Titel: Ueber Schieferölgas.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 154/Miszelle 10 (S. 399–400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj154/mi154mi05_10

Ueber Schieferölgas.

Die ungünstigen Resultate, welche mit einigen der vorhandenen Apparate für Schieferölgas erzielt, und deren Ursachen meist in der Qualität des dazu gebrauchten Oels gesucht wurden, veranlaßten die Schieferölfabrik bei Reutlingen, selbst Versuche in der Sache zu machen.

In der Papierfabrik der HHrn. Schwarz u. Söhne in Salach bei Göppingen, in welcher zuerst ein Schieferölgasapparat (aus je zwei über einander liegenden Retorten mit Zwischenräumen bestehend, in deren untere das Gasöl in geringen Portionen geleitet wird, während man die Retorten in dunkler Rothglühhitze erhält) aufgestellt wurde, war seither zur Herstellung von 950 Kubikfuß Gas erforderlich an Material und Arbeit:

120 Pfd. Schieferöl à 11 fl. 30 kr. per 107 Pfd. 13 fl.
Holz 3/16 Klafter à 16 fl. per Klafter 3 fl.
Arbeit 1 fl.
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17 fl.

Der Grund der geringen Ausbeute an Gas ist der, daß die ohnehin kleinen Retorten, welche noch durch Zwischenräume in mehrere Fächer eingetheilt sind, nach Herstellung von 200 Kubikfuß Gas durch Rußabsatz sich so verstopften, daß die Arbeit unterbrochen werden mußte, um den Apparat wieder zu reinigen. Durch das Oeffnen des Deckels ging alles in der Retorte befindliche Oel. sodann noch viel durch den verhinderten Abfluß in die Retorte verloren, die Arbeit war durch die in Masse aus der Retorte dringenden Dämpfe, welche sich entzünden, und durch das mühsame Reinigen der Canäle eine höchst widerwärtige, und der Brennmaterialaufwand wurde durch die Unterbrechungen gesteigert.

Diesen Uebelständen ist nun durch Vereinfachung der Retorte gründlich begegnet. Diese besteht jetzt aus einer 7 Fuß langen, 1 Fuß weiten Röhre, welche behufs der Reinigung an beiden Enden geöffnet werden kann, und mit beiden Enden etwa 7 Zoll aus dem Ofen vorsteht; an dem einen Ende fließt das Oel zu, an dem |400| andern Ende ist die Abzugsröhre für das Gas angebracht; der mittlere Theil wird auf 5 Fuß Länge auf dunkler Rothglühhitze erhalten. Die Retorte bleibt ganz leer, indem keinerlei Wirkung von Ziegelstücken oder dergleichen wahrzunehmen war. Dieser Apparat gestattet ein ungestörtes Arbeiten, wodurch aller Verlust vermieden und der Aufwand an Arbeit und Brennmaterial entsprechend geringer wird. Man erhielt mit ihm in der genannten Fabrik folgende Resultate:

Zu 950 Kubikfuß Gas sind erforderlich an Material und Arbeit

70 Pfund Schieferöl à 11 fl. 30 kr. per 107 Pfd. 7 fl. 30 kr.
Holz 3/32 Klafter à 16 fl. per Klafter 1 fl. 30 kr.
Arbeit 1/2 Tag à 1 fl. – fl. 30 kr.
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9 fl. 30 kr.

Die Herstellung von 1000 Kubikfuß Gas erfordert nach dem Anheizen 4 Stunden.

Der ganze Apparat unterscheidet sich von den gewöhnlichen Oelgasapparaten in nichts, ebenso besitzt das Schieferölgas alle Vorzüge des Oelgases, indem es zwei bis dreimal stärker leuchtet, als gewöhnliches Steinkohlengas; der Preis stellt sich jedoch 1 1/2mal billiger, als der des Oelgases. (Journal für Gasbeleuchtung, Juli 859, S. 225.)

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