Titel: Zipser's Rauhmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 155, Nr. CXVII. (S. 406–409)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj155/ar155117

CXVII. Die Rauhmaschine von Zipser und Klein.

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

Die HHrn. Zipser und Klein in Biala (bei Bielitz in österreichisch Schlesien) haben in Folge des, dem württembergischen Gewerbeblatt entnommenen, im Jahrgang 1859 des polytechn. Journals, Bd. CLIV S. 350 enthaltenen Aufsatzes über ihre patentirte Rauhmaschine, der Redaction eine Zeichnung und Beschreibung der Maschine, nebst Gebrauchsanweisung und einer Anzahl von Zeugnissen übersendet. Dadurch sind wir in Stand gesetzt, die frühere Mittheilung durch das Nachfolgende zu ergänzen.

Vorzüge des neuen Systems.

Das Rauhmaschinen-System der HHrn. Zipser und Klein, welches für jede Gattung Schaf- so wie Baumwollwaaren geeignet ist, hat sich sowohl durch deren eigene vierjährige Erfahrungen als auch nach den Zeugnissen der Industriellen, welche dasselbe in ihren Fabriken einführten, vollständig bewährt; die Erfinder können daher gegen die seitherigen, sowohl einfachen als doppelten Rauhmaschinen (selbstverständlich bei richtiger Behandlung der Maschine und der Waare) folgende Vorzüge garantiren:

1) qualitativ bessere Rauherei und gänzliche Verhütung des Durchrauhens;

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2) quantitative Leistung des Aufrauhens (Postirens) mindestens gleich 4 alten einfachen oder 1 1/2 bis 2 Doppel-Rauhmaschinen;

3) mehr als die Hälfte Karden- und wenigstens zwei Drittel Kraft-Ersparniß;

4) bedeutende Oekonomie an Raum, Arbeitslohn u.s.w.;

5) geringern Abgang an Rauhflocken und größern Werth derselben.

Der Preis einer Aufrauh- (Postir-) Maschine ihres Systems ist: 750 fl. österr. per comptant, loco Biala, außer Verpackungs- und Montirungsspesen.

Zum Strich-Rauhen empfehlen die Erfinder eine Strich-Rauhmaschine eigener Construction, von denen eine zur Bedienung von 3–4 Aufrauhmaschinen hinreicht, zum Preis von 400 fl. österr., ausschließlich Verpackung und Montirung.

Beschreibung der Maschine.

Die Bewegung wird auf die Maschine, Fig. 1 und 2, durch einen Treibriemen übertragen, für welchen A die Triebscheibe, B der Leerlauf ist. Mit der auf der Achse m drehbaren Triebscheibe A sind die Riemenscheiben C und D fest verbunden und theilen ihre Bewegung den Scheiben C' und D' mit. Auf der Achse n, welche die Riemenscheibe C' trägt, befindet sich neben dieser letztern ein Getriebe E, welches in ein Zahnrad F eingreift. Die Achse dieses Zahnrades trägt an ihrem entgegengesetzten Ende eine kleine Riemenscheibe G, von welcher aus ein gekreuzter Riemen auf die Riemenscheibe H geht. Auf der Achse von H steckt ein Getriebe J, welches in das Rad K greift, das seine Bewegung durch das daneben befindliche Getriebe L (Fig. 1) dem Rad M mittheilt. Da das Rad M auf der Achse m der Kardentrommel befestigt ist, so wird natürlich auch diese letztere langsam mitbewegt.

Das Rad F kann durch die Hebelvorrichtung O so gestellt werden, daß es entweder in das Rad P oder Q eingreift. Um diese Verstellung möglich zu machen, sind die Achsenlager R mit einer länglichen statt cylindrischen Bohrung versehen. Da die Walzen S und S' mit den Achsen der Räder P und Q verbunden sind, so wird bald die eine, bald die andere dieser Walzen direct von dem Rad F bewegt, wodurch das Tuch bald aufwärts, bald abwärts (in der Zeichnung aufwärts) geführt wird. Gleichzeitig mit dem Wechseln des Rades F löst sich auch die Bremsvorrichtung b und b' von der mit F verbundenen Tuchwelle und schließt sich an die frei gewordene zweite Tuchwelle an. Weil das Tuch durch seine Reibung die gerade ausgelöste Tuchwalze mitnimmt, so kann durch den Grad der Bremsung, welche man dieser Walze gibt, die Spannung |408| des Tuchs geeignet regulirt werden. Die neun Rollen T dienen bloß zur Führung des Tuchs und sind durch Riemen mit einander verbunden, wie es die in der Zeichnung ausgezogenen Linien andeuten.

Das zu rauhende Tuch, dessen Geschwindigkeit bis 280 Fuß per Minute beträgt, geht, ehe es mit der Kardentrommel in Berührung kommt, über die Strecker oder Streckwalzen M. Diese bestehen, wie gewöhnlich, aus acht in der Richtung der Achse verschiebbaren Schienen, welche durch die schief gestellten Scheiben V während der Drehung hin und her bewegt werden. Um auch die Größe der Streckung verändern zu können, sind an den schiefen Scheiben V Stellschrauben angebracht, durch welche der Winkel, den sie mit der Achse bilden, vergrößert oder verkleinert werden kann.

Die durch die Karden erzeugten Flocken werden durch eine im Putzkasten W befindliche, durch die feste Riemenscheibe D' getriebene Bürstenwalze beseitigt, welche ihrer Abnutzung wegen höher und niederer gestellt werden kann. Zur Entfernung der Flocken aus dem Kasten W dient die Thür Z.

Das zu rauhende Tuch liegt in dem Kasten oder Behälter X und wird über die Walzen auf- oder abwärts geführt, wie es in der Zeichnung die punktirten Linien andeuten.

Die Zahnräder haben folgende Durchmesser (am Theilkreise gemessen) und Zähneanzahl:

Bezeichnung
der Räder.
Durchmesser
in Zollen.
Anzahl
der Zähne.
E . . . . 9 1/4 45
F . . . . 19 3/4 90
J . . . . 2 1/4 20
K . . . . 16 3/4 144
L . . . . 4 1/2 21
M . . . . 19 3/4 90
P . . . . 19 3/4 90
Q . . . . 19 3/4 90

Anwendung der Maschine.

Das zu bearbeitende Tuch soll sich in einem möglichst trockenen Zustande befinden, von welcher Qualität es auch seyn möge. Dieser |409| Umstand hat nicht nur eine außerordentliche Schonung der Karden zur Folge, sondern gewährt auch noch einen besonderen Vortheil bei der Bearbeitung von faltigen oder bändigen Tuchen, indem man dieselben vor dem Rauhen am Rahmen aufspannen und trocknen kann.

Die Rauharbeit fängt man mit stumpfen Karden an und steigt nach und nach zu immer schärferen auf, wie es bei den älteren Rauhmaschinen auch der Fall ist. Da aber bei der neueren Maschine das Anschlagen der Kardenstäbe ohne Unterbrechung des Ganges vorgenommen werden kann und folglich keinen Zeitverlust veranlaßt, so gibt man durch schnellere Wechsel um circa 50 Proc. mehr Sätze, wodurch der Operationsgang bedeutend beschleunigt wird. Die in diesem Falle nothwendigen Abstufungen der einzelnen Sätze, von 15 bis 20 Satz à. 12 Stäben per Maschine, erlangt man durch den Gebrauch auf die leichteste Weise, da die Karden auf der Maschine selbst gereinigt und zugleich völlig trocken erhalten werden.

Die Rauharbeit wird am besten so geführt, daß man von der zusammengenähten Tuchpartie immer 2 bis 4 Stück speciell vornimmt und dieselben zu wiederholtenmalen hin und her rauht, wobei die Karden nur während eines ein- bis zweimaligen Hin- und Herganges benützt und dann ausgewechselt werden. Ist das Tuch weich geworden und hat einen völlig dichten Besatz erhalten, so tritt das Strichrauhen ein, mit 2 bis 3 Satz aufsteigend schärferen Karden. Zum eigentlichen Strichrauhen ist die Maschine weniger geeignet, als zum bloßen Aufrauhen oder Postiren; daher kommt zu diesem Zwecke eine der älteren Rauhmaschinen mit schnell laufender Trommel und langsam fortschreitendem Tuche zur Anwendung. Diese vorzugsweise Anwendung der Maschine zum Aufrauhen hat zur Folge, daß das Abscheren des Haares vor oder während des Rauhens wegfällt und nur noch in seltenen Fällen nöthig wird, z.B. bei langhaarigen Winterstoffen, Velour u. dergl. Dagegen kann man vor dem Strichlegen auf schnell laufender Trommel das aufgerauhte Tuch, namentlich bei besserer und schwerer Waare, durch einige wenige sanfte Schnitte abscheren; dieß erleichtert das Scheren im Fertigen und gibt ein sehr rundes Haar mit feinem Korn.

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