirt, erforderten

9,4 K. C. Zehentsilberlösung.

Diese sind gleich 9,4 × 0,005836 = 0,05485 Grm. Kochsalz.

6) 10 K. C. mit Wasser verdünnt, dann mit Essigsäure fast neutralisirt, mit Stärkelösung versetzt, wurden mit 2,5 K. C. Zehentjodlösung blau.

Schwefelnatrium + unterschwefligsaures Natron.

7) 10 K. C. mit Essigsäure beinahe gesättigt, dann mit Zinkvitriol ausgefällt, filtrirt, mit Stärkelösung versetzt, erforderten

0,7 K. C. Zehentjodlösung.

Diese entsprechen 0,7 × 0,0158 = 0,011 Grm. unterschwefligsaurem Natron.

8) 10 K. C. mit Essigsäure versetzt bis zum starken Brausen, trübten sich. Der Niederschlag wurde ausgewaschen, in Salpetersäure gelöst und |208| mit Ammoniak gefällt. Er war ganz weiß, flockig. Er wurde auf einem Filtrum gesammelt, gewaschen und geglüht gewogen. Er betrug, nach Abzug der Filterasche, wie bei allen Wägungen,

0,045 Grm. Thonerde aus den Herdsohlen.

9) 10 K. C. wurden mit Eisenchlorid und Eisenvitriol versetzt, dann in überschüssiger Salzsäure gelöst. Es entstand ein sehr ansehnlicher Niederschlag von Berlinerblau. Derselbe wurde durch Digestion mit dünnem Aetzkali zersetzt, filtrirt, ausgewaschen und geglüht. Er war rein eisenoxydfarbig und wog 0,005 Grm.

Nach Rammelsberg's Untersuchungen über das Berlinerblau (Poggendorff's Annalen Bd. LXXIII S. 85) wurde er nach dem Satze 94 Eisenoxyd = 49 Cyannatrium berechnet, demnach stellen die 0,005 Grm. Eisenoxyd

0,00261 Grm. Cyannatrium vor.

10) Die in bekannter Weise aus 10 K. C. Rohlauge ausgeschiedene Kieselsäure wog 0,005 Grm.

11) 10 K. C. Rohlauge mit Salzsäure übersättigt, filtrirt und mit Chlorbaryum gefällt, gaben einen sehr schwachen Niederschlag von schwefelsaurem Baryt. Als die Flüssigkeit filtrirt wurde, färbte sich das Filtrum blau. Nach dem Auswaschen wurde es einmal mit dünnem Aetzkali behandelt und gewaschen, dann mit Salzsäure behandelt und gewaschen, zuletzt getrocknet, geglüht und gewogen.

Der schwefelsaure Baryt wog 0,005 Grm.

= 0,003 Grm. schwefelsauren Natron.

12) Zur Berechnung der noch nicht ausgeworfenen Stoffe dienen folgende Betrachtungen.

Die ganze Alkalität der Rohlauge ist in Nr. 3 mit 58,35 K. C. Normal-Salpetersäure gemessen. Darin ist das Schwefelnatrium und Cyannatrium einbegriffen. Für das Schwefelnatrium gehen aus Nr. 8 nach Abzug von Nr. 9

1,8 K. C. Zehent- = 0,18 K. C. Normal-Salpetersäure in Abzug.

Es bleiben also für kohlensaures Natron

58,17 K. C. Normal-Salpetersäure übrig,

welche 3,085 Grm. kohlensaures Natron geben.

Die unter 9) gefundenen 0,00261 Grm. Cyannatrium sind äquivalent 0,0028 Grm. kohlensaurem Natron, welche von obiger Menge abgehen.

Es bleiben also kohlensaures Natron

3,082 Grm.

|209|

13) Aus Nr. 6 ergibt sich, wenn man Nr. 7 abzieht, daß das Schwefelnatrium äquivalent ist 1,8 K. C. Zehentjodlösung. Diese multiplicirt mit 0,0039, geben

0,007 Grm. Schwefelnatrium.

Stellen wir diese Resultate zusammen, so haben wir in 10 K. C. Rohlauge:

aus 12) kohlensaures Natron 3,082 Grm. (= 95,994 Proc. vom trocknen Salz)
aus 5) Kochsalz 0,055 „
aus 11) schwefelsaures Natron 0,003 „
aus 7) unterschwefligs. Natron 0,011 „
aus 13) Schwefelnatrium 0,007 „
aus 9) Cyannatrium 0,0026 „
aus 8) Thonerde 0,045 „
aus 10) Kieselerde 0,005 „
––––––––––
3,2106 Grm.

statt 3,139, welche durch den Eindampfungsversuch erhalten wurden. Setzt man das Komma in obiger Aufstellung um 2 Stellen zur Rechten, so hat man diejenigen Mengen der einzelnen Salze in Grammen ausgedrückt, welche in 1 Liter Rohlauge enthalten sind.

Der ungemein kleine Gehalt an schwefelsaurem Natron mag wohl von der ziemlich großen Menge von caustischer Soda herrühren, in welcher schwefelsaure Salze fast unlöslich sind.

Oben wurde gefunden, daß 31,36 Proc. des ganzen Natrongehaltes als Hydrat vorhanden seyen. Dieses macht auf die 3,082 Grm. kohlensaures Natron 0,966 Grm., welche nach dem Verhältnisse von 53 : 40 auf Aetznatronhydrat zu berechnen sind und demnach

0,729 Grm. geben.

Das kohlensaure Natron hat sich dann auf 2,116 Grm. reducirt, und wir haben in 10 K. C. Rohlauge:

in 100 Thln. trocknen Salzes
kohlensaures Natron 2,116 Grm. 71,250
Natronhydrat 0,729 „ 24,500
Kochsalz 0,055 „ 1,850
schwefligsaures Natron 0,003 „ 0,102
unterschwefligsaures Natron 0,011 „ 0,369
Schwefelnatrium 0,007 „ 0,235
Cyannatrium 0,0026 „ 0,087
Thonerde 0,045 „ 1,510
Kieselerde 0,005 „ 0,168
Eisen, als Schwefeleisen gelöst Spuren Spuren
–––––––––––––––––––––––––––––
2,9736 100,071
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