Titel: Darstellung des Quercitrins und Quercetins, nach Dr. Friedrich Rochleder.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 154/Miszelle 7 (S. 234–235)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj154/mi154mi03_7

Darstellung des Quercitrins und Quercetins, nach Dr. Friedrich Rochleder.

Rochleder, welcher gefunden hat, daß, außer in Quercitron, in den Blättern der Raute, in den Kappern und den sogenannten chinesischen Gelbbeeren, auch in den Blättern und namentlich in den Blüthen der Roßkastanie Quercitrin enthalten ist, empfiehlt zur Darstellung desselben und des Quercetins aus der Quercitronrinde, welche immer noch das geeignetste Material bildet, folgendes Verfahren:

Die Rinde wird in einem Kessel mit so viel Wasser übergossen, daß es das Material einige Linien hoch bedeckt. Das Wasser wird zum Sieden erhitzt und die kochende Lösung durch Leinwand colirt, der Rückstand ausgepreßt. Das Decoct wird zum Erkalten hingestellt. Die einmal ausgekochte Rinde wird mit der gleichen Menge Wasser noch einmal ausgekocht. Das erste Decoct setzt eine nicht unbedeutende Menge von unreinem Quercitrin ab. Das zweite Decoct dagegen setzt wenig oder nichts mehr ab. Man sammelt das Quercitrin auf einem Filter von feiner Leinwand und läßt abtropfen. Das Filtrat wird mit Salzsäure versetzt, wodurch ein rehfarbiger Niederschlag in voluminösen Flocken entsteht, die sich bald unter Verminderung ihres Volumens zu Boden setzen. Man entfernt durch Filtriren den Niederschlag, erhitzt dieß Quercitrin haltende Filtrat unter stetem Umrühren im Wasserbade, so lange sich die Menge des sich abscheidenden Quercetins noch vermehrt, und filtrirt heiß durch Papier. Auf dem Filter bleibt Quercetin. Was sich später noch aus dem Filtrat absetzt, ist sehr wenig und sehr unrein, so daß es am besten weggeworfen wird.

Das unreine Quercitrin, sowie das unreine Quercetin, werden nun gereinigt durch Zerreiben mit wenig Weingeist von 35° B. und Erhitzen des Breies im Wasserbade. Die erhitzte Masse wird auf Leinwandfilter gebracht und nach dem Abtropfen der Flüssigkeit ausgepreßt. Eine kleine Menge von Quercetin oder Quercitrin und viel von Unreinigkeiten geht in den Weingeist über. Die ausgekochte Masse wird im siedenden Weingeist gelöst, die Lösung heiß filtrirt und derselben so lange siedendes Wasser zugesetzt, bis eine deutliche Trübung sich zeigt. Nach dem Abkühlen um einige Grade hat sich die Hauptmasse des Farbestoffs abgeschieden. Man sammelt denselben auf Leinwandfiltern und preßt ihn aus. Durch nochmalige Wiederholung des Verfahrens ist er beinahe vollkommen rein. Den Weingeist, welcher verbraucht |235| wurde, erhält man durch Abdestilliren der Mutterlaugen im Wasserbade größtentheils wieder. (Journal für praktische Chemie, Bd. LXXVII S. 37.)

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