Titel: Schutzmittel gegen den Hausschwamm; von Jung, Chemiker und Inhaber der Farger-Hütte zu Farge.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 154/Miszelle 12 (S. 238–239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj154/mi154mi03_12

Schutzmittel gegen den Hausschwamm; von Jung, Chemiker und Inhaber der Farger-Hütte zu Farge.

Ueber die Entstehung des Hausschwamms sind die Meinungen sehr verschieden, und es gehört eine lebhafte Phantasie dazu, um eine Ursache aufzufinden, welche nicht schon in den Arsenalen der Bauschriften vertreten wäre. Weil bisher aber alle Erklärungen problematisch blieben, so will ich mich darauf beschranken, dasjenige mitzutheilen, was ich in dieser Sache praktisch erfahren und beobachtet habe. Mögen hiernach Andere weiter forschen. Ich habe in drei verschiedenen Gegenden, jedesmal etwa 90 bis 100 Meilen von einander entfernt. Bauten ausgeführt und gefunden, daß alle bis dahin angepriesenen Mittel nutzlos blieben; namentlich habe ich wahrgenommen, daß die Anwendungen von Kochsalz, so wie Salzsäure, total erfolglos bleiben, ja daß sogar auf die Dauer der Schwamm da, wo diese angewandt worden waren, weit heftiger auftrat. In der Provinz Pommern, besonders im Hofdistrict, gibt es Orte, wo kaum ein einziges Haus ohne Schwamm ist, und man findet, daß Gebäude, welche kaum 3 Jahre standen, im Holzwerk total durch Schwamm zerstört sind, wie dieß z.B. in Groß-Stebenitz in einem im Jahr 1852 erbauten Hôtel schon im Jahr 1855 der Fall war.

Ich habe nun zwei Methoden angewandt, welche sich insofern bewährt haben, als daneben und zu derselben Zeit, so wie mit demselben Material gebaute Gebäude bereits durch Schwamm zerfressen sind, während die nach meiner Angabe gebauten noch wohlbehalten, dabei aber auch trocken und gesund blieben. Nach der ersten Methode habe ich das Fundament, nachdem dasselbe ziemlich trocken war, mit einer Mischung aus Harz. Theer und Sand (im Verhältniß 4 : 1 : 8 zusammengeschmolzen) übergossen. Hierauf habe ich die inneren Räume, welche später gedielt werden sollten, mit Steinkohlenasche, Sand und zu Staub gelöschtem Kalk (Verhältniß 4 : 5 : 3), welches mit Wasser zu einem dicken Brei angerührt wurde, ausgefüllt und, nachdem die Füllung gut planirt worden, die Oberfläche mit möglichst trockenen Mauersteinen überlegt, wodurch nicht allein eine gerade Oberfläche gewonnen, sondern ein sehr schnelles Trocknen erzielt wurde, da die Mauersteine die Nasse mit großer Begierde anziehen, aus welchem Grunde ich auch in 8 Tagen die Lage Steine erneuern ließ, wobei, nachdem das Dach fertig, auch der Fußboden trocken war Nachdem nun der Platz fertig, Thüren und Fenster eingesetzt waren, wurde mit dem Dielen begonnen, da inzwischen der Fußboden steinhart geworden war. Ich wandte Unterlagen aus Fichtenholz an, welche jedoch zuvor genau abgerichtet und dann mit Chlorzinklösung imprägnirt waren, füllte sodann die Zwischenräume mit zu Staub gelöschtem Kalt und trockenem Sand (3 : 5) aus, worauf die Dielen gelegt wurden. Es hat sich bisher weder im Fußboden, noch an der Mauer Schwamm gezeigt, während das Nachbarhaus am Fußboden fast gänzlich zerfressen ist, trotzdem, daß sich sogar bei mir Keller unter einigen Zimmern befinden. Bei dem zweiten Verfahren habe ich das Fundament ebenso wie beim ersten behandelt, indessen an Stelle der Füllung mit Asche, Kalk und Sand in Breiform, diese Masse trocken mit einander vermengt und die Unterlagen so stark geröstet, daß sie der Rothkohle nahe waren und sich in Wasser nicht mehr ausdehnten, noch schwerer darin wurden, dann die Dielen auf der einen Seite glatt hobeln lassen und zweimal mit Harzöl, worin Steinkohlenpech geschmolzen wurde (5 : 4) überzogen. Das Legen geschah im Monat Juli 1853. Nach Mittheilungen von dort ist das Gebäude bis jetzt gut trocken und ohne Schwamm.

Das Darren der Unterlagen wird am besten in einer gewöhnlichen halbrunden Gasretorte vorgenommen; sind dieselben nicht lang genug, so schneidet man das |239| Holz kurz und verbindet es später wieder (man muß aber dann gerade auf den Stoßfugen eine etwas breite Diele wählen und bei großen Zimmern unter die Fugen Querlager, welche ebenfalls präparirt sind, legen). Da sich jetzt fast in jeder größeren Stadt Gasanstalten befinden, so würde man ohne große Kosten Holz gedarrt erhalten können. Das Verfahren dabei ist sehr einfach: man füllt die Retorten, indem man je nach Verhältniß 2 oder 3 Stücke neben einander legt, verschließt sie und feuert so lange, bis der aus dem Gasrohr entweichende Dampf brenzlich riecht; hierauf hemmt man das Feuer, macht die Retorte schnell auf und wendet die Hölzer um. In der Regel dauert es zwei Stunden für jede Fläche, alle 4 Seiten können also in 8 Stunden beschickt seyn. die letzten Seiten fangen schon in 3/4 Stunden an roth zu werden, also in Rothkohle überzugehen. Zur größeren Sicherheit überzieht man die Hölzer, so lange sie noch heiß sind, mit Harzöl und Pech in schon angegebener Art. Auf diese Weise präparirtes Holz hielt sich bis jetzt sogar unter einem Fußboden, welcher durch und durch mit Schwamm überfüllt war, nachdem man es durch eine angebrachte Oeffnung einbrachte und wieder verschloß.

Die dritte Methode ist folgende: Das Fundament wird überall wie bei 1 und 2 behandelt, die humushaltige Erde entfernt und der dadurch entstehende leere Raum mit recht trocknem Sande ausgefüllt. Hierauf schlägt man eine 4 Zoll starke Schicht fetten Lehm mittelst eines Schlagbretes fest, übergießt dieselbe mit Blut und läßt sie trocknen; dasselbe wiederholt man noch einmal. Nachdem die zweite Lage vollständig trocken ist, wird die ganze Fläche mit kieselsaurem Natron (Wasserglas) überzogen und während dieses noch nicht trocken ist, mit höchst feinem Ziegelmehl überstreut, dann werden gut lufttrockene Unterlagen, welche ebenfalls nach allen Seiten mit kieselsaurem Natron bestrichen sind, gelegt und der Zwischenraum unausgefüllt gelassen. Die Dielen werden nach der Innenseite ebenfalls mit obiger Masse bestrichen und bestreut, ja es ist zweckmäßig, auch die gespundeten Fugen während des Dielens (Fußbodenlegens) mit jener Masse zu bestreichen, indessen ist es nicht rathsam, auch hierbei Ziegelmehl anzuwenden. Das Fundament wird nach der Innenseite mit Cement geputzt und nachdem es trocken ist, mit Wasserglas überzogen.

Statt Nägel wendet man überall beim Bau mit großem Vortheil Drahtstifte an, welche mit Kupfer oder Zinn galvanisch überzogen sind, dieselben sind nicht so brüchig, halten besser, oxydiren sich nicht, und sind schließlich um 50 Procent billiger. Nach letzter Methode ist nach meiner Angabe unweit Pillau ein Bau genau ausgeführt. Derselbe steht jetzt 4 Jahre, es läßt sich freilich nur nach dem allgemeinen Verhalten hinsichtlich der Trockne annehmen, daß sich auch diese Methode bewährt.

Betrachtet man im Allgemeinen, wie lästig es ist den Schwamm im Hause zu haben, und nimmt Rücksicht auf die erheblichen fortwährenden Kosten, welche er durch Reparaturen veranlaßt, so sind diese Vorsichtsmaßregeln höchst geringfügig.

Noch wollte ich bemerken, daß es sich überall bewährt hat, da wo Keller unterm Wohngebäude erforderlich sind, das Gewölbe nach erfolgter Trockne mit künstlichem Asphalt zu übergießen; derselbe wird hergestellt, indem man 3 Theile Steinkohlentheer, 4 Theile Steinkohlenpech und 5 Theile trocknen Sand zusammenschmelzt, in welcher Form er zu diesem Behufe genügt. (Mittheilungen des hannoverschen Gewerbevereins, 1859 S. 90.)

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