Titel: Scott's Dampframme.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 155, Nr. LXXIII. (S. 243–246)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj155/ar155073

LXXIII. Dampframme von Michael Scott und Andrew Robertson.

Aus der Revue universelle des mines, August und September 1859, S. 121.

Mit Abbildungen auf Tab. IV.

Diese Ramme wurde beim Bau eines Ausladeplatzes am Flusse Blyth angewendet. Eine Reihe von Pfählen, 2,44 Met. von Mittel zu Mittel entfernt, sollte auf eine Tiefe von 4,42 Met. in einer Neigung von 1/12 in den Boden gerammt werden. Hinter dieser ersten Linie, in 4,57 Met. Abstand, sollte eine zweite Reihe von Pfählen, ebenfalls 2,44 Met. von Mittel zu Mittel entfernt, in einer Neigung von 4/12 eingerammt werden. Jeder Pfahl der zweiten Linie war in den Zwischenraum zu setzen, welchen zwei Pfähle der ersten Linie bildeten, mit denen er durch Zugbalken verbunden |244| wurde. Die Zwischenräume der Pfähle der ersten Linie mußten durch Spunddielen von 0,305 Met. Breite auf 0,15 Met. Dicke und 3,05 bis 3,35 Met. Länge ausgefüllt werden. Mit Ausnahme eines Theiles der Linie, welcher auf eine sehr feste Kiesbank traf, war der Grund sandig und bot dem Eindringen der Pfähle große Schwierigkeiten dar. Das Terrain befand sich 0,60 bis 0,70 Met. über dem Niederwasser (Ebbe) der gewöhnlichen Frühlingsfluth, welche zu Blyth eine Höhe von ungefähr 3,96 Met. erreicht.

Die Ramme, welche zur Anlage dieser Arbeiten benutzt wurde, ist in Fig. 1 in der Seitenansicht und in Fig. 2 in der Vorderansicht dargestellt. Sie ist so eingerichtet, daß sie zu gleicher Zeit zwei Pfähle der ersten Linie und einen der zweiten einschlagen kann. Der Vordertheil der Ramme enthält zwei Laufruthen-Paare A, A, welche unter einander, in der für das Einschlagen zweier Pfähle erforderlichen Entfernung, verbunden sind. Diese Laufruthen drehen sich um Scharniere B, um ihnen die nothwendige Neigung geben zu können, und werden durch Streben C gestützt. Der gezimmerte Boden D, an welchem die Scharniere und die Streben befestigt sind, ist von der Plattform E, auf der er ruht, unabhängig und kann vorgerückt oder zurückgeschoben werden, je nachdem es die Richtung der Laufruthen erheischt. Während des Rammens wird er aber durch Bolzen auf der Plattform festgehalten. Seine Verschiebung auf derselben geschieht mittelst der zu beiden Seiten angebrachten Räder F. Unter diesen Rädern werden sehr scharfe eiserne Keile angebracht, und es genügt die Räder zu drehen, um den gezimmerten Boden zu heben und ihn nach Bedarf vor- oder zurückzuschieben. Die Keile werden dann durch einen Schlag mit dem Hammer weggenommen.

Das gezimmerte Gerüst H, auf welchem die Plattform über der hohen Fluth steht, ist durch Andreaskreuze fest verbunden und wird auf einer auf dem Erdboden hergestellten Schienenbahn transportirt. Seine Versetzung geschieht mittelst Ketten, welche an Ankern befestigt sind, die stromauf- und abwärts auf den Grund des Wassers hinabgelassen wurden. Die Ketten gehen über die unten am Gerüst befestigten Rollen I und dann über die äußere Trommel K der Treibwellen. Ist die Maschine auf dem Platze angelangt, so werden diese Ketten von den Trommeln abgenommen und an der Plattform befestigt oder aufgehängt. Die Laufruthen L, welche sich am Hintertheile der Maschine zum Einrammen der zweiten Pfahlreihe befinden, werden unter dem erforderlichen Winkel befestigt, sind aber nicht beweglich, weil sie nicht ganz genau gestellt zu werden brauchen.

Auf der Plattform E steht eine Dampfmaschine M mit zwei Wellen N, N, von denen jede einen Rammklotz O in Betrieb setzt. Diese Wellen |245| sind mit Kuppelungen und Bremsen versehen. Die Kuppelungen P, P (Fig. 3) sind so angeordnet, daß immer eine der Wellen eingerückt ist, während die andere ausgelöst ist; das Aus- und Einrücken geschieht mittelst des Gewichthebels Q, der sich frei auf seiner Achse dreht, und, indem er in den Einschnitt R tritt, seine Wirkung ausübt.

Der Apparat wird folgendermaßen betrieben:

Nachdem die erste Welle durch das Gewicht des Hebels Q eingerückt worden ist, wird der Rammklotz gehoben; während dieser Zeit dreht man den Hebel in die durch punktirte Striche angezeigte Stellung; in dieser neuen Lage strebt der Hebel die Kuppelung der Welle auszulösen, aber die Reibung welche beim Heben des Rammklotzes erzeugt wird, verhindert die Auslösung; nachdem jedoch der Klotz am Ende seines Hubes angelangt und von seiner Befestigung befreit ist, gibt die Kuppelung dem Hebel nach und der Fallblock, welcher den ersten Klotz hielt, fällt zurück, wobei die Geschwindigkeit seines Falles durch die angelegte Bremse T gemäßigt wird. Sobald die erste Welle ausgelöst ist, kommt die zweite in Wirksamkeit, um den anderen Rammklotz zu heben, und die Dampfmaschine arbeitet daher continuirlich, ohne Zeitverlust, fort.

Die anfangs angewendeten Bremsen und Kuppelungen gaben keine befriedigenden Resultate. Diese Bremsen waren aus einem Stück mit den Kuppelungen, von welchen man sie dann trennte, um sie auf den Wellen zu befestigen. Die Kuppelungen, deren Reibungsflächen cylindrisch waren, boten dem Hebel einen zu großen Widerstand dar, welchen man bedeutend verminderte, indem man ihnen eine schwach conische Form gab.

Jeder Rammklotz O wog 1525 Kilogr.; beim Beginn seiner Bewegung mußte ein so schwerer Rammklotz, in Folge der großen Geschwindigkeit womit die Wellen sich drehten, die Wirkung eines Stoßes hervorbringen, welchem die Ketten und das gezimmerte Gerüst auf die Dauer nicht widerstehen konnten. Um diese Wirkung abzuschwächen, sah man sich also genöthigt eine Feder anzubringen. Die angenommene Einrichtung, Fig. 4, besteht in einem Cylinder U, welcher mit einem Kolben versehen ist, auf dessen obere Fläche eine starke gewundene Feder drückt, deren Zusammenpressung ein Gewicht gleich demjenigen des Rammklotzes erfordert. Der Kolbenschub ist 0,10 Met., und die Kette rollt sich um diese Länge auf, ehe der Rammklotz zu steigen anfängt. Die Feder bleibt zusammengepreßt, so lange als der Rammklotz steigt, und dehnt sich erst aus, wenn derselbe am oberen Ende seines Weges angekommen und von seiner Befestigung losgemacht ist. Damit diese Ausdehnung der Feder den Kolben nicht zu heftig gegen den Boden des Cylinders stoßen kann, brachte man in diesem Boden eine kleine Oeffnung an, um Luft eintreten |246| zu lassen. Diese Oeffnung ist so klein, daß die ganze Zeit des Kolbenhubes erforderlich ist, um den Cylinder mit Luft zu füllen, und da diese nicht plötzlich entweichen kann, so bildet sie für den Kolben ein Polster. Die theilweise Leere, welche unter dem Kolben entsteht und die Zusammenpressung der über dem Kolben befindlichen Luft begünstigen die Wirkung der Feder.

Nachdem die Pfähle auf Flößen an den Arbeitsplatz gebracht worden sind, befestigt man die Rammklötze mittelst eines durch die Laufruthen gesteckten Bolzens, oben an der Ramme. Die Betriebsketten werden losgemacht und an einen Pfahl angehakt, welcher dann durch die Maschine aufgehißt und eingestellt wird. Die ganze Arbeit geht mit großer Geschwindigkeit von statten, wozu die eigenthümliche Form des Hakens V (Fig. 6), welcher dazu dient die Kette an den Fallblock zu befestigen, wesentlich beiträgt.

Dieser Haken, welcher leicht mit der Hand losgelöst werden kann, bietet eine große Sicherheit dar, einerseits durch seine Widerstandsfähigkeit, andererseits weil er sich unmöglich aus dem Ring lösen kann, während der Rammklotz aufgezogen wird.

Das Gewicht und der Preis dieser neuen Ramme betragen nur ein Viertel von dem Gewicht und Preis der Dampframmen von Nasmyth 47) und Morrison; und da sie unter den gegebenen Umständen wegen ihrer leichtern Verrückung eben so viele Pfähle per Tag einschlagen kann, wie diese letzteren, so gewährt sie eine große Ersparniß. Das Aufhissen, Einstellen und Einrammen der Pfähle erfordern bei dieser Ramme nur eine einzige Dampfmaschine von vier Pferdekräften, während die anderen Rammen durch zwei getrennte und viel kräftigere Dampfmaschinen betrieben werden. Allerdings sind aber die Rammen von Nasmyth und Morrison vortheilhafter wenn es sich darum handelt, eine große Anzahl von Pfählen innerhalb eines beschränkten Raumes einzuschlagen.

Der Preis der neuen Ramme, mit der tragbaren Dampfmaschine und den drei Rammklötzen, beträgt 11,250 Francs.

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Nasmyth's Dampframmmaschine ist im polytechn. Journal Bd. CXI S. 13 beschrieben.

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