Titel: Alkalisirter Kautschuk von Gérard zu Grenelle (Seine).
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 154/Miszelle 10 (S. 78–79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj154/mi154mi01_10

Alkalisirter Kautschuk von Gérard zu Grenelle (Seine).

Der sogenannte vulcanisirte Kautschuk besitzt bekanntermaßen eine sehr große und starke Elasticität, wird von Säuren, fetten Körpern, ätherischen Oelen etc. nicht angegriffen, erhärtet nicht in der Kälte und bleibt immer elastisch. Trotz des allgemeinen Gebrauches, welchen ihm diese Eigenschaften sicherten, gibt es doch Fälle, wo seine Anwendung kein befriedigendes Resultat liefert.

Wird nämlich der vulcanisirte Kautschuk über 125° C. erhitzt, oder in Berührung gebracht mit Wasser oder Wasserdampf von einem höheren Wärmegrad als diesen, so erhärtet er allmählich, wird verbrechlich und bildet mit der Zeit einen trockenen, zerreibbaren, der Brodkruste nicht unähnlichen Körper ohne Elasticität, welcher mit dem Kautschuk nur noch den Namen gemein hat.

Hrn. Gérard ist es nun gelungen, einen Kautschuk herzustellen, der nicht nur die gewöhnlichen Eigenschaften des vulcanisirten in sich vereinigt, sondern auch die Fähigkeit hat, selbst unter einer bis 150 und 160° C. steigenden Temperatur allen nachtheiligen Veränderungen zu widerstehen; ja er vermag sogar einen noch höheren Wärmegrad zu ertragen und ist bei weitem stärker und zäher, als der im Gebrauche stehende vulcanisirte Kautschuk. Er eignet sich deßhalb ganz vorzüglich zur Verfertigung von Ventilen an Dampfmaschinen und ersetzt vollkommen die Mennige beim Zusammenfügen von Röhren oder Apparaten, welche einer hohen Temperatur und starkem Drucke unterworfen sind.

Dieses neue Product wird auf folgende Weise erlangt:

Man nehme gleiche Theile pulverisirte Kohle und Gyps und calcinire dieselben stark in einem bedeckten Schmelztiegel; hierauf mische man zwei Theile des Residuums zu vier Theilen Kautschuk und füge, wenn eine besonders kräftige und widerstandsfähige Masse erzeugt werden soll, überdieß noch zwei Theile gelöschten oder caustischen Kalk hinzu. Das Ganze wird während 3 und 4 Stunden bis zu 150° C. erhitzt.

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Zu demselben Zwecke kann auch mit gleichem Erfolge schwefelsaurer Baryt angewendet werden.

Mischt man 25 Theile saures schwefelsaures Kali oder andere alkalische Schwefelverbindungen zu 50 Theilen Kalk und 100 Theilen Kautschuk, so gewinnt man ein Product, das gleichfalls eine hohe Temperatur aushält, etwas weich ist und eine außerordentliche Elasticität und Geschmeidigkeit zeigt.

Eine nicht ganz so widerstandsfähige Masse läßt sich bereiten durch Mischung von 50 Theilen Kalk, 5–10 Theilen Schwefel mit 100 Theilen Kautschuk. (Armeng. Génie indust., April 1859, S. 193, durch die gemeinnützige Wochenschrift.)

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