Titel: Indigo, ein Mittel zur Entdeckung von Trauben- und Fruchtzucker; von Dr. E. Mulder.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 154/Miszelle 9 (S. 158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj154/mi154mi02_9

Indigo, ein Mittel zur Entdeckung von Trauben- und Fruchtzucker; von Dr. E. Mulder.

Trauben- und Fruchtzucker besitzen die Eigenschaft, bei Anwesenheit von Alkalien, das Indigblau in Indigweiß zu verwandeln. Löst man eine der beiden Zuckersorten in Wasser auf, setzt man Indigo zu und darauf Potasche oder Soda, so wird der Indigo, schneller noch durch Erwärmen, doch auch bei gewöhnlicher Temperatur in Indigweiß verwandelt, welches in Alkalien auflöslich ist. Dasselbe ist der Fall, wenn man statt Wasser Alkohol anwendet; nur setzt sich dann der Indigo nach der Verwandlung bei Zutritt der Luft nicht in amorphem, sondern in krystallisirtem Zustande ab, und geht die Verwandlung schneller von statten. Gebraucht man eine Auflösung von Indigo in Schwefelsäure und nicht Indigo in Pulverform, dann besitzt man darin ein Mittel, um die geringsten Antheile Trauben- und Fruchtzucker aufzufinden.

Indessen muß bei Anwendung von schwefelsaurer Indigolösung die Flüssigkeit alkalisch reagiren, wenn der Versuch gelingen soll. Die Indigolösung wird nicht allein leicht verwandelt, der Indigo wird auch oxydirt, durch Aetzkali oder Natron wird sie ganz oder theilweise zerlegt. Im ersteren Falle erhält die Auflösung eine gelbe Farbe, welche nach Sättigung mit einer Säure wieder blau wird, wenn die Auflösung nicht vorher erwärmt ist; im zweiten Falle besitzt die Auflösung eine grüne Farbe, welche selbst bei mäßigem Kochen nicht verändert wird. Fügt man der Indigolösung im Ueberschuß kohlensaures Kali oder Natron hinzu, dann bleibt die blaue Farbe selbst nach dem Kochen fast unverändert.

Sowohl die grüne als blaue Lösung geben eine äußerst empfindliche Reaction auf Trauben- und Fruchtzucker. Die erstere übertrifft die zweite an Empfindlichkeit, und doch geben wir letzterer den Vorzug. Beim Aufsuchen von Trauben- oder Fruchtzucker handelt es sich nicht um Körper, welche andere Körper leicht zerlegen. Dieses ist jedoch der Fall bei der grünen Indigolösung, weßhalb sie minder als Reagens auf Trauben- oder Fruchtzucker zu empfehlen ist, als die blaue. Als Beweis, daß dieses bei der blauen Auflösung nicht der Fall ist, möge der Umstand dienen, daß diese selbst nach längerem Kochen nicht im Stande ist, Rohrzucker zu zerlegen; bringt man indeß in die Auflösung eine Spur von Traubenzucker, so findet die Zerlegung unmittelbar darauf statt. Dagegen wird die grüne Auflösung durch Rohrzucker zerlegt. (Archiv der Pharmacie Bd. CXLV S. 268.)

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