Titel: Ueber die Wachsmilch und ihre Anwendung zum Poliren der Möbel und Fußböden und zur Bereitung von Wachspapier, von Prof. Dr. F. F. Runge.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 154/Miszelle 9 (S. 397–399)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj154/mi154mi05_9
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Ueber die Wachsmilch und ihre Anwendung zum Poliren der Möbel und Fußböden und zur Bereitung von Wachspapier, von Prof. Dr. F. F. Runge.

Man erhitzt 12 Loth Potasche mit 120 Loth Wasser bis zum Sieden und setzt unter Umrühren nach und nach 24 Loth gelbes Wachs hinzu. Es wird ein Aufbrausen von sich entwickelnder Kohlensäure entstehen. Ist dieß geschehen, so setzt man noch 120 Loth Wasser hinzu, und erhitzt so lange, bis Alles eine gleichartige Milch geworden ist. Diese wird dann in Flaschen, die man nicht ganz füllt, um sie vor dem Gebrauche gehörig schütteln zu können, aufbewahrt. Sie hat ganz vortreffliche Eigenschaften. Die vornehmste ist diese, daß sie nach dem Eintrocknen in kaltem Wasser unauflöslich ist. Gießt man nämlich etwas davon in eine Untertasse und läßt bei mäßiger Wärme das Wasser abdunsten, so bleibt ein weißgelber Rückstand, der durch Uebergießen mit kaltem Wasser in zwei Theile zerlegt wird, einen festen und einen flüssigen. Der feste ist zusammenhängend und besteht aus Wachs, in Verbindung mit einem kleinen Antheile Potasche; der flüssige ist wasserklar, enthält kein Wachs, sondern Potasche Erhitzt man beide zusammen, so wird die ursprüngliche Verbindung (die Wachsmilch) wieder hergestellt, weil nun die Potasche wieder auflösend wirkt; hat man aber das Flüssige durch reines Wasser ersetzt, so ist dieß nicht der Fall.

Diesemnach haben wir also in der Wachsmilch ein Mittel, verschiedene Körper und Stoffe theils mit Wachs zu überziehen, theils damit zu durchdringen. Ein Anstrich auf Holz verträgt, nachdem er trocken geworden, ein Abwaschen mit kaltem Wasser, und nimmt durch Bürsten oder Reiben einen schönen Glanz an. Sie eignet sich also sehr gut, um damit Möbel zu Poliren und Fußböden einzulassen. Auch zum Ueberziehen von Gypsgestalten und baulichen Verzierungen aus Gyps eignet sie sich ganz vorzüglich. Die damit bestrichene Oberfläche nimmt einen matten Glanz an und Wasser, selbst beim stärksten Regen, haftet nicht darauf. Da der Gyps wässerige Flüssigkeiten sehr rasch einsaugt, so muß man beim Auftragen dieser Milch einen Gehülfen zur Hand haben, der mit bloßem Wasser vormalt, so daß sie stets nur auf eine bereits naßgemachte Stelle kommt, sonst häuft sich zu viel Wachs stellenweise an. Die Wachsmilch eignet sich ferner zur Darstellung von Wachspapier zum Einschlagen der Schnupftabake etc. Diese Wachsmilch wäre zu dem genannten Zwecke ganz gut anzuwenden. Man braucht nur Papier damit an beiden Enden zu bestreichen und dann zu glätten. Zuvor müßte jedoch der Ueberschuß an Potasche durch Einlegung des bestrichenen Papiers in kaltes Wasser entfernt werden. Jedoch lassen sich hier noch einige Verbesserungen anbringen. Zunächst durch Zusatz von Harz. Schmilzt man Wachs und Harz zusammen, so erhält man eine Masse, die zäher und biegsamer ist als beide für sich. Diese läßt sich zwar nicht eben so leicht wie Wachs mit Potaschenauflösung zu einer gleichförmigen Milch vereinigen, allein man braucht nur beide Verbindungen, jede für sich, darzustellen, worauf sie sich dann sehr gut mit einander vermischen lassen. Wenn man demnach die Wachsmilch nach der oben gegebenen Vorschrift bereitet hat, so macht man ganz auf dieselbe Weise und in denselben Mengenverhältnissen die Harzauflösung, also auf 12 Loth Potasche 24 Loth Harz und zweimal 120 Loth Wasser. Da das Harz in der heißen Flüssigkeit schwieriger zergeht als das Wachs, so muß man hier ein wenig länger erhitzen und endlich so lange kochen, bis eine gleichförmige klare Auflösung entstanden ist.

Da diese beiden Flüssigkeiten, die Wachsmilch und die Harzauflösung, sich, nachdem sie erkaltet sind, in allen Verhältnissen mit einander vermischen lassen, so hat man es in seiner Gewalt, die verschiedenartigsten Wachspapiere zu bereiten, vom reinen Wachspapiere anfangend und mit reinem Harzpapiere endend; dazwischen fallen dann die verschiedenen Mischungsverhältnisse beider. Wer dieß mit Genauigkeit durchversucht, wird bald sinden, welches Mischungsverhältniß das beste Tabakeinschlagepapier gibt. Auch wird derselbe bald erforschen, was zweckmäßiger ist, Löschpapier mit der warmen Flüssigkeit zu tränken oder Schreibpapier damit auf beiden Seiten zu bestreichen. Das letztere Verfahren kostet mehr Arbeit, auch erreicht man keine rechte Gleichförmigkeit. Zudem hat es dem Verf. geschienen, daß das getränkte Löschpapier sich, nachdem es gehörig getrocknet worden, besser glätten läßt. Auch könnte es seyn, daß ein einmaliges Tränken oder Bestreichen nicht hinreichend |399| wasserdicht macht, also zu wiederholen wäre. Doch können hier nur Versuche im Großen entscheiden, und da der Verf. hoffen darf, daß Jemand solches Wachsharzpapier in verschiedenster Dicke und Größe fabrikmäßig anfertigen und in den Handel bringen wird, so wird er (hoffentlich ein Papiermüller) schon die geeigneten Maschinen in Anwendung zu bringen wissen, selbst für dickes Packpapier. Letzteres wäre um so wünschenswerther, um endlich einmal die stinkende Wachsleinwand und das nicht wohlriechende Theerpapier los zu werden, die zum Verpacken der Postsachen dienen.

Der Verf. hat oben gesagt, daß die Wachsmilch nach dem Eintrocknen auf einer Untertasse nicht mehr als Ganzes in kaltem Wasser auflöslich ist. Es erfolgt eine für unseren Zweck erfreuliche Zerlegung in Potaschenauflösung einerseits und Wachs andererseits. Bei der Harzauflösung verhält es sich anders. Sie ist auch nach dem völligen Eintrocknen noch auflöslich in kaltem Wasser. Damit überzogene oder durchdrungene Stoffe können demnach nicht durch bloßes Wasser von der überflüssigen Potasche befreit werden Dasselbe gilt von einer mit Wachsmilch vermischten Harzauflösung. Kaltes Wasser nimmt die Harzverbindung daraus hinweg. Mit unserem Tabak- und Packpapier wäre es also nichts, wenn uns nicht andere chemische Hülfemittel zu Gebote ständen. Es sind dieß verschiedene Erd- und Metallsalze, zunächst Alaun. Taucht man das mit der Wachsharzauflösung getränkte und getrocknete Papier in eine schwache Alaunauflösung (auf 100 Wasser etwa 4 Alaun), so bleiben Wachs und Harz auf dem Papiere, und zwar in Verbindung mit der Thonerde des Alauns, indeß das Kali der Potasche mit der Schwefelsäure des Alauns sich zu schwefelsaurem Kali vereinigt und in die Flüssigkeit übergeht. Bittersalz, Eisen- und Kupfervitriol haben eine ähnliche Wirkung, und bei letzteren beiden Salzen nimmt dann das Papier eine entsprechende gelbliche oder bläuliche Farbe an. Der Verf. sieht nicht weiter darauf, wozu das nützen kann, doch findet es vielleicht später ein Anderer, der aber beachten möge, daß Kupfervitriol giftig ist, und folglich auch das damit behandelte Papier, wenn gleich in geringerem Grade. (Die neuesten Erfindungen, 1859, Nr. 21.)

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