Titel: Ueber die Gasretorte von Rotch.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 154/Miszelle 4 (S. 74–75)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj154/mi154mi01_4

Ueber die Gasretorte von Rotch.

Die dem Genannten in England patentirte Verbesserung an den gewöhnlichen Gasretorten besteht darin, daß das Gas nicht, wie bisher, aus dem vorderen, sondern aus dem hinteren, heißesten Ende der Retorten fortgeführt wird. Im vorderen, nie vollständig erhitzten Theile entwickeln sich vorzüglich die dampfförmigen Kohlenwasserstoffe, |75| welche den Theer geben, im hinteren bilden sich mehr permanente Gase. Wenn man die Dämpfe nicht gleich unmittelbar nach ihrer Bildung durch die Steigröhre entweichen läßt, sondern sie zwingt, vorher die ganze Länge der Retorte, und somit auch den heißesten Theil derselben zu durchziehen, so werden auch die dampfförmigen Kohlenwasserstoffe größtentheils in permanente Gase verwandelt, und man erhält als Resultat mehr Gas und weniger Theer. Der Erfinder bringt zu dem Ende in dem oberen Theile der Retorte einen Canal an, der hinten offen ist, und vorn mit dem Steigrohre in Verbindung steht, der also hinten die Gase aufnimmt, sie nochmals der Länge nach durch die Retorte führt und sie dann vorn in die Steigröhre entweichen läßt. Es wird jedoch bemerkt, daß es im Wesentlichen die Dimension dieses Canals ist, wodurch sich die neue Erfindung von früheren ähnlichen unterscheidet. Für Newcastle-Kohlen soll der Querschnitt nicht über 3 bis 4 Quadratzoll betragen. Hat man einen Canal von 4 Quadratzoll Querschnitt und bemerkt, daß die Production von Theer noch nicht aufhört, so verengt man den Querschnitt noch weiter, indem man lose Eisenstangen einschiebt, bis man keinen Theer mehr erhält. Der Erfinder führt noch an, daß die Destillation nach seiner Methode weit rascher beschafft wird, wie bisher. Vierstündige Beschickungen erfordern nur eine mäßige Hitze; bei der gewöhnlichen Kirschrothglühhitze kann man 8 Füllungen in 24 Stunden abdestilliren. Nachdem man die Kohks aus der Retorte gezogen hat, muß man eine Stange durch den Canal führen, um den etwaigen Kohlenabsatz zu entfernen. (Journal für Gasbeleuchtung, 1859. Nr. 2)

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