Titel: Darstellung einer zu Kerzen geeigneten starren Fettsäure (Elaidinsäure) durch Einwirkung von Untersalpetersäure auf Oelsäure, nach Jacquelain.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 154/Miszelle 6 (S. 318–319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj154/mi154mi04_6

Darstellung einer zu Kerzen geeigneten starren Fettsäure (Elaidinsäure) durch Einwirkung von Untersalpetersäure auf Oelsäure, nach Jacquelain.

Das von Jacquelain angegebene Verfahren besteht im Wesentlichen darin, daß man Oelsäure, Talg oder irgend ein anderes, nicht trocknendes Fett mit Untersalpetersäure behandelt, um die Oelsäure in Elaidinsäure zu verwandeln. Die Untersalpetersäure erzeugt man durch Erhitzen von salpetersaurem Bleioxyd. was in einem emaillirten gußeisernen Cylinder geschehen soll. Auf 500 Kilogr. Oelsäure oder Talg wendet man diejenige Quantität Untersalpetersäure an, welche aus 7 Kilogr. getrocknetem salpetersaurem Bleioxyd entwickelt wird. Die Untersalpetersäure wird aus dem Cylinder durch ein bleiernes Rohr in das Fett geleitet, welches sich in einer mit Blei ausgefütterten Kufe befindet. Das Bleirohr breitet sich auf dem Boden der Kufe in einer Spirale aus, welche mit vielen kleinen Löchern versehen ist, durch welche die Untersalpetersäure austritt. Die Windungen dieser Spirale liegen abwechselnd mit denen eines andern spiralförmigen Bleirohrs (ohne Löcher), durch welches man Wasserdampf leitet, um das Fett flüssig zu erhalten. Man kann mehrere Kufen mit einander verbinden, indem man die Dämpfe von Untersalpetersäure, welche aus dem Fett der einen Kufe entweichen, in das in einer zweiten Kufe befindliche Fett leitet.

Wenn diese Behandlung mit Untersalpetersäure beendet ist, bringt man das Fett in die Formen, wo es erstarrt. War die angewendete Substanz Oelsäure, so hat man nun weiter nichts mehr zu thun, als das erstarrte Fett erst kalt und dann warm in einer hydraulischen Presse zu pressen. Wenn man aber Talg als Rohmaterial angewendet hat, so verseift man das Fett, nachdem die Behandlung mit Untersalpetersäure stattgefunden hat, in gewöhnlicher Manier durch Kalk und führt weiter alle die Operationen aus, welche bei der gewöhnlichen Stearinsäurefabrication vorkommen.

Zur Entwicklung der Untersalpetersäure, die zu diesem Verfahren nothwendig ist, können nur wasserfreie salpetersaure Salze verwendet werden. Der Patentträger benutzt, wie erwähnt, vorzüglich salpetersaures Bleioxyd; es ist aber auch entwässertes salpetersaures Kupferoxyd anwendbar. Beim Glühen dieser Salze bleibt Bleioxyd oder Kupferoxyd in dem Cylinder zurück. Aus diesen Oxyden erzeugt man immer wieder die salpetersauren Salze, indem man sie mit gewöhnlicher Salpetersäure, die mit etwas Wasser vermischt ist, befeuchtet und das Ganze in gelinder Wärme austrocknet.

In einem zweiten Patent vom Jahre 1854 bemerkt Jacquelain zunächst, daß er sich überzeugt habe, daß die Untersalpetersäure nur auf die Oelsäure, nicht auf die starren Fettsäuren wirke, und theilt dann nachstehende Modifikationen seines Verfahrens mit:

Auf 100 Kilogr. Oelsäure nimmt man 7 Kilogr. salpetersaures Bleioxyd oder die äquivalente Menge salpetersaures Kupferoxyd. Statt dieser salpetersauren Salze |319| kann man auch wasserfreien salpetersauren Kalk anwenden, was sogar sehr vortheilhaft ist. Es ist seit lange bekannt, daß die Kuchen der rohen, noch mit Oelsäure vermischten Stearinsäure schon durch bloßes kaltes Pressen ein reineres Product geben, wenn sie nicht zu hart sind und die Stearinsäure darin deutlich krystallisirt ist. Diese Erfahrung benutzend, hat der Patentträger gefunden, daß man aus der mit Untersalpetersäure behandelten Oelsäure leichter die erstarrte Fettsäure abscheiden und bleichen kann, wenn man das mit Untersalpetersäure behandelte Fett vor dem Pressen mit 1/4 seines Gewichts gewöhnlicher Oelsäure zusammenschmilzt. Man gießt diese Mischung in Formen, läßt sie gut erkalten und preßt die Masse dann zuerst kalt und dann warm zwischen Haartüchern in gewöhnlicher Manier aus.

Wenn man 100 Kilogr. geschmolzenen Talg mit Untersalpetersäure behandelt, sodann mit Kalk verseift und aus der Kalkseife die Fettsäuren wieder ausscheidet, so erhält man eben so viele Fettsäuren, als wenn man den Talg ohne vorausgegangene Behandlung mit Untersalpetersäure durch Kalk verseift, nämlich circa 96 Proc.; die Fettsäuren sind aber im ersten Falle weit härter als im letztern. Man muß daher im erstern Falle dem Product, welches zu hart ist, um mit Nutzen gepreßt werden zu können, vor dem Pressen 1/3 seines Gewichts Oelsäure hinzufügen.

Es versteht sich von selbst, daß bei der Behandlung des Talgs mit Untersalpetersäure das in demselben enthaltene Olein (Main) in Elaidin umgewandelt wird, woraus es sich erklärt, daß man bei der nachfolgenden Behandlung mit Kalk etc. weit mehr starre Fettsäure erhält, als wenn man ohne Anwendung von Untersalpetersäure bloß mit Kalk verseift. Am besten ist es aber, den Talg zunächst durch Kalk zu verseifen und die durch eine Säure aus der Kalkseife abgeschiedenen Fettsäuren mit Untersalpetersäure zu behandeln, worauf man sie mit 1/5 ihres Gewichts gewöhnlicher Oelsäure zusammenschmilzt und diese Mischung nach dem Erstarren erst kalt und dann warm preßt.

Der Patentträger führt zuletzt noch an, daß es ihm gelungen sey, den salpetersauren Kalk vollständig auszutrocknen, und daß solcher wasserfreier salpetersaurer Kalk das beste Mittel zur Entwickelung der Untersalpetersäure sey, da er einen durch Eisen nicht reducirbaren Rückstand lasse, aus welchem durch Zusatz von Salpetersäure immer wieder salpetersaurer Kalk erzeugt werden könne. Die Entwickelung der Untersalpetersäure aus salpetersaurem Kalk kommt weit wohlfeiler zu stehen als die aus salpetersaurem Bleioxyd, weil der salpetersaure Kalk bei gleichem Gewicht viel wohlfeiler ist, und weil man davon nur 19 Kilogr. nöthig hat, um die Quantität Untersalpetersäure zu erzeugen welche von 35 Kilogr. salpetersaurem Bleioxyd geliefert wird. (Aus dem Technologiste, durch das polytechnische Centralblatt, 1859 S. 1028.)

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