Titel: Ueber das Steinbühler Gelb, eine neue Art Chromgelb; von Dr. L. Pappenheim.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 154/Miszelle 7 (S. 76–77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj154/mi154mi01_7

Ueber das Steinbühler Gelb, eine neue Art Chromgelb; von Dr. L. Pappenheim.

Unter dem in der Ueberschrift angegebenen Namen befindet sich seit einiger Zeit eine gelbe Farbe im Handel, die sicher ist, viele Gönner zu finden, obgleich ihr Preis weit höher, als der des gewöhnlichen Chromgelbs ist. Dieselbe ist prachtvoll gelb und sticht von den besten Sorten Chromgelb wesentlich ab. Sie ist pulverig, von geringem spec. Gewicht, verliert bei schwacher Glühhitze nicht an Gewicht, wird dabei vorübergehend rothbraun, gibt an Wasser einen Theil ab, ohne sich ganz darin zu lösen. In Salzsäure und Salpetersäure löst sie sich; wenn die Säure concentrirt aufgegossen wird, tritt ein leichtes Aufbrausen ein. Mit wenig Säure hergestellt, ist die Lösung etwas trübe, ohne jedoch bei der Filtration einen erheblichen Theil zurückzulassen. Mit Alkohol erhitzt, wird die salzsaure Lösung intensiv dunkelgrün; wird weiter Alkohol und dann Schwefelsäure zugesetzt, so tritt eine weiße Fällung ein. Gypslösung fällt die salzsaure Lösung der Farbesubstanz nicht, Schwefelsäure thut dieß mit und ohne. Alkoholzusatz. Die salpetersaure Lösung der Farbesubstanz wandelt ihre rothgelbe Farbe durch Erhitzen mit Weingeistzusatz in schönes Blau um. Wird der verdünnten salpetersauren Lösung essigsaures Blei zugesetzt, so tritt ein schwerer Niederschlag von der Farbe des chromsauren Bleies ein. Wurde Bleiüberschuß zugegeben, abfiltrirt, der Bleiüberschuß und der Kalk durch Schwefelsäure ausgefällt, Alkohol zugesetzt, abfiltrirt, eingedampft, so ergeben größere Mengen einen Rückstand, der, in Wasser gelöst, mit Platinchlorid unter Salzsäurezusatz die Oktaeder von Kaliumplatinchlorid gibt. Talkerde oder andere Basen als Kalk und Kali ergab die Untersuchung nicht. Von Säuren war außer der nach dem Vorhergehenden unzweifelhaft vorhandenen Chromsäure nur noch Schwefelsäure in geringer Menge vorhanden.

Als der Verf. eine heiß gesättigte Lösung von saurem chromsaurem Kali mit gesättigter Chlorcalciumlösung zusammen mischte, resultirte ein Niederschlag, der, ausgewaschen und getrocknet, von dem Steinbühler Gelb nicht zu unterscheiden war.

An destillirtes Wasser gab die Farbsubstanz 3,1 Proc. nach kurzer Berührung ab. Das gelbe Filtrat gab mit salpetersaurem Silber die rothe Fällung von chromsaurem Silber, das sich nach Zusatz einiger Tropfen Salzsäure schnell in weißes Chlorsilber umwandelte. Schwefelsäure und Alkohol bewirken in dem Filtrate eine starke Trübung. Mit reducirenden organischen Stoffen und Salzsäure gekocht, verliert das gelbe Filtrat seine Farbe, ohne jedoch mehr als einen Stich ins Grünliche anzunehmen. Essigsaures Blei fällt das gelbe Filtrat mit der Farbe des chromsauren Bleies. Platinchlorid trübt das ursprüngliche Filtrat sehr schwach. Auch nach 16 Stunden setzt sich kein Niederschlag ab.

Das Steinbühler Gelb ist sonach qualitativ aus Chromsäure, Kalk und Kali zusammengesetzt, und gibt an kaltes Wasser nach kurzer Berührung chromsauren Kalk ab.

Die Giftigkeit der Chromsäure und der zur Lösung kommenden Salze derselben, und der Umstand, daß die Farbe, wenn auch nicht bedeutende, so doch immer merkliche |77| Mengen Chromsäure an kaltes Wasser schon in Lösung gibt, lassen das Steinbühler Gelb als eine höchst gefährliche Farbensubstanz erscheinen, an deren Verwendung für die Zwecke der Conditoren und ähnlicher Gewerbe nicht gedacht und vor der nicht genug gewarnt werden kann. (Monatsbl. d. Gewerbevereins zu Köln, Mai 1859.)

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