Titel: Verfahren bei der Anfertigung von Gegenständen aus gehärteter Kautschuk- oder Gutta-perchamasse; von C. Cowper.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 154/Miszelle 11 (S. 236–238)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj154/mi154mi03_11

Verfahren bei der Anfertigung von Gegenständen aus gehärteter Kautschuk- oder Gutta-perchamasse; von C. Cowper.

Nach dem gewöhnlichen Verfahren, harte Kautschuk- oder Gutta-perchawaaren anzufertigen, bringt man die welche, aus Kautschuk oder Gutta-percha mit Schwefel und anderen Stoffen bestehende Masse zwischen Blätter von Zinnfolie und preßt sie in Formen von Messing oder einem andern Material, bevor man sie der Wirkung der Hitze aussetzt. Bei Gegenständen, die nicht mehr als 3/16 Zoll dick sind, ist dieses Verfahren ausreichend; dickere Gegenstände, die convex, concav oder überhaupt von krummer Oberfläche sind, können aber nach demselben nicht leicht fehlerfrei hergestellt werden, sondern verziehen sich und werden mehr oder weniger mißgestaltet, so daß man oft viel Arbeit anwenden muß, um sie verkäuflich zu machen. Um diesen Uebelständen abzuhelfen, hat man die Zinnfolie durch Zinnblech ersetzt, wodurch in der That das Werfen und Verziehen der Masse verringert wird, wobei aber die Gegenstände immer noch mit rissiger, rauher, unscheinbarer Oberfläche erhalten werden. Um diese Gegenstände verkäuflich zu machen, muß man sie durch Feilen, Raspeln, Glätten etc. noch weiter zurichten, was viel Arbeit verursacht. Die Anwendung der |237| harten Kautschuk- und Gutta-perchamasse ist deßhalb bisher hauptsächlich auf dünnere Gegenstände, auf hohle Waaren, und auf Artikel, die entweder kein schönes Ansehen zu haben brauchen oder bei denen es auf den Preis nicht ankommt, beschränkt gewesen. Diese Masse eignet sich aber vorzüglich für mancherlei Gegenstände; z.B. für Hefte zu Messern und Gabeln, Stockknöpfe, Peitschenstöcke, Regenschirmstöcke, Fenster- und Thürgriffe etc., und kann nach Cowper mit Vermeidung der vorerwähnten Uebelstände in folgender Art verarbeitet werden.

Die Kautschuk- oder Gutta-perchamasse wird zunächst in gewöhnlicher Manier zubereitet, so daß sie nachher gehärtet werden kann, und dann in die Form gebracht, die entweder aus Eisen oder Messing gegossen oder in Zinn gepreßt ist. Sie wird dann 1/2 bis 3 Stunden lang der Einwirkung von Dampf, heißer Luft oder einer anderen Wärmequelle ausgesetzt) die Dauer dieser Erhitzung hängt von dem Gehalt an Schwefel und anderen Umständen ab. Wenn die Masse auf 1 Pfund Kautschuk 1/2 Pfund Schwefel enthält und die Hitze 290 bis 300° F. (143 bis 149° C.) beträgt, muß die Erhitzung (bei welcher die Masse in der Form bleibt) etwa eine Stunde dauern. Wenn die Masse weniger Schwefel enthält oder ein geringerer Wärmegrad angewendet wird, so muß die Erhitzung verhältnißmäßig länger fortgesetzt, im entgegengesetzten Fall dagegen abgekürzt werden. Nach genügender Erhitzung wird die Form von dem Gegenstande, welcher sich nun in einem theilweise gehärteten Zustande befindet, abgenommen. Man bessert denselben dann aus, indem man alle Blasen und Höhlungen an der Oberfläche mit einer Lösung von Kautschuk oder Gutta-percha befeuchtet, dann mit etwas von der ursprünglichen Masse ausfüllt und die Oberfläche glättet, und bringt ihn darauf wieder in die Form. Die Fugen der Form müssen dicht schließend gemacht werden, indem man Streifen von Kautschuk zwischen sie legt und sie dann fest zusammenschraubt. Der Gegenstand nebst der Form, worin er auf diese Art eingeschlossen ist, wird nun wieder 1/2 bis 3 Stunden lang der Hitze ausgesetzt, wodurch er weiter, aber immer nur erst theilweise gehärtet wird. Nachdem er erkaltet ist, wird er wieder aus der Form herausgenommen, und, sofern er noch nicht frei von Fehlern seyn sollte, abermals nachgebessert, worauf das Einschließen in die Form und das Erhitzen wiederholt wird. Wenn der Gegenstand keine Fehler mehr zeigt oder durch nochmalige Behandlung fehlerfrei geworden ist, bringt man ihn ohne die Form in einen Kasten oder sonstigen Behälter, in welchem die vollständige Härtung bewirkt wird. Der Kasten, welcher die zu härtenden Waaren enthält, wird hermetisch verschlossen und dann der Hitze ausgesetzt, bis die Waaren vollständig gehärtet sind, was 6 bis 8 Stunden dauern kann. Nach dieser Erhitzung und der dadurch bewirkten Härtung sind die Gegenstände fertig; sie besitzen nun sogleich eine schöne glatte Oberfläche und bieten überhaupt keine Fehler dar, sind jedoch etwas kleiner geworden als sie ursprünglich waren. In den meisten Fällen ist nur eine einmalige vorläufige Erhitzung mit darauf folgendem Ausbessern nöthig; es hängt dieß jedoch von der Gestalt und Dicke des Gegenstandes ab, und bei einiger Uebung gelangt man bald dahin, zu beurtheilen, ob das vorläufige Erhitzen und Ausbessern wiederholt werden muß. Gegenstände von geringer Dicke, wie z.B. Kämme, werden ebenfalls in der beschriebenen Art theilweise gehärtet und nachgebessert, dann aber wieder in die Form gebracht und in derselben dem Vulcanisirungs- oder Härtungsproceß unterworfen. Bei dickeren Gegenständen tritt die Zusammenziehung der Masse hauptsächlich bei der letzten Erhitzung ein, weßhalb solche dabei nicht mehr in der Form seyn dürfen.

Das vorstehend beschriebene Verfahren eignet sich besonders für Gegenstände mit glatter oder nur mit gröberen Verzierungen versehener Oberfläche. Wenn dagegen Artikel angefertigt werden sollen, deren Oberfläche feinere Verzierungen darbietet, verfährt man etwas anders, indem man 2 Formen anwendet, eine, durch welche dem Gegenstand seine Gestalt gegeben wird, und eine andere, durch welche die Verzierungen hervorgebracht werden. Die erstere Form benutzt man in der vorbeschriebenen Art, d.h. man erhitzt den Gegenstand darin und bessert ihn dann aus, so daß er die Hälfte bis Dreiviertel der Härte, welche ihm schließlich gegeben werden soll, erhält. Er darf dabei nur so hart werden, daß er bei mäßiger Pressung an seiner Oberfläche noch Eindrücke annimmt. Man nimmt ihn dann aus der ersteren Form heraus und bringt ihn in die zweite Form, auf deren innere Oberfläche die Verzierungen eingravirt oder sonst hervorgebracht sind. Die Theile dieser Form werden darauf durch Schrauben oder andere Mittel fest zusammengepreßt, so daß die Verzierungen auf |238| der Oberfläche des Gegenstandes eingedrückt werden. Die Fugen der Formtheile müssen dabei dicht zusammenschließen, was durch zwischengelegte Kautschukstreifen erreicht wird. Die Form mit dem darin befindlichen Gegenstand wird zuletzt der Hitze ausgesetzt, so daß der Gegenstand vollständig gehärtet wird und dabei zugleich die Verzierungen scharf und dauerhaft annimmt. (Patentirt in England am 14. October 1858 – Aus dem Repertory of Patent-Inventions, Juli 1859, durch das polytechnische Centralblatt, 1859 S. 1233.)

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