Titel: zur Nedden, über die elektrischen Bilder und die Lichtbilder.
Autor: Nedden, H. M. C. zur
Fundstelle: 1859, Band 154, Nr. LXII. (S. 278–286)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj154/ar154062

LXII. Die elektrischen Bilder und die Lichtbilder; von Dr. H. M. C. zur Nedden.

I. Geschichtliches.

Die nach ihm benannten Figuren entdeckte Lichtenberg im Jahre 1777 als er die besondere Art und Weise bemerkte, wie der Staub auf dem Harzkuchen seines Elektrophors sich nach Entfernung des Deckels niederschlug. Als er hierauf den Kuchen absichtlich bepuderte, stellte sich die Erscheinung noch auffallender dar und veranlaßte ihn zu einer Reihe von Versuchen. Es diente dabei eine Metallröhre, die er auf den Harzkuchen stellte und in dieselbe bald positive, bald negative Elektricität aus einer |279| Maschine, oder aus einer Leydener Flasche leitete. Wurde die Röhre hierauf mit der Hand entfernt, so erhielt er nach vorgängiger positiver Ladung durch Beuteln mit Harzpulver eine Sonne, welche von sich verzweigenden Strahlen des Pulvers umgeben war; nach vorgängiger negativer Ladung aber unter denselben Umständen eine von concentrischen Kreisen eingeschlossene Figur. Sobald er mit dem Knopfe einer Leydener Flasche auf den Kuchen schrieb, erhielt er nach dem Bepudern bei positiver Ladung der Flasche die Schriftzüge von Strahlen eingefaßt, bei negativer Ladung dieselben von rundlichen Figuren umgeben. Lichtenberg stellte durch diese und ähnliche Versuche den Unterschied fest, welchen die Art der Elektricität unter den Formen der Figuren hervorbrachte, er erkannte schon den Einfluß, den die Wahl des Pulvers auf feinen Niederschlag haben konnte; verleitet jedoch besonders durch den Umstand, daß metallische Pulver, obgleich nicht zu den idiolektrischen Körpern damals gerechnet, dennoch zur Bildung der Figuren, wenn auch weniger deutlich, dienen konnten, beachtete er dieses Verhalten fast gar nicht. Erst Cavallo hob 1795 die Bedeutung hervor, welche die bei der Beutelung gewonnene eigene Elektricität auf die Bildung der Figuren hat, und bewies die Elektrisirung sehr verschiedener Arten pulverisirter Körper durch die bei der Beutelung stattfindende Reibung. Wir übergehen das Detail dieser Versuche, indem wir bemerken, daß zwar allerdings je nach der Natur der reibenden Körper auch die geriebenen Stoffe bald positiv, bald negativ werden können, daß die Versuche jedoch bisher ergeben haben, daß Mennige immer positiv elektrisch wird, und daß Schwefelblumen mit Mennige gerieben, immer negativ elektrisch werden. Sobald daher einer nicht leitenden Fläche positive und negative Elektricität gleichzeitig, z.B. in Namenszügen, mitgetheilt wird, und Mennige mit Schwefelblumen gemeinschaftlich aus demselben Beutel darüber gepudert werden, so wird das erstere Pulver die Verbreitung der negativen Elektricität in rothen Zügen und die letzteren die Verbreitung der positiven Elektricität in gelben Zügen markiren. Durch Veränderung der concurrirenden Apparate und Manipulationen ist die Erscheinung der Lichtenberg'schen Figuren großer Mannichfaltigkeit fähig, und gleichzeitig von Cavallo und Dehns besonders ausgebildet worden. Außerdem befaßten sich Singer, Kortüm, Paets, van Troostwyck und Krayenhoff vorzüglich mit diesem Gegenstande; die beiden letzteren unter Anwendung 4–5 Zoll im Durchmesser haltender Platten von Harz und schwarzem Siegellack bei 1/8 Zoll Dicke, einer Leydener Flasche von 44 Quadratzoll Fläche Belegung und des Bärlappsamens zum Bepudern der Figuren. Ihre Versuche verbreiteten viel Licht über die Elektricitäts-Entwickelung durch Vertheilung. Endlich ist noch |280| zu erwähnen der schwedische Naturforscher Ekmarck, der im J. 1800 eine Reihe interessanter Versuche dieser Art mittheilte. Noch viele andere Gelehrte haben die Lichtenberg'schen Figuren behandelt, jedoch wurde eine Erweiterung unserer Kenntniß von den elektrischen Erscheinungen überhaupt, noch von den hier besprochenen dadurch nicht erreicht. Die Erzeugung der elektrischen Figuren war eigentlich mit den Entdeckungen Lichtenberg's vollständig gegeben, sie wurden nur durch die Arbeiten Cavallo's etwas mehr befestigt, aber eine nützliche Verwendung hat sie bis heute nicht gefunden.

Mehr als ein Drittheil eines Jahrhunderts der angestrengtesten Arbeit ausgezeichneter Naturforscher bedurfte dagegen die Photographie, um an die Oeffentlichkeit treten zu können, und fast ein halbes Jahrhundert, um das nützliche Gemeingut Aller in dem Grade zu werden, wie sie es zur Zeit geworden ist. Der leitende Gedanke war von Anbeginn in diesem Zweige, das in der camera obscura aufgefangene zierliche Bild durch die chemische Reaction, welche die Lichtstrahlen auf manche Stoffe ausüben, auf einer präparirten Platte darstellen zu lassen. Unsere Kenntniß der chemischen Wirkungen des Lichts ist indessen noch heute höchst unbedeutend, und so waren die Naturforscher in diesem Fache ausschließlich auf den Weg des Experimentirens, und zwar eines höchst mühsamen Experimentirens, verwiesen. So gelang es denn zwar Davy schon 1801 mit dem Sonnenmikroskop Heliographien darzustellen, wie man diese Zeichnungen des Lichts damals nannte, allein er vermochte die Bilder nicht zu fixiren, und bis zum Jahre 1814 scheint dieß Niemand gelungen zu seyn. Damals war es Niepce, der die Bilder der camera obscura dadurch zu fesseln suchte, daß er gewisse Harze, die nach Einwirkung des Lichts an Löslichkeit verlieren, in dünnen Schichten auf polirten Kupfer- und Silberplatten ausgebreitet, dem Lichte in der camera obscura aussetzte und hierauf durch geeignete Lösungsmittel das Harz von den Stellen entfernte, welche am wenigsten vom Lichte getroffen waren. So unvollständig die Resultate der angeführten und anderer Versuche gewesen seyn mögen, sie mußten vorausgehen in der Lichtbildnerei, welche fortan in Verbindung mit demselben Niepce und später dessen Sohn von Daguerre zu brauchbarer Vollkommenheit geführt und 1839 unter dem Namen der Daguerreotypie veröffentlicht wurde. Sein Verfahren besteht darin, eine polirte Silberfläche durch Joddämpfe für das Licht empfindlich und nach dem Einstellen in die camera obscura durch Eintauchen in unterschwefligsaures Natron für weitere Veränderung unempfindlich zu machen. Die gleichzeitige Publication Talbot's zur Darstellung der Lichtbilder auf Papier, sowie die weiteren in diesem Fache gemachten Entdeckungen |281| bestehen in Veränderung und Verbesserung der Manipulation und des Materials jeder Art: das Princip blieb nach wie vor die chemische Wirkung des Lichts.

Nur ein Versuch von Daguerre ist dem Verfasser unvollständig bekannt geworden in einer Mittheilung, wonach derselbe die Erzeugung der Bilder durch Anwendung der Elektricität zu beschleunigen gedachte. Es heißt darin63) daß er auf den Gedanken gekommen sey die jodirte Metallplatte zu elektrisiren, wobei er sie isolirte und während der Operation in der camera obscura auch isolirt erhielt. Dadurch soll jedoch die Platte so empfindlich geworden seyn, daß er zu folgendem Verfahren geschritten sey: „Er überzieht die Platte mit einer Substanz, welche weniger empfindlich ist als das Jod (was dieß für eine Substanz ist, wird nicht gesagt), bringt sie hierauf in die camera obscura und läßt im Augenblick, in welchem er ein Bild erzeugen will, einen elektrischen Funken hindurchschlagen, und in dieser so äußerst kurzen Zeit, welche Hr. Talbot auf eine Milliontel-Secunde schätzt, erzeugt sich das Bild etc.“ Erhebliche Erfolge scheinen nicht weiter auf diesem Wege errungen worden zu seyn und auch eine weitere Prüfung des Einflusses der Elektricität nicht stattgefunden zu haben.

Etwas später fällt die 1842 gemachte Entdeckung des Professors L. Moser zu Königsberg der nach ihm benannten Bilder64), welche er dadurch erzeugte, daß er eine Münze oder andere gravirte Gegenstände eine Zeit lang auf eine Metall- oder Glasfläche legte. Nach Entfernung der Münze und Anhauchen der Stelle, welche sie bedeckt hatte, wurde ein vollständiges Bild derselben auf der Platte sichtbar. Moser blieb bei dieser Erzeugung durch Hauch, also dem condensirten Wasserdampf, nicht stehen, und fand, daß Jod und Quecksilberdämpfe dieselbe Wirkung hatten. Durch eine Menge höchst mühsamer Versuche fand er bei dem Proceß so viel Aehnlichkeit mit dem der kurz zuvor veröffentlichten Daguerreotypie, daß er beide Wirkungen derselben Ursache zuschreiben zu müssen glaubte. Jedoch findet die Erzeugung der Moser'schen Bilder sowohl im hellen Tageslicht wie im Finstern, sowohl bei unmittelbarer Berührung des Gegenstandes |282| mit der Platte, als auch bei sehr geringer Entfernung beider statt, so daß alle diese Umstände den Entdecker veranlaßten, die Existenz eines nach ihm so benannten unsichtbaren oder latenten Lichts anzunehmen, welches nach seinen zahlreichen Versuchen in jedem Körper vorhanden ist. Es ist dieß Licht nicht allein verschieden von dem sichtbaren, sondern auch von dem sogenannten dunklen Licht, dessen chemische Wirkung Ritter in den Strahlen jenseits des Violetts im Sonnenspectrum nachgewiesen hat. Es ist dasselbe weder im Sonnenlichte, noch in dem Lichte unserer Flammen enthalten, obgleich beide dieselbe Wirkung wie die hier erwähnten des unsichtbaren Lichts zu leisten vermögen, welche darin bestehen, die dem abzubildenden Gegenstande gegenüberliegenden Theile der Oberfläche derartig zu disponiren, daß sie fähig werden gewisse Dämpfe auf eine bestimmte Art und Weise zu condensiren. Dieselbe Disposition können dann Dämpfe selbst auch den Theilen einer Fläche verleihen, wie Moser durch vielfache Versuche bewiesen. Endlich glaubt er den allgemeinen Satz aufstellen zu dürfen, daß Berührung, Condensirung von Dämpfen und Licht – worunter dann auch das von ihm sogenannte unsichtbare oder latente Licht zu begreifen ist – auf alle Körper eine gleiche Wirkung ausüben, und daß durch sie die Affinität aller Substanzen für die Dämpfe modificirt werde. Es erscheint hiernach die Daguerreotypie als ein besonderer Fall der allgemeinen chemischen Wirkung des Lichts, sowie der Dämpfe und der Körper überhaupt auf einander.

Bereits im Jahre 1838 bemerkte P. Rieß bei einer Untersuchung über Erwärmung des Schließungsdrahts, einer elektrischen Batterie, daß an einer völlig isolirenden Glasplatte von 0,37 Linien Dicke, als der Funke dennoch übersprang, obgleich jene Belegung noch 15 1/2 Linien vom Rande entfernt war, derselbe auf beiden Oberflächen Spuren von der Ansatzstelle bis zum Rande hinterließ. Diese Spuren bestanden in Rissen, ähnlich wie durch kleine Quarzkrystalle zerrissen, welche durch Anhauchen sichtbar wurden. Noch interessanter beobachtete er hierauf dieselben Erscheinungen auf Glimmerblättchen. Durch die Wirkung erinnert das Experiment an die Lichtenberg'schen Figuren, während es sich durch die Art des Sichtbarmachens mittelst des Anhauchens an die Moser'sche Entdeckung anschließt.

In der That schienen auch G. Karsten die von Rieß gefundenen Zeichnungen den Moser'schen Bildern so analog, daß er die letzteren zu Ende des Jahrs 1842 auf elektrischem Wege darzustellen versuchte. Die Resultate seiner ausführlichen Forschungen hat er in drei Abhandlungen „über elektrische Abbildungen“ veröffentlicht.65) Es erschien eine auf einer |283| Metallplatte ruhende Glastafel, auf die er eine Münze gelegt hatte, nachdem er durch letztere die Funken von 100 Umdrehungen einer Maschine mit 20zölliger Scheibe hatte schlagen lassen, nach Wegnahme derselben zwar unverändert, zeigte jedoch nach dem Behauchen ein vollständiges Bild der Münze an ihrer Stelle. Um auf Metallplatten dergleichen Bilder zu erzeugen, mußte ein Nichtleiter zwischen ihnen und das Object eingeschoben werden, worauf jedoch durch 15 bis 20 Umdrehungen außerordentlich scharfe Bilder erhalten wurden. Auch hat er in dieser Weise viele und mannichfaltige Stoffe, sowohl an Platten als Objecten geprüft. Die letzte Abhandlung enthält die vollendetsten Darstellungen Karsten's, er gelangt darin schließlich zu den folgenden vier Aufstellungen, in denen er seine ungefähre Ansicht über den Hergang der Erzeugung der Bilder ausspricht:

1) Wir wissen, daß durch Elektricität Abbildungen entstehen;

2) diese haben viele gleiche Eigenschaften mit den Moser'schen;

3) die Moser'schen entstehen durch einen Proceß bei dem man die Elektricität als anwesend betrachten kann, während das unsichtbare Licht eine qualitas occulta ist und die Wärme am wenigsten als die Ursache der Bilder angesehen werden kann;

4) werden die Versuche so eingerichtet, daß kein elektrischer Strom entstehen kann, so entstehen auch keine Abbildungen. Wenn man also zwischen Object und Platte einen Isolator einschaltet, entsteht kein Bild. Ein Zusammenhang mit der Elektricität ist also bei der Bildererzeugung wohl ersichtlich, nicht aber mit dem unsichtbaren Lichte, wenn dieses die Haupteigenschaften des Lichtes haben soll.

Als Einwände, welche gegen diese Aufstellungen erhoben werden könnten, führt er zunächst den Umstand an, daß Bilder in einer, wenn auch sehr geringen Entfernung des Objects von der Platte erzeugt werden können; jedoch wäre dieß die auch von Volta schon erwähnte Vertheilung der elektrischen Spannung in der Entfernung. Ein zweiter bedeutenderer Einwand wäre der, daß durch Galvanismus keine Bilder erzeugt werden, wobei jedoch zu erwähnen, daß der Beweis davon damit noch nicht geliefert ist, daß die Bildererzeugung mit dieser Elektricität noch nicht ausgeführt ist, und wie wir hier schon bemerken wollen, ist diese Erzeugung später wirklich ausgeführt worden. Einen dritten Einwand könnte man aus dem Schlusse ziehen, daß, da die Leitung der Elektricität sehr schnell stattfindet, scharf begränzte Bilder durch sie nicht erhalten werden konnten. Allein Karsten schreibt auch die Bildererzeugung nicht allgemein der Elektricität zu, sondern ganz bestimmt der Spannung, die an gewissen Punkten erregt wird. Den Einfluß endlich den die Wärme auf Erzeugung |284| der Bilder haben kann, reducirt Karsten darauf, daß sie etwa eine thermoelektrische Spannung hervorruft.

Gleichzeitig scheinen die HHrn. Morren und Masson 66) hier zu erwähnende Versuche angestellt zu haben, die mir indeß nur durch das kurze Referat bekannt sind, welches Karsten von denselben gibt und das hier folgen mag, so weit es von Interesse ist.

„Hr. Masson legt eine Münze auf einen Harzkuchen, elektrisirt sie und pudert nach ihrer Entfernung mit Mennige und Schwefelblumen, worauf das Bild der Münze hervortritt. Hr. Morren bestreut eine Münze mit Tripel, und wischt diesen so weit fort, daß er nur in den Vertiefungen der Münze zurückbleibt. Diese Münze legt er auf eine isolirende Substanz und elektrisirt sie, alsdann erscheint auf dem Isolator das Bild der Münze, indem der Staub abgestoßen wird.“

Fizeau,67) und mit ihm soll Daguerre 68) so ziemlich übereinstimmen, fand zwar die Moser'schen Bilder, schreibt sie aber der an jedem Körper anhaftenden leichten Unreinigkeit zu, die er organische Materie nennt und mehr oder weniger flüchtig annimmt. Diese Materie wird durch die Annäherung eines zweiten Körpers an den verschiedenen Theilen einer polirten Fläche mehr oder weniger verdichtet, je nachdem jene erhabene oder vertiefte Theile hat. Die Folge dieser verschiedenen Anhäufung würde dann auch eine verschiedene Condensirung der Dämpfe seyn.

In einem Aufsatz in den Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Berlin vom Jahr 1846, unter dem Titel „über elektrische Figuren und Bilder“ gibt Peter Rieß 69) eine kurze Uebersicht dessen, was über Erzeugung von Zeichnungen auf elektrischem Wege bis dahin geleistet ist; zugleich aber auch die eigenen auf Experimente gestützten Erweiterungen und Anschauungen. Sein Aufsatz ist durch Letzteres nicht allein im allgemeinen, sondern auch noch dadurch von den bisher betrachteten Abhandlungen ausgezeichnet, daß er sich an die Figuren und Bilder ausschließlich hält, welche durch elektrische Mittel erzeugt worden, ohne alle Rücksicht auf die Moser'sche und Daguerre'sche Verfahrungsweise. Zur Darstellung der Figuren bediente er sich nach Bedürfniß 5/24 Linien starker Kupferbleche von 1 3/4 Zoll Weite, welche einseitig oder auf beiden |285| Seiten in der Dicke einer starken Pappe mit schwarzem Pech überzogen waren. Sie wurden zwischen Metallspitzen senkrecht gegen die Richtung der Seiten eingeklemmt und bald durch eine 1 1/2 Quadratfuß haltende Leydener Flasche, bald direct durch die Maschine elektrisirt. Er unterscheidet im Allgemeinen zwei Arten Figuren: die primär elektrischen Zeichnungen und die secundär elektrischen Zeichnungen. Die Zeichnungen der ersten Art sind entweder Staubfiguren, wie sie Lichtenberg erfunden hatte, oder Staubbilder, welche in Laxtorph's Elektricitätslehre, Copenhagen 1803, und später von Masson, wie erwähnt, beschrieben sind. Die Bedingungen für Entstehung der Staubfiguren hat er noch näher als dieß bisher der Fall war, dahin festgestellt, daß sie nur entstehen bei einer discontinuirlichen Entladung auf den Nichtleiter, aber nicht bei continuirlicher Ladung, auch nicht bei Ladung durch Influenz. Besonders macht er aufmerksam auf die verschiedenen Raumverhältnisse der durch positive und der durch negative Elektricität gebildeten Figuren, wonach von den unter möglichst gleichen Umständen erzeugten Figuren jene eine mehr als siebenmal so große Fläche erfüllen als diese.

Zur Darstellung der Staubbilder benützte Rieß ebenfalls seine Pechplatten, auf welche als Objecte der Abbildung ein Messingstempel mit dem erhabenen Buchstaben T oder ein Petschaft gestellt wurden. Nach Ableitung des Blechs der Platte erhielt er sowohl durch die directe Ladung jeder Art mit der Maschine, als durch die Leydener Flasche und selbst durch Elektrisirung mittelst Influenz nach Entfernung des Objects und Bepudern der Platte vollständige Bilder.

Besonders bemerkenswerth ist die von ihm vollendete Darstellung scharfer Bilder durch Galvanismus. Er benutzte dazu eine alte trockene Säule, deren jeder Pol bei Ableitung des andern ein Goldblatt-Elektroskop mit zolllangen Blättern etwa 60° divergiren machte.

„Die secundär elektrischen Zeichnungen“, wie Peter Rieß ihre Beschreibung zusammenfaßt, „werden sichtbar durch eine mechanische oder chemische Aenderung, welche die Oberfläche einer Platte durch elektrische Entladungen erfahren hat; sie entstehen auf Platten jeden Stoffes, und sind nach der angewandten Elektricitätsart nicht verschieden. Sie zerfallen in zwei Gruppen, je nachdem jene Aenderung nur die jede Oberfläche deckende fremde Schicht trifft, wonach die Zeichnungen erst durch Condensation von Dämpfen sichtbar werden, oder nachdem die Substanz der Oberfläche selbst verändert wird, wonach sie unmittelbar sichtbar sind.“

Die durch Condensation von Dämpfen sichtbaren Zeichnungen sind nun entweder Hauchfiguren oder Hauchbilder. „Die Hauchfiguren |286| entstehen nach P. Rieß durch eine einzelne elektrische Entladung und sind nach dem Stoffe der Platte, auf der sie gebildet werden, verschieden geformt. Die Hauchbilder entstehen durch abwechselnd in entgegengesetzter Richtung erfolgende Entladungen. Sie sind nach dem Stoffe der Platten nicht verschieden: eine unwesentliche Verschiedenheit wird durch die Reinheit der Platten bedingt.“

Diese von Karsten erfundenen Hauchbilder vermochte Rieß durch einfache Elektrisirung vermittelst der erwähnten trockenen Säule während 16stündiger Dauer nicht darzustellen, obgleich sich ein vollständiges Staubbild zeigte. Uebrigens schreibt er, wie Fizeau, die Hauchbilder der Veränderung zu, welche die die Oberfläche der Körper deckende fremde Schicht erleidet.

Seine zweite Gruppe der unmittelbar sichtbaren Zeichnungen ordnet P. Rieß wie folgt:

„Die Farbenstreifen entstehen durch eine heftige elektrische Entladung auf der Oberfläche von Glimmer oder weichem Glase; sie erscheinen als gefärbte, von zwei scharf gezeichneten dunkeln Linien eingefaßte Bänder.

Wenn mehrere Entladungen einer Batterie zwischen einer Spitze und einer polirten Metallfläche stattfinden, so entstehen auf der letzteren mehrere gefärbte concentrische Kreise, die Priestley'schen Ringe, durch Oxydation des Metalls.

Die festen Bilder entstehen auf jeder Platte durch eine Reihe von Entladungen in abwechselnder Richtung, die nach Entstehung des vollkommenen Hauchbildes eine längere Zeit fortdauern.

Die elektrolytischen Bilder entstehen auf Papieren, die mit einer geeigneten zersetzbaren Flüssigkeit getränkt sind, durch eine Reihe von abwechselnd entgegengesetzten Entladungen, von welchen nur die Hälfte wirksam ist, bei welchen sich eine bestimmte Elektricitätsart auf das Papier entladet.“

(Die Fortsetzung folgt im nächsten Heft.)

|281|

France industrielle, 1841, No. 26; daraus im polytechn. Journal Bd. LXXXI S. 157.

|281|

Die erste Entdeckung und Darstellung der Moser'schen Bilder soll von ihm in einer besonderen Schrift veröffentlicht worden seyn, die mir nicht vorliegt: Was hier, sowie im weiteren Verlauf, besprochen ist, findet sich in einzelnen Abhandlungen des Entdeckers in Poggendorff's Annalen Bd. LVI S. 177 „über den Proceß des Sehens und die Wirkungen des Lichts auf alle Körper“; Bd. LVII S. 1 „über das Latentwerden des Lichts“; Bd. LVIII S. 105 „über die Verschiedenheit der Licht- und Wärmestrahlen“; Bd. LIX S. 155 „über die sogenannten Wärmebilder.“

|282|

Poggendorff's Annalen Bd. LVII S. 492, Bd. LVIII S. 115 u. Bd. LX S. 1.

|284|

Comptes rendus de l'Académie de France, 1843.

|284|

Poggendorff's Annalen Bd. LVIII S. 592.

|284|

Poggendorff's Annalen Bd. LX S. 40 enthalten eine Erwiederung Moser's an die HHrn. Fizeau und Daguerre, welche jedoch von dem letzteren nur einen, so vereinzelt wenig verständlichen Versuch bespricht.

|284|

Von den §. 5 derselben an abgedruckt in Poggendorff's Annalen Bd. LXIX S. 1.

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