Titel: Ueber ein neues Reagens auf Cellulose; von J. B. Batka.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 154/Miszelle 5 (S. 395–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj154/mi154mi05_5

Ueber ein neues Reagens auf Cellulose; von J. B. Batka.

Bei der Uebersetzung und Umarbeitung meiner Monographie der Chinarinden für die Universität in Athen hatte ich natürlich auch auf die neuen Reactionen Rücksicht genommen, welche seit jener langen Zeit inzwischen veröffentlicht worden sind, worunter die von Grahe (polytechn. Journal Bd. CL S. 120). ihrer Einfachheit wegen (durch Verkohlung eines Stückchens der Rinde, horizontal in einem Reagircylinderglase), meine besondere Aufmerksamkeit auf sich zog.

Ich habe diese Versuche wiederholt und sie theilweise bestätigt gefunden, indem ich sie noch weiter, auf Aesculin, Alizarin, Cumarin, Salicyl, auf Tannin- und Chinovasäure verfolgte, welche Substanzen, so wie die Säuren, die rothe Färbung für sich nicht geben, theilweise aber auch das Gegentheil bemerkt; besonders was die Erklärung Grahe's selbst betrifft, welche ausschließlich „der Gegenwart der organischen Säuren in den Chinarinden die Wirkung der schönen carminrothen Färbung“ zuschreibt, während ich, nachdem mir alle die angeführten Versuche mit Essigsäure nicht gelungen waren diesen Schluß in Zweifel zog und denselben einer Prüfung unterwarf. – Ich ließ nämlich den Dampf von China-, Chinova- und anderen organischen Säuren über Chinidin streichen, ohne die geringste carminrothe Reaction zu erhalten. – Hierauf machte ich einen anderen Versuch, indem ich ausgezogene Rückstände, von falschen Chinarinden, die keine Färbung gaben, mit Chinidin und Cinchonin vermischt der neuen Probe unterzog, und ganz schöne Färbung erhielt, und zwar nicht bessere durch Anwendung derselben Rinden in unausgezogenem |396| (rohem) Zustande. – Diese Versuche wurden mit Rinde von Cascarilla magnifolia, C. mariscarpa Weddel, ferner von Exortumma floribunda und Caribaea ausgeführt, was mich auf den Gedanken brachte, es ebenso mit Rinden aus anderen Familien, von Pinus, Quercus, Fagus zu versuchen, die mir ebenfalls gelangen, und mich somit ermuthigten, es ferner mit säurefreien Sägespänen (aus Kiefernholz) zu versuchen, welche ein überaus überraschendes Resultat gebend mich nun zur vollkommenen Ueberzeugung brachten, daß es weder die Organisation der Chinarinden, noch weniger aber die darin enthaltenen organischen China-, Chinovasäure etc. sind, sondern die Cellulose es ist, welche die so schöne carminrothe Färbung mit den Chinabasen gibt.

Den Beweis herzustellen gelang mir auf die vollständigste Weise, indem ich die reinste Cellulose, schwedisches Filtrirpapier, mit Chinidin, Cinchonin, Cinchonidin, und Chinin verbrannte, und die schönsten Reactionen damit erhielt. – Ebenso überraschende Resultate gaben die Kohlenhydrate: Amylum, Dextrin, Gummi und Zucker, und so haben wir durch diese Entdeckung nicht nur ein neues Reagens auf trockenem bequemen Wege auf Cellulose, sondern auch auf ihre Derivate, außerdem aber auch eine neue Anschauung gewonnen, nämlich über die Constitution der Chinabasen in den Pflanzen selbst, die nach unserer Ueberzeugung nun nicht mehr als Salze, sondern als freie Amidverbindungen (zur Classe meiner Retinamide gehörig) in den Rinden präexistirend zu betrachten wären. (Vortrag bei der Naturforscher-Versammlung in Aachen 1845, und abgedruckt in den Verhandlungen der Leopold-Carolinischen Akademie 1850).

Auch mit Jaen-China, mit welcher Grahe angibt keine Reaction erhalten zu haben, habe ich jedesmal eine Reaction (wenn auch weniger reichlich als mit Loxa-China) erhalten.

Diese Versuche sind mit fein in Fäden geschnittenem schwedischen Filtrirpapier gemacht, das mit den Substanzen gut vermengt der Verkohlung unterworfen worden.

Alle Versuche mit Salzen der Chinabasen, selbst mit denen, welche organische Säuren enthalten, geben ohne Cellulose gar keine Reactionen und jedenfalls viel geringere mit Cellulose als die reinen Alkaloide, die schwefelsauren für sich allein aber nur grünliche Theerstreifen. Die Chinidin, Cinchonin gaben bei meinen Versuchen die schönsten Färbungen, weniger Chinin (vielleicht weniger chemisch rein?).

Bei der Verbrennung der Kohlenhydrate macht sich ein Geruch nach Cumarin merklich, der vielleicht von einer Benzoyl-Verbindung herrühren dürfte. (Chemisches Centralblatt, 1859, Nr. 55.)

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