Titel: Ueber Drahtseilschmiere; von B. G. Müller.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 154/Miszelle 3 (S. 155–156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj154/mi154mi02_3

Ueber Drahtseilschmiere; von B. G. Müller.

Zu den mancherlei beim Bergbau verwendeten Dingen, denen nur zu häufig eine sehr oberflächliche Aufmerksamkeit geschenkt wird, gehört die Drahtseilschmiere, obwohl unter diesem Namen mitunter Präparate im Handel erscheinen oder Substanzen als solche verwendet werden, die eher alles Andere bewirken, als das, was von einer Drahtseilschmiere verlangt wird.

Die Anforderungen, die man an eine gute Drahtseilschmiere zu machen berechtigt ist, sind bekanntlich folgende:

1) soll dieselbe den Drahtseilen oder den sonst damit bestrichenen Metalltheilen als Ueberzug dienen, der die Einwirkungen der Luft und Feuchtigkeit von der metallischen Oberfläche abzuhalten im Stande ist und sie daher vor der Oxydation, dem Rosten, schützt;

2) soll dieselbe beim Uebergehen des Drahtseiles über die Seilscheiben die Reibung möglichst vermindern, und in diesem Falle als wirkliche Schmiere dienen.

Um dem ersten Punkte zu genügen, muß die Drahtseilschmiere consistent genug seyn, um nicht bei gewöhnlicher Temperatur vom Seile abzutropfen und dadurch die Metallflächen theilweise bloßzulegen; sie darf aber namentlich auch keine Bestandtheile enthalten, welche an sich dem Drahtseile nachtheilig werden können.

Wegen des zweiten Punktes muß sie außer der gehörigen Consistenz hinreichende Fettigkeit besitzen; vor allem darf sie nicht pechartig kleben oder bei längerem Gebrauch stark eintrocknen.

Einer der am häufigsten aus falscher Sparsamkeit stattfindenden Mißgriffe ist die Verwendung des gewöhnlichen Holz- oder Steinkohlentheeres als Drahtseilschmiere. Abgesehen von der meist zu dünnen Consistenz dieser Theerarten, vermöge welcher dieselben sehr zum Abtropfen vom Seile geneigt sind, ist es namentlich der Gehalt an wässerigen Bestandtheilen, welcher die größten Nachtheile bringt. Der Steinkohlentheer, wie ihn die Gasanstalten liefern, enthält gewöhnlich 10–15 Proc. Wasser, welches mit dem bei der trockenen Destillation der Steinkohlen entstehenden Ammoniak gesättigt ist. Das Ammoniak, theils als kohlensaures und ätzendes, theils als Schwefel- und Cyan-Ammonium vorhanden, verursacht aber schon in sehr geringer Quantität ein starkes Rosten aller Eisentheile, welches durch das vorhandene Wasser noch unterstützt und beschleunigt wird. Durch das schon erwähnte leichte Abtropfen des Steinkohlentheers vermindert sich die zum Schutze des Drahtseiles dienen sollende Decke bald in einem Grade, daß der Zutritt der Luft kaum mehr ein großes Hinderniß findet und also auch dieses Agens Theil an der Zerstörung der Drähte nehmen kann. Wurde Holztheer angewandt, so ist die Sache eher verschlimmert; statt des Ammoniakwassers des Stinkohlentheers enthält dieser die gleiche Menge Holzessig mechanisch beigemengt, und es ist wohl kaum nöthig näher auszuführen, wie dieser Gehalt an Essigsäure ebenso nachtheilig und zerstörend wirken muß, als der Ammoniakgehalt des Steinkohlentheeres.

Zur Darstellung einer guten, den oben namhaft gemachten Anforderungen entsprechenden Drahtseilschmiere verfahre man, wie folgt:

Man nehme 100 Pfund Steinkohlentheer in einen eisernen Kessel und erhitze denselben langsam bis zum Sieden, in welchem Stadium man ihn so lange erhält, als noch Wasserdämpfe daraus entweichen, wozu ungefähr eine halbe bis ganze Stunde erforderlich seyn wird. Hat man ein hochgradiges Thermometer zur Hand, so gibt die Temperatur den besten Anhaltspunkt. Bei 120° C. ist alles Wasser verkocht; man entfernt den Kessel vom Feuer und läßt den Inhalt auf 80–90° abkühlen, worauf man 15–20 Pfund Talg zusetzt, den man nach dem Schmelzen gut mit dem ausgekochten Theer verrührt.

Die erkaltete Masse ist die Drahtseilschmiere. Dieselbe ist ammoniak- und säurefrei, weil das verflüchtigte Wasser das Ammoniak und die Säure mit fortgenommen |156| hat; sie ist hinreichend fettig und consistent, trocknet bei gewöhnlicher Temperatur nicht ein, und wird überhaupt allen zu stellenden Anforderungen genügend entsprechen. (Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1859, Nr. 40.)

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