Titel: Wiederherstellung beschädigter Briefe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 154/Miszelle 8 (S. 397)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj154/mi154mi05_8

Wiederherstellung beschädigter Briefe.

Alfred Smee, bei der Bank von England, gibt hierüber im Journal of the Soc. of Arts folgende Belehrung:

Viele Briefe sind von der indischen Post, als neulich der Northam verunglückte, in Folge der Einwirkung des Seewassers sehr beschädigt, ja theilweise völlig unlesbar abgeliefert worden. Ich habe mit Erfolg die Schrift von einem dieser Briefe durch ein Verfahren hergestellt, das meiner Meinung nach uralt und doch, wie ich überzeugt bin, unsern Kaufleuten und Bankiers völlig unbekannt ist.

Aufgefordert, dieses Verfahren zur Belehrung für sie zu veröffentlichen, habe ich nur zu bemerken, daß die Wiederherstellung einer also verwischten Schrift äußerst einfach ist.

Man überstreicht den Brief einmal leicht mit aufgelöster Salzsäure, von der Stärke, wie sie überall in einer Materialienhandlung oder Apotheke zu haben ist. Sobald das Papier völlig befeuchtet ist, überfährt man es noch einmal mit einer gesättigten Auflösung von Blutlaugensalz, worauf unmittelbar die Schrift in Berlinerblau zum Vorschein kommt. Bei der letzteren Operation darf man die Flüssigkeit nicht sparen und muß nur Sorge tragen, daß man beim Gebrauch des Pinsels oder Bürstchens die Oberfläche des Papiers nicht mit abreibt.

Zu diesem Resultat gelangt man in Folge einfacher chemischer Gesetze, indem das Eisen, welches sich in der Tinte befand, in der Faser des Papiers zurückblieb, und durch die Einwirkung von Blutlaugensalz bildet sich Berlinerblau, wobei der Gebrauch der Salzsäure einzig dazu dient, das Eisen für die Einwirkung des Blutlaugensalzes empfänglicher zu machen.

Man wäscht hierauf den Brief in reinem Wasser ab und trocknet ihn zuerst zwischen Fließpapier, hernach über dem Feuer; dann ist er auf das Comptoir tauglich.

Sollte der Brief von dauernderem Werthe seyn, so empfehle ich denselben sorgfältig mit einer Auflösung von Hausenblase, ehe er eingeheftet wird, zu bestreichen, ist aber das Papier sehr verdorben, so erfordert diese Operation große Vorsicht und sollte nicht eher vollzogen werden, als bis eine amtliche Abschrift oder Photographie davon genommen ist.

Wo das ganze Geschäft von Personen, die einige Kenntnisse von Chemie besitzen, verrichtet wird, läßt sich ein wenig Auflösung von rothem Blutlaugensalz der ersten beifügen, da in einzelnen Fällen die Farbe dadurch kräftiger wird. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1859, Nr. 46.)

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