Titel: Ueber die Anwendung der Locomobilen im Tarnowitzer Bergamtsbezirk in Schlesien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 154/Miszelle 1 (S. 153–154)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj154/mi154mi02_1

Ueber die Anwendung der Locomobilen im Tarnowitzer Bergamtsbezirk in Schlesien.

Im Wesentlichen bestehen diese Locomobilen aus einem auf zwei starke Lagerbalken der Länge nach aufgeschraubten, nach Art der Locomotivdampfkessel eingerichteten Kessel mit vielen Feuerröhren, auf welchem ein oder zwei liegende Cylinder mit den Steuerungsvorrichtungen, der Gradführung der Kolbenstange und sonstigem Zubehör an gußeisernen Ständern befestigt sind. Mit dem Kopfe der Kolbenstange ist die Bleuelstange verbunden, welche mittelst eines Krummzapfens ein kleines Schwungrad treibt, deren bei zwei Cylindern auch zwei auf einer gemeinschaftlichen Welle sitzen. Die beiden Lagerbalken ruhen bei der Fortschaffung der Maschine mittelst zweier quer darunter befestigter Achsen auf vier gußeisernen Rädern, bei der Aufstellung befestigt man sie auf einem aus Balken gebildeten Fundamente mittelst Schrauben, welche sich nachher leicht wieder lösen lassen.

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Eine Locomobile zur Förderung heißt ein Dampfhaspel und befindet sich ein solcher auf dem Urbanusschachte bei Gottessegengrube im Tarnowitzer Bergamtsbezirke. Auf der Schwungradwelle befindet sich eine Riemenscheibe, welche vermittelst eines Riemens ohne Ende eine über dem Schachte hängende Scheibe in Bewegung setzt, auf deren Welle ein kleines Trieb sitzt, welches ein Stirnrad mit einem auf derselben Welle befindlichen, kleinen Göpelkorbe treibt. Das unvermeidliche Gleiten des Riemens ist ein großer Nachtheil und macht diese Construction nicht sehr empfehlenswerth.

Will man die Locomobilen zur Wasserhebung anwenden, so bewegt man das Kunstkreuz über dem Schachte durch Zugstangen, welche durch eine Kurbelwarze, die sich am Schwungrade der Dampfmaschine befindet, bewegt werden. Vor einigen Jahren wurde eine solche Maschine von 12 Pferdekräften auf der Quintoforogrube im Tarnowitzer Bergamtsreviere aufgestellt. Sie hatte zwei Dampfcylinder von 8 Zoll Kolbendurchmesser, welche rechts und links an dem Kessel angebracht waren, einen Kolbenhub von 2 Fuß, machte 30 Hübe in der Minute und hob die Grundwasser aus 7 Lachter Tiefe mittelst einer Hubpumpe. (v. Carnall's Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen in dem preußischen Staate.)

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