Titel: Tiffereau's Apparat zum Aufsammeln, Messen und Umfüllen der Gase in chemischen Laboratorien.
Autor: Gaultier de Claubry, Henri François
Fundstelle: 1859, Band 154, Nr. LVII. (S. 260–263)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj154/ar154057

LVII. Ueber Tiffereau's Apparat zum Aufsammeln, Messen und Umfüllen der Gase in chemischen Laboratorien; Bericht von Gaultier de Claubry.

Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement, Juli 1859, S. 401.

Mit Abbildungen auf Tab. IV.

Wenn man täglich in den Laboratorien die Chemiker mit so großer Leichtigkeit Gase aller Art aus Gefäßen von allen Formen und Rauminhalten in andere Gefäße umfüllen steht, so möchte man sich wundern, daß einer der ausgezeichnetsten Repräsentanten der Wissenschaft, Priestley, im letzten Jahrhundert als Anleitung zu den heut zu Tage so einfachen Manipulationen ein eigenes Werk veröffentlicht hat. Die Sache erscheint jedoch ganz natürlich, wenn man bedenkt, daß die Gase dazumal erst eine Stelle in der Wissenschaft einzunehmen ansingen, und daß zur Unterweisung in den mit denselben vorzunehmenden Manipulationen die Geschicklichkeit eines Chemikers ersten Ranges erforderlich war. Jetzt ist es, wie erwähnt, sehr leicht, dieselben auszuführen, und in sehr vielen Fällen, wenn es sich um Gase handelt, die im Wasser unlöslich oder nur wenig löslich sind, reicht eine einfache Schüssel und eine durchbohrte Scherbe für die Mehrzahl der Operationen hin.

Handelt es sich aber darum, große Quantitäten von Gas zu sammeln und aus Behältern, in denen man sie aushängt, in andere überzuführen, oder kommt es, wie bei vielen Versuchen darauf an, bedeutende Luft- oder Gasmengen herbeizusaugen, indem man sie zum Behuf ihrer Reinigung oder Trocknung durch verschiedene Flüssigkeiten oder feste Körper streichen läßt, so ist man genöthigt, die zur Erfüllung dieser verschiedenen Bedingungen nöthigen Apparate zu vervielfältigen.

William Henry beschrieb meines Wissens zuerst im Jahre 1812 in seinem Handbuch der Experimentalchemie unter dem Namen Gasometer (gas holder) einen Apparat, welcher die Bestimmung hat, größere Gasmengen zu sammeln. Einige Modificationen abgerechnet, z.B. die Hinzufügung einer Wasserstandsröhre, um das Gasvolumen annähernd zu ermitteln, findet man den Henry'schen Apparat noch jetzt überall in den Laboratorien in Gebrauch.

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Hr. Tiffereau hat in einem einzigen Instrumente Alles zu vereinigen gesucht, was bei den Manipulationen mit Gasen nothwendig erscheint, nämlich: einen graduirten Cylinder, um das Gasvolumen mit der hierbei möglichen Genauigkeit zu messen, einen Aspirator und eine pneumatische Wanne. Diesen Zweck hat er durch ganz einfache und sinnreiche Anordnungen erreicht. Ein cylindrischer Behälter aus Zink trägt eine pneumatische Wanne, und steht mit dieser durch eine mit einem Hahn verschließbare Röhre, welche ihm das Gas zuführt, in Verbindung. An seinem unteren conischen Ende befindet sich eine gleichfalls mit Hahn versehene gekrümmte Röhre zum Ablassen des Wassers. Eine andere Röhre setzt den unteren Theil der Wanne mit demjenigen des Behälters in Verbindung. Auf der entgegengesetzten Seite ist eine Wasserstandsröhre befestigt. Eine mittelst eines Schraubenstöpsels verschließbare Oeffnung gestattet ein Thermometer in den Behälter zu bringen.

Nachdem man den Behälter mit Wasser gefüllt hat, setzt man den Gasentbindungsapparat mit dem oberen Hahn in Verbindung, und öffnet den Hahn, welcher mit dem Boden des Cylinders communicirt, worauf sich der Behälter mit Gas füllt.

Will man nun das Gas in kleine Glocken, Cylinder oder andere auf die Brücke der pneumatischen Wanne gestellte Gefäße füllen, so schließt man den unteren Hahn, und öffnet den Hahn des Gasentbindungsrohres und denjenigen der mittleren Röhre, mittelst welcher das Wasser der Wanne die Stelle des Gases einnimmt. Für Versuche mit dem Löthrohr schraubt man dieses auf die Entbindungsröhre.

Will man den Apparat als Aspirator gebrauchen, so schraubt man den Hahn, welcher zur Einführung des Wassers dient, ab, und erseht ihn durch eine Röhre, welche sich bis zu einem Abstand von ungefähr 1 Centim. vom Boden des Behälters abwärts erstreckt, und die man mit der äußeren Luft in Communication setzt, wenn man mit atmosphärischer Luft arbeitet, hingegen mit Wasch- oder Trockenapparaten, wenn man getrocknete Luft oder verschiedene Gase anzuwenden hat, und öffnet die geeigneten Hähne. Die Luft oder die Gase dringen alsdann in den Behälter, welcher, wie das Mariotte'sche Gefäß, einen constanten Ausfluß gewährt.

Die in Wasser auflöslichen Gase werden mit Ausnahme des Chlorgases, welches das Quecksilber angreift und des Jodwasserstoffgases, welches in Berührung mit demselben sich zersetzt, sämmtlich über Quecksilber aufgefangen. Man kann jedoch zum Aufsammeln einiger in Wasser ziemlich löslichen Gase, wie der Kohlensäure und des Schwefelwasserstoffs, sich mit Vortheil des Wassers bedienen, indem man eine gesättigte Auflösung von schwefelsaurer Magnesia anwendet, welche ich schon vor langer Zeit |262| hierzu empfohlen habe.59) Schüttelt man nämlich die beiden erwähnten Gase fünf Minuten lang lebhaft mit verschiedenen gesättigten Salzlösungen, so erhält man folgende Resultate:

Kohlensäure. Schwefelwasserstoff.
Wasser 100 80 92
Auflösung von schwefelsaurem Natron 100 80 91
„ „ salpetersaurem Kali 100 74 92
„ „ schwefelsaurer Magnesia 100 20 52

Man kann sich demnach des Tiffereau'schen Apparates für viele Operationen des Laboratoriums mit Vortheil bedienen. Derselbe ist seit einigen Jahren in mehreren Laboratorien zu Paris, namentlich in demjenigen des Prof. Pelouze in Gebrauch.

Beschreibung des Apparates. – Fig. 17 ist ein Verticaldurchschnitt des Apparates durch seine Achse, und Fig. 18 ein Grundriß desselben.

X ist die pneumatische Wanne.

Y ist ein cylindrischer Behälter, welcher zur Aufnahme der Gase dient und mit der Wanne X ein Ganzes bildet; sein Boden ist kegelförmig und die Spitze des Kegels mit einem Hahn h und einer gekrümmten Röhre versehen.

j ist die Centralröhre, welche sich in der Achse der Wanne erhebt und in den Behälter Y einmündet. Diese Röhre endigt in einen Hahn, der nach Belieben abgeschraubt werden kann.

k ist eine Metallröhre, die an ihrem oberen Ende mit einem Hahn versehen ist, und den Boden der Wanne mit dem des Behälters in Verbindung setzt.

l ist eine gläserne Wasserstandsröhre, welche oben und unten mit dem Behälter communicirt.

m ist ein Schraubenstöpsel, welcher eine Oeffnung schließt, durch die man ein Thermometer in den Behälter einführen kann.

W ist ein Dreifuß, auf dem der ganze Apparat ruht.

Um den Behälter mit Gas zu füllen, füllt man ihn erst mit Wasser, setzt dann den Gasentbindungsapparat mit dem Hahn der Röhre j in Verbindung, und öffnet diesen Hahn (während der Hahn k geschlossen ist) und eben so den Hahn h. In dem Maaße als das Wasser abfließt, dringt das Gas in den Apparat.

Handelt es sich darum, aus dem Behälter Gas in einen auf die Brücke der pneumatischen Wanne gestellten Glascylinder zu füllen, so |263| öffnet man, während der Hahn h geschlossen ist, den Hahn der Röhre j und den der Röhre k, worauf das Wasser aus der Wanne in den Behälter dringt, wo es die Stelle des Gases einnimmt.

Um Löthrohrversuche zu machen, schraubt man auf die Röhre j das Löthrohr selbst, und sammelt das Gas wie vorher auf.

S ist eine Röhr (tube à flotteur) von der Höhe der Wanne, welche man auf das obere Ende der Röhre k schraubt, wenn man eine regelmäßige Gasausströmung wünscht.

T ist die Röhre, deren man sich bedient, wenn man den Apparat als Aspirator gebrauchen will; nach Abnahme des Hahns von der Röhr j, steckt man in diese Röhre die Röhre T von kleinerem Durchmesser, deren größerer Schenkel bis zu einem Centimeter Abstand vom Boden des Behälters reicht und oben einen Kork enthält.

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Annales de Chimie et de Physique, t. XXXVII p. 380.

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