Titel: Badisch Roth, ein Farbstoff aus den Stengeln des Zuckersorgho gewonnen; von A. Winter in Mühlburg i. B.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 154/Miszelle 11 (S. 158–159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj154/mi154mi02_11
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Badisch Roth, ein Farbstoff aus den Stengeln des Zuckersorgho gewonnen; von A. Winter in Mühlburg i. B.

Es ist schon längere Zeit bekannt, daß die Pflanze Sorghum saccharatum, (Zuckermoorhirse) und deren Verwandte einen rothen Farbstoff enthalten; daß aber aus der ganzen Pflanze, und namentlich aus dem von Saft befreiten Stengel dieser schöne karminrothe Farbstoff gewonnen werden kann, ist die Erfindung des Verfassers, welcher nach vorgängiger Prüfung derselben Patente dafür im Großherzogthum Baden, in den k. k. österr. Staaten u.s.w. erhielt, und sich erlaubt in Folgendem eine kurze Beschreibung seines Verfahrens und der Eigenschaften des neuen Stoffes zu geben, dessen Darstellung besonders da mit großem Vortheil wird geschehen können, wo schon Etablissements zur Verarbeitung des Sorgho auf Zucker oder Spiritus bestehen, da derselbe unter gewissen Umständen noch aus den Abfällen gewonnen werden kann.

Im Wesentlichen gehe ich auf folgende Weise zu Werke. Die entblätterten Stengel des Sorgho, welcher nicht vollständig reif zu seyn braucht, werden mittelst einer starken Rappe gerappt und ausgepreßt; oder aber man läßt die Stengel durch ein System von Walzen gehen, um den Saft, welcher Zucker oder Branntwein gibt, so vollständig als möglich zu gewinnen. Jene Preßrückstände, oder die auf letztere Art entsafteten Stengel werden unter Dach auf regelmäßige einige Fuß hohe Haufen gesetzt und deren schnell eintretende Gährung durch stärkeren oder verminderten Luftzutritt, auch wohl Umarbeiten, so geleitet, daß keine zu starke Erhitzung und in Folge dessen Faulgährung eintritt. Wenn der Gährungsproceß gut verlief, so ist die Masse in circa 14 Tagen durch und durch roth bis rothbraun geworden. Es ist nun Zeit die Gährung der Stengel durch Trocknen zu unterbrechen. Nach vollständigem Trocknen werden sie auf einer Mühle gemahlen oder sonst zerkleinert, was zur Extraction des Farbstoffs erforderlich ist.

Um nun aus diesem Material den Farbstoff darzustellen, übergießt man dasselbe mit kaltem Flußwasser und läßt es 12 Stunden stehen. Es löst sich nur wenig Pigment von trüber Färbung. Die so gewaschene und ausgepreßte Masse wird nun mit caustischer Natron- oder Kalilauge von geringem specifischem Gewicht so lange behandelt, bis nichts mehr aufgelöst wird. Ist die Lösung hierauf mit Schwefelsäure sorgfältigst neutralisirt, so scheidet sich nach wenigen Minuten der Farbstoff in rothen Flocken als Niederschlag aus, welcher mit Flußwasser auszuwaschen ist, dann auf dem Filter gesammelt und zur Aufbewahrung getrocknet wird.

Der so fast rein erhaltene Farbstoff löst sich leicht in Weingeist (wahrscheinlich auch in Holzgeist), alkalischen Laugen, in verdünnten Säuren u.s.w., und bedient man sich zum Rothfärben und Bedrucken der Seide und Wolle der gewöhnlichen Zinnbeizen. Ich habe die damit erzeugten Farben sehr haltbar gefunden, indem sie weder durch Sonnenlicht noch beim Waschen mit warmer Seifenlösung Veränderung erlitten.

Neuesten Nachrichten zufolge soll in China, woselbst die Sorghopftanze in größtem Maaßstabe cultivirt wird, die Bereitung dieser Farbe bekannt seyn und dieselbe vielfältige Anwendung finden. Es steht zu erwarten, daß dieß letztere auch bei uns bald der Fall seyn werde und dürfte die Wichtigkeit des neuen Productes groß genug werden, selbst wenn es nichts weiter als eines oder das andere der ordinären Rothhölzer zu ersetzen im Stande wäre, da ein badischer Morgen Land 20 bis 25 Centner trockenes Sorghofarbholz zu produciren vermag. (Allgem. deutscher Telegraph, 1859, Nr. 22.)

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