Titel: Pumpmaschine der Wasserwerke zu Newcastle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 155, Nr. VI. (S. 13–15)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj155/ar155006

VI. Pumpmaschine der Wasserwerke zu Newcastle.

Aus dem Mechanics' Magazine vom 5. August 1859.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Die in Nachfolgendem beschriebene, von Robert Morrison construirte Maschine ist eine horizontale Hochdruck-Dampfmaschine, direct doppelt wirkend, mit Expansion und ohne Condensation, und mit Bleuelstange und Schwungrad versehen.

Fig. 18 zeigt einen Längenschnitt dieser Maschine;

Fig. 19 und 20 sind Querschnitte durch den Dampfcylinder und durch die Pumpe.

Der Dampfcylinder A hat einen Durchmesser von 26 Zoll bei 4 Fuß Hub; die an derselben Kolbenstange wirkende Pumpe B hat 11 1/2 Zoll Durchmesser. Auf der gemeinschaftlichen Kolbenstange F befindet sich der Kreuzkopf C, welcher an seinen beiden Enden mit Führungsbüchsen versehen ist. Die runden Führungsstangen werden in Lagern getragen, |14| welche auf der Sohlplatte befestigt sind. Am Kreuzkopf C wirkt die Bleuelstange E, die Bewegung auf die Schwungradwelle durch eine Kurbel übertragend, und die Länge der Kolbenstange ist ausreichend, den freien Durchgang der Kurbel bei der Pumpe zu gestatten. Die Führungen an C sind mit Stellschrauben versehen, um die Metalllager derselben bei der Abnutzung nachstellen zu können.

Das Schwungrad G hat 16 Fuß Durchmesser und wiegt 110 Ctr. Die Pumpe B ist doppelt-wirkend und hat einen massiven Kolben, mit Stulpliederung versehen; zwischen den Stulpen befindet sich eine Messingscheibe, welche zur Conservirung der Leder dienen soll.

Die Pumpenventile H, sogenannte Schmetterlingventile, bestehen aus 1 1/4 Zoll dicken Klappen von vulcanisirtem Kautschuk, welche auf Gitter schlagen, deren 1/2 Zoll breite Stäbe mit 1 Zoll weiten quadratischen Zwischenräumen stehen. Die freie Oeffnung eines Ventils beträgt 112 Quadratzoll. Die Saugventile befinden sich auf einer Kammer I, die in der Sohlplatte angebracht ist und in welche das Saugrohr K von Unten führt. 20 Fuß unter den Saugventilen, am Boden des Reservoirs, ist das Rohr K mit einem Rückgangsventil geschlossen, welches wie die übrigen aus einer Kautschukklappe mit Gitter besteht. Die Druckklappen, von genau gleicher Größe und Construction wie die Saugklappen, befinden sich dicht über denselben und sind durch ein horizontales, mit dem Pumpencylinder parallel liegendes Rohr, mit einander verbunden, von welchem das Druckrohr M direct abgeleitet ist. Von dem Hauptrohr M ist ein Zweigrohr zu dem außerhalb des Gebäudes stehenden Windkessel abgeleitet, welcher einen Durchmesser von 3 Fuß und eine Höhe von 12 Fuß hat. Zwei kleinere Windkessel N, N sind auf dem Pumpenkörper, direct über den Druckventilen, angebracht.

Der Dampfcylinder ist mit einem besonderen Expansionsschieber versehen, welcher sich auf der Rückseite des Vertheilungsschiebers bewegt; diese Anordnung ist in Fig. 21 und 21b in größerem Maaßstabe dargestellt. Beide Schieber werden durch feste Excentrics bewegt; der Hub des Expansionsschiebers jedoch ist variabel durch folgende Vorrichtung. Auf der Sohlplatte schwingt ein verticaler Hebel R, mit welchem durch ein Ausgleichstück der Expansionsschieber fest verbunden ist und seine Bewegung unverändert von ihm empfängt; im Schlitze des Hebels R schiebt sich ein Gleitklotz, an welchem die Excentricstange angreift und durch welchen eine Stellschraube geht; durch die Bewegung dieser Schraube nun, welche auch während des Ganges der Maschine möglich ist, schiebt sich der Gleitklotz auf und nieder und damit wird der Hub des Schiebers bestimmt, |15| welcher, sowie der Grad der Expansion, an einer am Hebel R angebrachten Scala abzulesen ist.

Der gebrauchte Dampf strömt in eine in der Sohlplatte angebrachte Cisterne, in welche das kalte Speisewasser durch ein durchbohrtes Einspritzrohr T tritt, um von hier, vorgewärmt, in den Kessel gepumpt zu werden. An der Seite der Cisterne ist ein Wasserstandsglas angebracht, um die Wasserhöhe in derselben, welche nicht mehr als drei Zoll betragen soll, erkennen zu lassen.

Da die Excentrics auf der Schwungwelle unveränderlich befestigt sind, so wurde eine besondere Anordnung getroffen, um den Gang der Maschine augenblicklich hemmen zu können, was vermittelst des Zweiwegehahns U (Fig. 21) bewerkstelligt wird, welcher die vom Schieberkasten führenden Dampfcanäle mit einander verbindet. Durch das Oeffnen dieses Hahns wird ein Gleichgewicht hergestellt und die Bewegung plötzlich unterbrochen.

Drei Cornwaller Kessel mit durchgehenden Röhren dienen zum Betriebe der Maschine, doch sind von denselben gewöhnlich nur zwei in Benützung, der dritte bleibt in Reserve. Die Kessel sind 28 Fuß lang, haben 4 Fuß 9 Zoll Durchmesser und ein Feuerrohr von 3 Fuß Durchmesser. Die Feuerthüren sind mit Luftregulirungsapparaten versehen, durch welche eine vollständige Rauchverbrennung erzielt wird. Die Maschine arbeitet gewöhnlich mit einer Spannung von 60 Pfd. Ueberdruck per Quadratzoll und mit 1/5 Füllung des Cylinders, wogegen die Bewegung des Vertheilungsschiebers eine constante ist und bei jedem Expansionsgrade Druck und Ausströmungsöffnung sich gleich bleiben. Die gebräuchlichste Geschwindigkeit der Maschine ist 24 Umdrehungen per Minute oder 192 Fuß Kolbengeschwindigkeit; dieselbe hat jedoch schon mit 40 Umdrehungen oder 320 Fuß Kolbengeschwindigkeit gearbeitet. Der durch ein Manometer gemessene Druck des Wassers auf die Pumpe ist = 80 Pfd. per Quadratzoll im ruhigen Stand, und er steigt bis 95 Pfund per Quadratzoll während der Arbeit, entsprechend 18,6 Pfd. per Quadratzoll auf den Dampfkolben oder 57 effectiven Pferdekräften. Der Kohlenverbrauch ist nach einem Mittel von 3 Monaten = 30 Pfd. per Tag von 12 Stunden einschließlich der Anheizung, oder 5 Pfund per Stunde und effective Pferdekraft, entsprechend 4 Pfd. per Stunde und Pferdekraft nach dem Indicator. Daraus ersieht man, daß der Kohlenverbrauch nicht viel größer ist als bei einer Maschine mit Condensation, während die Anschaffungskosten der Maschine und Kosten für den Bau der Fundamente etc. bedeutend geringer sind. Ebenso gebührt dieser Maschine wegen ihres ruhigen und sicheren Ganges der Vorzug vor einer Balanciermaschine.

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