Titel: Desinficirte Galle und Gallenseife; nach Gagnage in Paris.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 154/Miszelle 12 (S. 159–160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj154/mi154mi02_12

Desinficirte Galle und Gallenseife; nach Gagnage in Paris.

Die Rindsgalle wird bekanntlich zum Ausmachen von Fettflecken angewendet und ist dazu vorzüglich geeignet, bietet aber den Uebelstand dar, daß sie unangenehm riecht und leicht faulig wird und daß alsbald viele Maden darin entstehen. Gagnage |160| hat nun ein Verfahren erfunden, der Galle ihren Geruch zu entziehen und zu verhindern, daß sie in Fäulniß übergeht. Dieses Verfahren wird in der Parfümeriefabrik von Pissaud und Meyer in Paris (Rue St. Martin Nr. 298) im Großen ausgeführt. Gaultier de Claubry gibt folgende Beschreibung des Verfahrens, so wie er es in dieser Fabrik ausgeführt gesehen hat.

120 Gallenblasen wurden geöffnet und ausgedrückt, wodurch man 35 Liter Galle erhielt. Auf 32 Liter derselben goß man 225 Grm. Essigäther (was auf 1000 Theile Galle circa 7 Theile ausmacht) und rührte einige Augenblicke um. Beim Austritt aus der Blase verbreitete die Galle einen starken Geruch und es waren viele Maden darin. Nachdem sie mit Essigäther zusammengebracht war, verlor sie den Geruch alsbald und die Maden starben und schwammen nachher auf der Oberfläche, so daß man sie leicht absondern konnte. In der Fabrik standen Fässer mit so behandelter Galle, die schon alt, aber durchaus nicht faulig geworden war. Nach Verlauf einer gewissen Zeit bildet sich ein schwacher Niederschlag, den man leicht durch Decantiren absondert. Die Galle büßt durch diese Behandlung nichts an ihrer Güte ein, wie daraus hervorgeht, daß Personen, welche sich mit dem Ausmachen von Flecken befassen, diese desinficirte Galle gern anwenden, und gefunden haben, daß sie und die nachstehend erwähnte Gallenseife die sogenannte Panama (unter welchem Namen man die Rinde von Quillaya saponaria, welche Saponin enthält, versteht) dabei mit Vortheil ersetzen können.

Um auch die Gallenblasen zu verwenden, kocht man sie, nachdem man sie vorher gewässert hat, gewöhnlich mit Wasser, wodurch das Fett ausgeschmolzen wird. Gagnage behandelt sie dagegen, nachdem er sie in grobem Salz aufbewahrt hat, mit caustischer Lauge und erzeugt dadurch eine Art von Seife. Die desinficirte Galle verwandelt sich auch in Seife, wenn man sie mit caustischer Lauge behandelt, aber das so erhaltene Product ist nicht so brauchbar als dasjenige, welches man erhält, indem man 1 Theil Harz- oder Talgseife in 1/2 Theil desinficirter Galle schmelzt. Dieses neue Product ist zum Ausmachen von Fettflecken sehr nützlich, da es ebenso wie die Galle selbst wirkt und bequemer zu handhaben ist, weil es nicht fließt und mit Leichtigkeit nur in solcher Menge, als nöthig ist, auf das Zeug gebracht werden kann, während man von der flüssigen Galle leicht zu viel nimmt. Diese Gallenseife kann aber natürlich bei Farben, welche die Seife nicht vertragen, nicht angewendet werden. (Aus dem Bullet. de la Société d'Encour., durch das polytechnische Centralblatt, 1859 S. 1307.)

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